Holocaust-Gedenktag: Kranzniederlegung am Schneverdinger Bahnhof

Vertreter der Kooperativen Gesamtschule und der Stadt Schneverdingen gedenken der Opfer der Nationalsozialisten

Holocaust-Gedenktag: Kranzniederlegung am Schneverdinger Bahnhof

Im kleinen Rahmen und unter Einhaltung der Corona-Vorschriften trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der Kooperativen Gesamtschule (KGS) und der Stadt Schneverdingen anlässlich des „Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ am 27. Januar am Denkmal am Schneverdinger Bahnhof. Mit einer Kranzniederlegung gedachten stellvertretender Schuldirektor Oliver Ippich, Schülervertreterin Henny Schröder, Peter Plümer von der Stadtverwaltung und gleichzeitig als Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Lehrer Erwin Kreie und Lehrerin Christina Eifler den Opfern der NS-Zeit.

„Wir wollen erinnern all jene, die im Nationalsozialismus unterdrückt, schikaniert und umgebracht wurden“, sagte Ippich. Es gelte nicht nur der Millionen Menschen, die in den zahllosen Lagern wie Ausschwitz und Buchenwald ihr Leben ließen, zu gedenken, sondern auch der 62 Unbekannten, die am Ende des Krieges am Bahnhof in Schneverdingen ums Leben gekommen seien. „Ich stehe hier im Namen der KGS Schneverdingen und betone hiermit, den Auftrag des Erinnerns weiterhin als höchste Priorität an unserer Schule zu wahren“, unterstrich Ippich.

Peter Plümer hob in diesem Zusammenhang die wichtige Arbeit des Volksbundes Deutsche Krieggräberfürsorge hervor: „Wir fördern die Begegnung und historisch-politische Bildung an Kriegsgräberstätten. In unseren Workcamps, Begegnungs- und Bildungsstätten sowie vielfältigen Projekten im In- und Ausland regen wir zur Auseinandersetzung mit historischen und aktuellen Ereignissen an. In unserer Bildungsarbeit vermitteln wir den Wert von Menschenrechten, Demokratie und Frieden und klären über Extremismus, Nationalismus, Rassismus und willkürliche Gewalt auf. Wir arbeiten partnerschaftlich mit Schulen und Trägern politischer Bildung und sind anerkannter Träger der politischen Erwachsenenbildung sowie der freien Jugendhilfe.“

Als Vertreter des Kollegiums und des Schneverdinger Bürgerbündnisses „Bunt statt braun“ sprach Erwin Kreie: „Mein Großvater war Soldat. Und Nazi. Er hat an der Ostfront vor Moskau gelegen. Er hat einmal erzählt, dass er auf dem Weg dorthin acht Menschen getötet hätte. Hat er ausschließlich Soldaten - euphemistisch ausgedrückt - in regulären Gefechten getötet? Oder war er an Gefangenenerschießungen beteiligt? Oder hat er gar bei sogenannten ‚Säuberungsaktionen‘ Zivilisten ermordet? Ich recherchiere noch“, so Kreie. Der Beamte, Gewerkschafter und Personalrat weiter: „Als Beamter folge ich meinem Dienstherrn. Als Gewerkschafter kämpfe ich für meine Interessen und meine Rechte. Als Personalrat setze ich mich für die Rechte anderer ein. Aber: Was hätte ich in der Zeit meines Großvaters getan? Wie viel Schuld hätte ich auf mich geladen? Wie weit wäre ich als Beamter meinem Dienstherrn gefolgt, wenn er mich aufgefordert hätte, Rassismus zu lehren? Wie laut hätte ich in einer gleichgeschalteten Gewerkschaft mit den Wölfen geheult? Wie schnell hätte ich als Personalrat der Kollegin mit dem exotischen Namen grundlegende Rechte abgesprochen?“

Und so appellierte Kreie: „Lasst uns solidarisch zueinander stehen! Lasst uns einander immer wieder an das erinnern, was uns zu Menschen macht! Lasst uns zusammen Herz zeigen! Lasst uns gegenseitig Mut machen! Lasst uns gemeinsam den Anfängen wehren! Lasst uns einmütig laut ‚nein!‘ sagen! Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“

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