„Hoher Wert für Artenvielfalt“

Projektwoche „NATÜRlich“ in der Grundschule am Pietzmoor

„Hoher Wert für Artenvielfalt“

Es ist frisch am vergangenen Mittwochvormittag. Bei sechs Grad Celsius und Nieselregen lassen sich die Schülerinnen und Schüler der Grundschule am Pietzmoor in Schneverdingen beim „Arbeitseinsatz“ im Freien die gute Laune jedoch nicht vermiesen. Fachkundig angeleitet von Vertreterinnen und Vertretern des Regionalen Umweltzentrums an der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz (NNA) und des Vereins Naturschutzpark (VNP) helfen sie dabei, eine imposante Benjeshecke anzulegen, Sträucher zu pflanzen und Vogelfutter an Äste zu hängen. Auch im Trockenen wird fleißig zum Wohle der Tierwelt gearbeitet, zum Beispiel im Werkraum, in dem Lehrkräfte mit den Kindern Nistkästen bauen. Das Ganze passiert im Zuge einer Projektwoche, die unter der Überschrift „NATÜRlich“ auf dem Programm steht.

Bevor es zu den Kindern nach draußen geht, lässt Schulleiterin Doris Rensch in ihrem Büro kurz die Vorgeschichte Revue passieren, denn die Impulse, die zur Projektwoche führten, hatte es bereits im vergangenen Schuljahr gegeben. Damals waren vier Klassen der Grundschule am Pietzmoor unter Regie des Regionalen Umweltzentrums (RUZ) an der NNA auf Hof Möhr zu Gast. Unter dem Motto „Raus aus’m Haus: Mehr Natur auf unseren Hof“ wurden die Schüler dort in Gruppen eingeteilt, um sich im Zuge von Exkursionen intensiv mit den Themen „Vögel“, „Wildbienen und Schmetterlinge“ und „Kleinkrabbler“ zu befassen. Laut Rensch hat sich die Schule für das von der Bingo-Stiftung geförderte Projekt des RUZ beworben, um die Kinder einerseits für Umweltschutz und die Erhaltung der Artenvielfalt zu sensibilisieren, andererseits aber auch, „um nach all den Einschränkungen in der Corona-Zeit das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken.“

173 Schülerinnen und Schüler lernen in der offenen Ganztagsschule, hinzu kommt eine Kooperationsklasse der Lebenshilfe Soltau mit sechs Schülerinnen und Schülern. Ein Paradies zum Toben und Spielen für alle ist der an einen Wald angrenzende Schulhof in direkter Nachbarschaft zum Pietzmoor und zur Osterheide schon seit langem. Die Lage inmitten der Natur erlaubt es dem Kollegium, das Unterrichten mit Erfahrungen im Freien zu verbinden. Es gibt ein Waldklassenzimmer, Plätze zum Verweilen, Spielgeräte und auch einen Niedrigseilgarten, der im vergangenen Sommer im Rahmen eines Schulfestes feierlich eingeweiht worden ist. „Unser Schulhof ist zwar schon sehr naturnah gestaltet, aber man kann immer noch mehr machen“, betont die Schulleiterin. Und so sei der Gedanke gereift, den zum RUZ-Projekt gehörenden „Gegenbesuch“ der Verantwortlichen des Umweltbildungszentrums an der Grundschule zu einer Projektwoche für alle Schülerinnen und Schüler auszuweiten. Angesichts einer krankheitsbedingt dünnen Personaldecke sei dies durchaus eine Herausforderung gewesen, so Rensch. Als Partnerschule des Vereins Naturschutzpark (VNP) sei es aber erfreulicherweise gelungen, den VNP mit ins Boot zu holen. „Und wir haben gerade Schulpraktikanten im Haus, die konnten wir alle mit einspannen“, berichtet die Schulleiterin. Große Unterstützung habe es auch seitens der Stadt Schneverdingen gegeben: „Die Mitarbeiter des Bauhofes haben sehr viel geleistet. Sie haben Steine verlegt und den Steinkreis angelegt, die Flächen für die Abschnitte der Benjeshecke vorbereitet und das für diese fehlende Strauchgut und Erde angeliefert“, unterstreicht die Pädagogin.

Nach der kurzen Einführung in die Thematik durch die Schulleiterin geht es nach draußen, auf dem Weg zum Schulhof kommt Nadja Frerichs mit einer kleinen Gruppe Schülerinnen entgegen. Die Leiterin des Regionalen Umweltzentrums an der NNA ist begeistert, dass das Projekt „Raus aus’m Haus: Mehr Natur auf unseren Hof“ in Schneverdingen zu einer großen Projektwoche mit vielen Aktionen geführt hat. Insbesondere die in drei Abschnitte aufgeteilte Benjeshecke sei „eine tolle Sache, die recht einfach umzusetzen ist und einen hohen Wert für die Artenvielfalt hat.“ Frerichs weiter: „Neben dem Klimawandel ist der Erhalt der Artenvielfalt ein großes Thema. Schulhöfe bieten sich dazu an, in dieser Richtung etwas zu machen. Die Kinder sind super dabei, die haben Lust dazu, mit anzupacken.“ Schülerin Anna, die neben ihr steht, bestätigt das. „Wir haben Erde gelockert, Löcher gebuddelt und vieles mehr gemacht“, berichtet das Mädchen. Frerichs hofft, dass bei der Vermittlung des Themas in Theorie und Praxis etwas bei den Kindern hängenbleibt. „Die Mädchen und Jungen lernen, was man mit einfachen Mitteln auf dem Schulhof und somit auch zu Hause im Garten machen kann, um etwas dazu beizutragen die Artenvielfalt zu erhalten. Da hoffen wir natürlich auf einen Nachmacheffekt.“

Auf einen Nebeneffekt hofft Schulleiterin Rensch, zumal es jüngst Vandalismusschäden auf dem Schulgelände gegeben hatte: Schüler, die mit eigenen Händen an etwas gearbeitet hätten, gingen dann auch sorgsamer mit diesen Dingen um.

Beim Gang zum Schulhof schließt sich Frerichs mit ihrer Gruppe an. Auf dem Gelände sind überall Mädchen und Jungen mit Gießkannen, Harken und Schaufeln zu sehen. Diejenigen, die nicht zu sehen sind, befinden sich gerade auf einer Waldrallye oder arbeiten im Innern der Schule an ihren Projekten. Der Schulleiterin bereitet es sichtlich Freude, dabei zuzuschauen, wie sich „ihre“ Schützlinge zum Wohle der Tierwelt engagieren. Sie ist sich sicher, dass es Folgeprojekte in Zusammenarbeit mit dem RUZ und dem VNP geben wird. Vor dem Ende des Termins betont Frerichs, dass es im Programm „Raus aus’m Haus: Mehr Natur auf unseren Hof“ noch freie Plätze für Schulklassen gibt. Die Leiterin des RUZ ist per E-Mail an nadja.frerichs@nna.niedersachsen.de zu erreichen.

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