Hamburger, Kinder und Schnuckenkopf

Kunst aus der Dose auf Zeit: Graffiti-Künstler verzieren die „Alte Schlachterei“

Hamburger, Kinder und Schnuckenkopf

Sie sind ein Ärgernis, die Schmierereien an Hauswänden, Brücken, Zugwaggons und Straßenschildern. Insbesondere in Großstädten, aber zunehmend auch auf dem Lande, sind illegale Graffiti ein alltägliches Bild. Die durch sie verursachten Kosten summieren sich alljährlich auf rund 200 Millionen Euro, so das Ergebnis einer Studie des Deutschen Städtetags, auf die die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes verweist. Klar ist: Illegale Graffiti sind Sachbeschädigungen. Die Verursacher machten sich schadenersatzpflichtig und werden strafrechtlich verfolgt. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Graffiti-Künstler, die ihrer Kreativität ganz legal freien Lauf lassen und auf erlaubten Flächen mit ihren Arbeiten für beeindruckende „Farbtupfer“ sorgen, die die Betrachter begeistern. Und genau deshalb ist jetzt die „Alte Schlachterei“ in der Schneverdinger Innenstadt mit „Kunst aus der Spraydose“ in eine „Freiluft-Ausstellung“ der besonderen Art verwandelt worden. Seit vergangenem Freitag und bis gestern Abend haben Künstler aus Hamburg, Uelzen und Schneverdingen das marode Gebäude mit ihrer „Streetart“, also Straßenkunst, versehen. Und das in dem Wissen, dass ihre „Werke“ dort vergänglich sind, zumal die „Alte Schlachterei“ bekanntlich abgerissen und durch ein zeitgemäßes Kulturhaus ersetzt werden soll (HK berichtete). Noch aber steht das langsam, aber sicher verfallende Gebäude, dessen aufgepeppte Fassade nun nicht mehr zum Wegschauen, sondern zum Hinsehen animieren soll.

Die Idee zur „Streetart“-Aktion hatte Alexander Riekens, einer der „jungen Wilden“ des Schneverdinger Kulturvereins und selbst aktiver Künstler. Da die Verantwortlichen der Stadt dem Kulturverein grünes Licht für diese Aktion gegeben hatten, konnte er einige Künstler dafür begeistern, das Gebäude „aufzuhübschen“.

In der Graffiti-Szene geben sich die Sprayer Künstlernamen, so auch „TONA“, der mit der sogenannten Stencil- oder Schablonenkunst arbeitet. Von ihm stammen auch die Kindermotive aus verschiedenen Kulturen, die auf der „Alten Schlachterei“ zu sehen sind. Anderen Themen widmet sich „SPÄM“. Zu seinen bevorzugten Motiven zählen Hamburger aus der Fast-Food-Küche, die er in Comicform darstellt. Sein „Kollege“ namens „DranDruff“ hingegen hat Gemüsecomics zu seinem Markenzeichen gemacht. Auf etwas anderes hatte in diesem Fall ganz offensichtlich Künstler „LAQUART 79“ „Bock“: Neben einem großen „Lebe“-Schriftzug und weiteren kleinen Motiven zauberte einen überdimensionalen Schnuckenkopf an die Wand.

Was das geplante neue Kulturhaus angeht, so hat die Corona-Pandemie dem Kulturverein bei einer Reihe von geplanten Aktivitäten zugunsten des Projekts einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Nichtsdestotrotz lassen die Mitglieder ihre Köpfe nicht hängen und arbeiten weiter engagiert an der Realisierung des Vorhabens. Dazu Dorothee Schröder, Geschäftsführerin des Kulturvereins: „Demnächst wird es Neuigkeiten geben. Es geht voran.“

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