„Pastor Hasselberg aus Dienst entfernen“

Landeskirchenamt kündigt Disziplinarklage gegen früheren Schneverdinger Seelsorger an

„Pastor Hasselberg aus Dienst entfernen“

Es ist erst wenige Tage her, da ist Pastor Frank Hasselberg, seit August 2018 vorübergehend suspendiert, von seinen Gemeinden Markus Schneverdingen und Friedenskirche Heber in einer Andacht in der Eine-Welt-Kirche verabschiedet worden. Kurz danach scheint jetzt wieder Bewegung in das Verfahren gegen den Pastor wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten gekommen zu sein: Das Landeskirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers hat sich in einer Mitteilung zu Wort gemeldet und angekündigt, Hasselbergs Entfernung aus dem Dienst beantragen zu wollen.

Mehrfach hat der Heide-Kurier in den vergangenen Monaten über den Schneverdinger Pastor berichtet, so auch darüber, dass sich das Verfahren gegen Hasselberg schon mehr als ein Jahr dahinschleppte. „Wegen des Verdachts auf finanzielle Unregelmäßigkeiten hat die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers Pastor Frank Hasselberg vorübergehend vom Dienst suspendiert“, hieß es in der Mitteilung von August 2018. Keiner der Beteiligten mochte sich ein Jahr später - im August 2019, an Hasselbergs Suspendierung hatte sich nichts geändert - über ein mögliches Ende des Verfahrens äußern.

Statt dessen kam dann nur wenige Tage später eine mit Hasselberg abgestimmte Pressemitteilung von Dr. Michael Blömer, Superintendent des Kirchenkreises Rotenburg. Darin hieß es, die Vorwürfe gegen den Pastor müssten gründlich geprüft und bewertet werden. Die Situation in den beiden Gemeinden sei für alle Betroffenen extrem belastend. Leider gebe es keine einfache und schnelle Lösung. Weiter hieß es, Hasselberg habe sich deshalb entschieden, die beiden Gemeinden zu verlassen: „Auch ich sehe, dass das ganze Verfahren noch lange dauern wird. Für mich hat sich gezeigt, dass ich hier - auch nach einem Freispruch - nicht mehr als Seelsorger arbeiten kann. Ich möchte den Weg freimachen für einen Neuanfang“, so Hasselberg in der Presseerklärung von August 2019.

Am 26. Oktober schließlich folgte die Abschiedsandacht für den Gemeindepastor, der 22 Jahre in Schneverdingen und Heber seinen Dienst getan hat. Damit verlässt er die Heide und bleibt weiterhin vorübergehend suspendiert. Allerdings scheint das Verfahren jetzt auf ein - möglicherweise aber nur vorläufiges - Ende zuzusteuern.

So verweist die aktuelle Mitteilung des Landeskirchenamtes zunächst noch einmal auf die Hintergründe für das Verfahren gegen Hasselberg: „Ihm wird vorgeworfen, wiederholt Gelder seiner beiden Kirchengemeinden Heber und Schneverdingen in erheblicher Höhe veruntreut zu haben. Pastorinnen und Pastoren der Landeskirche stehen in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis. Die Verfolgung von Pflichtverletzungen richtet sich nach dem Disziplinargesetz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das dem staatlichen Disziplinarrecht nachgebildet ist.“

Dass sich dieses Disziplinarverfahren so lange hingezogen habe, sei bedauerlich: „Dies liegt vor allem daran, dass Details und Zeugenaussagen überprüft werden mussten und immer wieder neue Recherchen nötig waren. Unsere Ermittlungen, zu denen Pastor Hasselberg mehrmals Stellung nehmen konnte, haben die Vorwürfe weitgehend bestätigt. Pastor Hasselberg hat seine Suspendierung zwischenzeitlich vor der Disziplinarkammer des Rechtshofs der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen angefochten. Die Disziplinarkammer ist ein unabhängiges kirchliches Gericht. Sie besteht aus zwei ehrenamtlich tätigen Richtern, die auch beruflich als Richter tätig sind, und einer Pastorin. Die Disziplinarkammer hat die Vorwürfe überprüft und die Suspendierung bestätigt“, so Dr. Rainer Mainusch, Leiter der Rechtsabteilung des Landeskirchenamtes, in der Mitteilung.

Und weiter: „Die Ermittlungen sind mittlerweile abgeschlossen. Wir werden nunmehr vor der Disziplinarkammer des Rechtshofs Disziplinarklage mit dem Antrag auf Entfernung aus dem Dienst erheben. Pastor Hasselberg hat durch seine fortgesetzten Handlungen das Vertrauen, das in einen Pastor gesetzt werden muss, grob verletzt. Wer unserer Kirche Kirchensteuern, Spenden und Kollekten anvertraut, muss sich jederzeit darauf verlassen können, dass alle Mitarbeitenden der Kirche mit diesen Geldern absolut verlässlich und uneigennützig umgehen.“

Wie Pastor Benjamin Simon-Hinkelmann auf Nachfrage erläutert, sei derzeit noch nicht klar, wann die Disziplinarkammer entscheiden werde: „Sie ist ein unabhängiges Gericht, das seine Termine selbst macht. Sie tagt nicht regelmäßig, sondern nur im Bedarfsfall, das heißt, es beginnt jetzt die Terminfindung“, so der stellvertretende Pressesprecher der Landeskirche. Sollte die Kammer dem Antrag folgen und Hasselberg aus dem Dienst entfernen, „dann könnte Herr Hasselberg künftig nicht mehr Pastor in einer Gemeinde der Landeskirche sein.“ Auswirkungen hätte dies beispielsweise auch auf sein Altersruhegeld: Die Landeskirche würde in einem solchen Fall rückwirkend in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, das heißt, Hasselberg würde nachversichert. Dadurch bekäme er dann Rente, aber keine Pension.

Wann und ob das am Ende alles so kommt, ist noch die Frage: Sollte die Disziplinarklage mit einer Entfernung aus dem Dienst enden, „dann könnte Herr Hasselberg gegen das Urteil der Disziplinarkammer Berufung einlegen. Zuständig wäre dann die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)“, erläutert Simon-Hinkelmann.

Wie Hasselberg selbst dies beurteilt, bleibt zunächst offen, denn er war am 5. November für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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