Fünf Dörfer, die Zukunft haben

Ortschaften präsentieren sich per Film im traditionellen Wettbewerb

Fünf Dörfer, die Zukunft haben

„Die lange Nacht der Kurzen“ - so heißt der Kurzfilmabend, zu dem das Schneverdinger Kino „LichtSpiel“ in Zeiten „vor Corona“ eingeladen hat. Fünf „Kurze“ waren auch am vergangenen Mittwoch im ehrenamtlich betriebenen Lichtspielhaus in der Heideblütenstadt zu sehen. Fünf Minuten dauerte jeder der fünf Filme, die allesamt das gleiche Thema hatten, jedoch mit verschiedenen „Hauptdarstellern“ um die Gunst der Jury buhlten. Die „Kurzen“ waren Beiträge zum 27. Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, zu dem das Land Niedersachsen alle drei Jahre aufruft. Dabei werden neben der Pflege des Ortsbildes auch Faktoren wie die Lebensqualität, das soziale Miteinander und die Wirtschaftskraft der teilnehmenden Ortschaften in den Fokus genommen. In der Regel gibt es deshalb Bereisungen, in denen die Jury die Dörfer vor Ort unter die Lupe nimmt. Als „Experiment“ hat es diesmal jedoch einen filmischen Wettbewerb gegeben. Zwar nicht über den „Oscar“, aber über den Sieg auf Kreisebene, freuten sich letztlich die Ortschaften Lünzen und Kirchboitzen.

Markus Haist, Filmemacher aus Uetzingen, hatte die fünf Dörfer Vierde, Kirchboitzen, Lünzen, Wintermoor und Ilhorn vor einiger Zeit bei in Sachen Wetter optimalen Drehbedingungen besucht und unter seiner Regie gemeinsam mit den Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern sowie einigen Bewohnerinnen und Bewohnern jeweils einen Imagefilm gedreht, in dem jede Ortschaft ihre Vorzüge darstellt und präsentiert, was sie zu bieten hat. Und das ist eine ganze Menge, wie sich im Verlauf der Vorstellungen zeigte. Je nach Lage und Einwohnerzahl hat natürlich jedes Dorf andere Voraussetzungen. Alle jedoch machten deutlich, dass insbesondere die Gemeinschaft im Ort etwas ist, das alle gleichermaßen begeistert. Das zeigte sich auch am Beispiel einer Familie aus Hamburg, die nach Ilhorn gezogen ist. „Wir haben uns ganz bewusst für das Dorf entschieden“, sagt der frühere Hanseat im Film in die Kamera: „Ich habe zehn Jahre in Hamburg gelebt. Hier im Dorf habe ich in zwei Monaten mehr Nachbarn kennengelernt als in all den Jahren in Hamburg. Wir haben hier genau das gefunden, was wir wollten. Wir genießen all die Freiheiten, die das Dorf bietet. Und wenn hier jemand etwas hat, dann wird auch gegeben.“ Der „tolle Zusammenhalt von Jung und Alt“ habe sich auch beim Bau des Dorfgemeinschaftshauses gezeigt.

Gerade der Zusammenhalt, die gegenseitige Unterstützung, zog sich wie ein roter Faden durch die Beiträge. Das machte Lust aufs Dorfleben. Ob Straußenfarm, Campingplatz mit ökologischer Ausrichtung, Schützenverein mit Sportschützen auf Bundesliganiveau oder eigener Bahnschluss - jedes Dorf hatte etwas in die Waagschale zu werfen.

Organisatorin Anke von Fintel vom Landkreis Heidekreis, Leiterin der Fachgruppe Kreisentwicklung und Wirtschaft, hatte es schon zu Beginn der Veranstaltung angekündigt: Die Jury werde es schwer haben. Und die Entscheider, neben Anke von Fintel gehörten Almut Rüther von den Kreislandfrauen, Kreisbrandmeister Thomas Ruß sowie Markus Grundwald und Clemens Reimer von der Kreissparkasse zum Gremium, waren in der Tat nicht zu beneiden. Nach einer Beratung kürten die Mitglieder letztlich Kirchboitzen und Lünzen zu den Siegern, die den Heidekreis nun in der nächsten Runde des Wettbewerbs vertreten werden. Das „Experiment“ mit Beiträgen in Form von Filmen sei gelungen, betonte von Fintel. „Es sind wunderbare, beeindruckende Filme entstanden“, so die Organisatorin. Sie appellierte an die Dörfer, diese nun auch öffentlich zu machen, etwa über das Internet.

Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zum Wettbewerb: „Die Zukunft der Dörfer hängt maßgeblich vom Engagement ihrer Bevölkerung ab und davon, wie sie sich für die Erhaltung, Gestaltung und Entwicklung der Dörfer einsetzt, organisiert in den Kommunen, Vereinen, Verbänden, Kirchen und Wirtschaftsbetrieben oder als Einzelne. Gemeinsam bilden sie die Verantwortungsgemeinschaften, die aktiv und eigeninitiativ an der strukturellen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung ihres Lebensumfeldes interessiert sind.“ Der Wettbewerb bringe zum Ausdruck, „dass es neben der baulichen und Grün-Gestaltung mehr noch um die ganzheitliche Entwicklung der Dörfer und Nachhaltigkeit geht. Der demografische Wandel, die soziokulturelle Vielschichtigkeit der dörflichen Gemeinschaften sowie der Klimaschutz und Klimawandel sind Herausforderungen, denen sich die Dörfer heute zunehmend stellen müssen.“

Die fünf Teilnehmer aus dem Heidekreis haben mit ihren Beiträgen eindrucksvoll aufgezeigt, dass sie in dieser Hinsicht gut gerüstet sind.

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