AWO lädt zu Familienfest

100 Jahre Arbeiterwohlfahrt: Kreisverband feiert in Schneverdingen

AWO lädt zu Familienfest

Es war am 13. Dezember 1919, als die Sozialdemokratin Marie Juchacz mit Zustimmung des SPD-Parteiausschusses den „Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt“ in Berlin gründete. Damit kann die Arbeiterwohlfahrt (AWO) jetzt ihr 100jähriges Bestehen feien. Aus diesem Anlass lädt der AWO-Kreisverband Heidekreis in Zusammenarbeit mit dem AWO-Ortsverein Schneverdingen zu einem großen, öffentlichen Familienfest ein: Es steht am Sonntag, dem 8 September, von 11 bis 17 mit viel Musik und zahlreichen Angeboten für Kinder im Schneverdinger Walter-Peters-Park II am großen Spielplatz auf dem Programm.

Marie Juchacz war zu einer Zeit politisch hochengagiert, in der Frauen Politik noch verboten war. Sie kämpfte stellvertretend für alle Frauen in diesem Land für Gleichberechtigung, Solidarität und Gerechtigkeit. Sie war Sozialreformerin und Frauenrechtlerin und als solche unter anderem Vorkämpferin für das Frauenwahlrecht. Nach der Einführung des passiven Wahlrechts hielt sie am 19. Februar 1919 als erste Frau eine Rede in der Weimarer Nationalversammlung.

Die AWO wurde mit dem Ziel gegründet, der Not vorzubeugen, Wohlfahrtsleistungen zu verbessern und moderne sozialpädagogische Methoden anzuwenden - die öffentliche „Armenpflege“ der Kaiserzeit sollte schrittweise durch eine moderne Fürsorgegesetzgebung überwunden werden. Die AWO hat Nähstuben, Werkstätten, Beratungsstellen und Mittagstische angeboten.

Friedrich Ebert, der erste deutsche Reichspräsident, gibt dem jungen Wohlfahrtsverband das Motto auf den Weg: „Arbeiterwohlfahrt ist die Selbsthilfe der Arbeiterschaft.“

Mit den Nationalsozialisten kommt das vorläufige Aus für die AWO: Wenige Wochen nach Hitlers Machtübernahme wird sie verboten. Zahlreiche Mitglieder müssen angesichts der drohenden Verfolgung Deutschland verlassen; andere werden systematisch verfolgt und umgebracht. Marie Juchacz flieht und findet in den USA Zuflucht. 1949 kehrt sie nach Deutschland zurück und wird Ehrenvorsitzende der AWO.

Doch mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges erwacht auch die AWO zu neuem Leben. Bereits 1946 wird sie in Hannover als parteipolitisch und konfessionell unabhängige und selbständige Organisation neu gegründet, während die DDR eine Neugründung unterbindet. 1990 - ein Jahr nach dem Mauerfall - erklären auch die neuen Landesverbände der AWO in den östlichen Bundesländern ihre Mitgliedschaft im Bundesverband.

Die AWO-Helfer im Westen kümmern sich mit der Verteilung von Hilfspaketen um Evakuierte, Flüchtlinge und Heimkehrer sowie um alte und einsame Menschen. Die AWO bietet Kindererholungszeiten, Nähstuben und Kurse in Hauswirtschaft und Mütterbildung an. In den Fünfzigerjahren werden Kindergärten und Horte eingerichtet. Volksküchen geben Mahlzeiten an bedürftige Kinder aus. Die AWO-Schwesternschaft wird ins Leben gerufen.

Die AWO hat sich seit ihrer historischen Gründung als Selbsthilfeorganisation weiterentwickelt zu einem modernen Dienstleister mit vielen unterschiedlichen sozialen Angeboten. Heute ist die AWO ein unabhängiger Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege, mithin eine Stütze des Sozialstaats.

„Die Motive der Gründungszeit 1919 haben nichts an Aktualität verloren. Dem Ziel einer gerechteren Gesellschaft verpflichten wir uns heute wir vor 100 Jahren“, so Jürgen Schulz, AWO-Vorsitzender von Kreisverband und Ortsverein Schnevwerdingen. Und weiter: „Als einer der fünf großen Wohlfahrtsverbände will sich die AWO weiterhin sozialpolitisch für Veränderungen in der Gesellschaft einsetzen, unseren Kindern eine gute Zukunft schaffen und allen Mitmenschen ein soziales Umfeld, in dem wir frei, gleich, gerecht, tolerant und solidarisch miteinander umgehen, so wie es im Leitbild der AWO verankert ist.“

Die AWO hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem modernen Dienstleister entwickelt, der bundesweit von 335.000 Mitgliedern, 66.000 ehrenamtlich engagierten Helferinnen und Helfern sowie 215.000 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen wird.

1947 wurde in Soltau ein Kreisausschuss der Arbeiterwohlfahrt gegründet, in den Folgejahren die Ortsverbände Munster, Wietzendorf und Schneverdingen. Im Zuge der kommunalen Verwaltungsgebietsreform wurden die AWO-Altkreisverbände Fallingbostel und Soltau am 6. Mai. 1995 zum AWO-Kreisverband Soltau-Fallingbostel zusammengelegt. Heute umfasst der zum umbenannten AWO-Kreisverband Heidekreis acht Ortsvereine mit zirka 600 Mitgliedern.“

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