„Ich gehe nicht im Zorn“

Vorwürfe gegen Pastor Frank Hasselberg nach wie vor nicht geklärt

„Ich gehe nicht im Zorn“

Inzwischen versucht er nach vorn zu blicken, wenn es ihm auch nicht leicht fällt. Viel zu viele schöne und bedeutende Erinnerungen machen den Abschied schwer. Nach 22 Jahren verlässt Pastor Frank Hasselberg am Ende des Monats Schneverdingen. Die Entscheidung, zurück in sein Elternhaus an die Nordseeküste zu gehen, fiel im August, nachdem die Situation vor Ort „einfach zu belastend wurde“, so der vorübergehend suspendierte Pfarrer. „Ich gehe nicht im Zorn, aber es ist gut, dass ich nun hier rauskomme“, so der 57jährige.

Seit zweienhalb Jahren lebt der Pastor der evangelischen Markusgemeinde und der Friedenskirche Heber in einer Art Albtraum, nun verlässt er den Ort, an dem alles begann und den er gleichzeitig so sehr in sein Herz geschlossen hat. „Als mich das Landeskirchenamt anfangs mit den gegen mich erhobenen Vorwürfen finanzieller Unregelmäßigkeiten konfrontierte, legte man mir einen Ortswechsel nahe. Für mich kam es nicht infrage, in eine andere Gemeinde zu gehen, schließlich ist das hier sozusagen mein Kind“, erläutert Hasselberg, der damals auch noch der Meinung war, die Angelegenheit sei schnell aufzuklären. Statt dessen blieb es bei der vorläufigen Suspendierung und bis heute ist nicht geklärt, was an den Vorwürfen wahr ist. Die von Hasselberg benannten Zeugen, die zu seiner Entlastung beitragen können, wurde beispielsweise erstmals im Sommer 2019 befragt.

„Wir sind noch kein Stück weiter“, so Hasselberg, „sondern immer noch im ersten Stadium des Verfahrens, es ist noch nicht einmal Anklage erhoben worden.“ „Unrichtigkeiten“ in einer Pressemitteilung des Landeskirchenamtes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers vom 5. November (HK berichtete) suggerierten dem unbefangenen Leser etwas anderes, wie der Pastor inzwischen mit anwaltlicher Hilfe hat feststellen lassen: In drei wesentlichen Punkten wirft der Fachanwalt dem Landeskirchenamt Verstöße „gegen den Grundsatz der Datenrichtigkeit“ vor. In der Pressemitteilung werde dadurch fälschlicherweise der Eindruck erweckt, die gegenüber Hasselberg erhobenen Vorwürfe seien bereits endgültig festgestellt worden, es liege bereits eine Entscheidung vor und er habe sich Spendengelder oder Gelder aus Kollekten angeeignet, was ihm aber gar nicht vorgeworfen wird. „Was einen mürbe macht, ist neben solchen Dingen die lange, lange Zeit, die das alles dauert“, so der Schneverdinger, der momentan dabei ist, seine Schriftstücke und Bücher auszusortieren, denn am 26. November ist Umzugstermin.

In der Pastorenwohnung stehen überall Umzugskartons, aber auch zahlreiche Geschenke - sie stammen von der Verabschiedung in der Eine-Welt-Kirche, bei der zahlreiche Gemeindeglieder lange Schlange standen, um ihrem Pfarrer persönlich Tschüss zu sagen: Gut 300 Besucher kamen am 26. Oktober - für Hasselberg kein leichter Tag, auch wenn die vielen Menschen, die ihm ihr Bedauern über seinen Weggang aussprachen, Balsam für die Seele waren. „Ich war überwältigt davon, auch von den zahlreichen Briefen, E-Mails und Abschiedsgeschenken, aber es hat auch wehgetan“, so der Pastor.

Schließlich führte der Tag auch allen noch einmal vor Augen, wie es anfing für Hasselberg, als er 1997 in die erst 1994 gegründete Markusgemeinde kam: Er wurde freundlich aufgenommen, auch in der Friedenskirche Heber, die Eine-Welt-Kirche wurde - als Außenprojekt der Expo 2000 in Hannover - gebaut, sie füllte sich schnell mit Leben, Begeisterung war zu spüren, zahlreiche Ehrenamtliche halfen bei der Arbeit, Freundschaften entstanden, Hasselberg sang im Gute Nachricht Chor. All das lässt man nicht einfach so hinter sich - auch, weil es bis heute viel Solidarität für den geschassten Pastor gibt: „Immer wieder bitten mich Gemeindeglieder, sie zu trauen, ihre Kinder zu taufen oder eine Trauerfeier zu gestalten. Es ist bitter, das absagen zu müssen.“

Neben den zahlreichen Unterstützern gibt es aber auch einige wenige Christen, die Hasselberg das Leben sehr schwer machen. Viele Gemeindeglieder vermuten auch deshalb einen persönlichen Rachefeldzug hinter den Anschuldigungen gegen den Pfarrer, der inzwischen mit den Nerven am Ende ist. Die vergangenen Monate haben Spuren an Leib und Seele hinterlassen: „Nicht nur ich selbst, auch Menschen in meinem engen Umfeld sind darüber krank geworden“, bedauert der Pastor. Immerhin gibt es das Elternhaus in Wremen noch, wo er Ende des Monats zusammen mit seiner Mutter hinzieht. Hasselberg: „Das war immer meine Perspektive für den Ruhestand. Nur kommt das jetzt einfach zehn Jahre zu früh.“

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