„Hoffnungsvolles Zeichen“

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus: Kranzniederlegung in Schneverdingen

„Hoffnungsvolles Zeichen“

Seit 1996 ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag, der als Jahrestag auf den 27. Januar 1945, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und der beiden anderen Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs bezogen ist. Im Jahr 2005 wurde der 27. Januar von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ erklärt. In Schneverdingen legten heute Nachmittag Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens stellvertretend für die Stadt Schneverdingen und Tatjana Bautsch als Vorsitzende des Schneverdinger SPD-Ortsvereins Kränze am Gedenkkreuz auf dem „Neuen Friedhof“ der Heideblütenstadt nieder. „Um zu mahnen, müssen wir uns erinnern“ steht auf der Schleife des Kranzes der Stadt, „Zum Gedenken und zur Mahnung“ auf der des SPD-Ortsvereins. Moog-Steffens und Bautsch hielten gemeinsam eine kurze Rede am steinernen Gedenkkreuz. Gäste waren wegen der Corona-Auflagen nicht vor Ort.

„Wir stehen an Gräbern und gedenken derer, die hier bestattet sind“, so Moog-Steffens: „Nicht nur in den Lagern, auch hier in Schneverdingen und in Wintermoor und den anderen Orten entlang der Heidebahn kamen Menschen durch Nazi-Verbrechen um, insgesamt etwa 600 Frauen und Männer. Am 26. April 1945 schrieb der britische Sergeant Chitham: ‚Eine Grube wurde in der Nähe des Bahnhofs von Schneverdingen bei Soltau gefunden, in der die Leichen von 62 Russen und Polen lagen. Sie waren Arbeitssklaven der Deutschen und wurden ermordet, nachdem man sie gezwungen hatte, ihr eigenes Grab auszuheben. Es ist anzunehmen, dass sie auf dem Weg zum Lager Belsen waren, dass aber der Transport durch den Vormarsch der Alliierten aufgehalten wurde. Diese Greueltat ereignete sich am 8. April 1945, nur wenige Tage, bevor die britischen Truppen ins Dorf einrückten‘.“

„Hier sind sie nun begraben. Ihre Namen waren und sind unbekannt, ihre Familien haben nie erfahren, wo sie geblieben sind“, sagte die Bürgermeisterin. Und weiter: „Viele Züge mit evakuierten Lagerinsassen fuhren im Frühling 1945 hier entlang, mit mehreren tausend Menschen in Güterwaggons. Tagelang standen diese Züge mit den hungernden Häftlingen auf Abstellgleisen der Bahnhöfe und man konnte sie rufen hören. In den 80er Jahren erforschten vier junge Lehrer der KGS Schneverdingen die Geschichte der Verbrechen entlang der Heidebahn. Sie konnten damals noch mit mehreren Augenzeugen sprechen und fanden auch Fotos und Textquellen, die sie 1992 zu einem Buch zusammentrugen. Als Titel wurde die Inschrift auf dem Grabstein vom Wolterdinger Friedhof verwendet: Nur Gott der Herr kennt ihre Namen.“

Den zweiten Teil der Rede hielt Bautsch: „Primo Levi, italienischer Überlebender des Konzentrationslagers in Auschwitz, hat gesagt: ‚Es ist geschehen, folglich kann es wieder geschehen.‘ Es hat Jahrzehnte gedauert, bis der Rat und die Stadt Schneverdingen einmütig zu diesem Teil der Ortsgeschichte stehen wollten. Bis alle auch bereit waren, dafür Sorge zu tragen, dass die Todesumstände der hierher umgebetteten Opfer öffentlich und auch zukünftigen Generationen bewusst gemacht werden.“ Die SPD-Ortsvereinsvorsitzende: „Die Erläuterungstafel hier an den Gräbern, das neue Mahnmal am Bahnhof mit seinen Texten und Bildern und die Neuauflage des Buches 2018, herausgegeben durch die Stadt Schneverdingen, können mithelfen, das Gedenken an die Opfer wach zu halten. Einige wenige Überlebende der Nazi-Greuel sind heute im Jahr 2021 noch unermüdlich aktiv. Sie mahnen uns eindringlich, jeden von uns, schon den Anfängen jedweder Bestrebungen entgegenzutreten, Mitmenschen ihre Würde abzusprechen oder Freiheit und Unversehrtheit zu nehmen. Das nehmen wir ernst. Darum sprechen wir von der SPD hier jedes Jahr aus, was damals geschehen ist. Im Bewusstsein, dass auch Sozialdemokraten, Abgeordnete des Reichstages sogar, von Nationalsozialisten in Bergen-Belsen und anderen Lagern inhaftiert wurden.“

Bautsch abschließend: „Diese Blumen der Stadt Schneverdingen und des SPD-Ortsvereins Schneverdingen schmücken einen traurigen Ort. Sie sind zugleich aber auch ein buntes, hoffnungsvolles Zeichen für den Willen und die Zuversicht, dass dergleichen nie wieder geschehen soll.“

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