Handschellen klickten

Großeinsatz in fünf Bundesländern / Schneverdinger festgenommen

Handschellen klickten

In gewissen Kreisen genoss er den Ruf eines Botschafters und wurde auch so genannt. Am gestrigen Dienstagabend bekam der Schneverdinger Besuch von Spezialkräften der Bundespolizei - unangekündigt, denn die Beamten kamen mit einem Haftbefehl und rechneten durchaus mit Flucht oder Gegenwehr. Doch der Einsatz war erfolgreich, die Handschellen klickten und die Bundespolizisten krönten damit eine mehr als einjährige Ermittlungsarbeit gegen den 65jährigen, bei der es um gewerbsmäßige Schleusungskriminalität und gewerbsmäßige Urkundenfälschung geht. Wie weitreichend die Ermittlungen der Beamten sind, wurde am heutigen Mittwoch deutlich: In einem Großeinsatz durchsuchten insgesamt 530 Beamte in fünf Bundesländern diverse Häuser und Wohnungen.

In Niedersachsen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Baden-Württemberg war die Bundespolizeidirektion Hannover im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hannover bei dem Einsatz zur Bekämpfung der organisierten Fälscher- und Schleuserkriminalität aktiv. Die 530 eingesetzten Beamten konnten drei Haftbefehle sowie 32 Durchsuchungsbeschlüsse in 26 Objekten vollstrecken.

Im Zentrum der Ermittlungen steht der 65jährige Schneverdinger. Ihm wird vorgeworfen, in großem Umfang Nationalpässe ausländischer Staatsangehöriger mit gefälschten Grenzkontrollstempeln versehen zu haben, um diesen eine scheinlegale Einreise beziehungsweise einen ebensolchen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland zu ermöglichen. Bei den Inhabern der Pässe handelte es sich überwiegend um albanische Staatsangehörige, die sich innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen für 90 Tage zu touristischen Zwecken im Bundesgebiet aufhalten dürfen.

„Der Modus Operandi war offenbar darauf ausgerichtet, den Drittstaatsangehörigen gegen Bezahlung zu einem illegalen Daueraufenthalt in Deutschland zu verhelfen. Dem Beschuldigten wird gewerbsmäßige Urkundenfälschung und Einschleusung von Ausländern vorgeworfen“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Hannover und der Bundespolizeidirektion Hannover.

Als „Fälscherwerkstatt“ will Erster Staatsanwalt Oliver Eisenhauer die Wirkungsstätte des Festgenommenen nicht gerade bezeichnen: „Der Beschuldigte hat gefälschte Stempel in echte Dokumente gesetzt“. Allerdings hätten sich bei dem Einsatz in Schneverdingen auf dem Dachboden auch eine Vielzahl verschiedenster Blankodokumente gefunden, von Kfz- bis zu Aufenthaltsbescheinigungen. Das deute zumindest auf weitreichendere Tätigkeiten hin, so der Jurist. Und Angelika Kubik, Sprecherin der Bundespolizeidirektion Hannover, ist sich sicher, dass ihren Kolleginnen und Kollegen mit der Festnahme kein kleiner Fisch ins Netz gegangen ist. „Der Mann hat das seit mehreren Jahren gemacht, wir gehen von einer mindestens dreistelligen Anzahl manipulierter Pässe aus“, so die Beamtin.

Der Beschuldigte ist zudem auch kein unbeschriebenes Blatt, wie Eisenhauer auf Anfrage bestätigt: Der Mann ist vorbestraft, und auch gegen die Ehefrau des Festgenommenen laufen in dieser Sache Ermittlungen - ebenso wie gegen die Auftraggeber der Passfälschungen, die im Verdacht der Anstiftung zur Urkundenfälschung sowie des unerlaubten Aufenthalts stehen.

Darüber hinaus stehen weitere Beschuldigte in Verdacht, den 65jährigen bei seinen Taten, „beispielsweise durch den grenzüberschreitenden Transport gefälschter Dokumente, unterstützt zu haben“, heißt es weiter in der Pressemitteilung. Und weiter: „Als Beweismittel konnten verschiedene Arbeitsmittel zur Dokumentenfälschung, wie beispielsweise Stempel, eine Vielzahl an Dokumenten und diverse Datenträger sichergestellt werden. Weiterhin wurden Waffen und hohe Summen Bargeld aufgefunden.“

Durch die Auswertung des beschlagnahmten Beweismaterials erhoffen sich die Ermittler neben der „beweissicheren Strafverfolgung“ weitere Ansatzpunkte, um das Schleusernetzwerk weiter aufzuhellen und zu zerschlagen.

Logo