Illegale Müllentsorgung an Containern ist „ein stetiges Ärgernis“

Schneverdinger Karl-Heinz Möller dokumentiert mit der Kamera asoziales Verhalten

Illegale Müllentsorgung an Containern ist „ein stetiges Ärgernis“

„Schwarze Müllsäcke umschmiegen Unrat in Blau“, „Teppichrest küsst Pappkarton“ oder „Schäbige Koffer - die letzte Reise“ - so hätten wohl Aktionskünstler die Fotographien betitelt, die Karl-Heinz Möller bei den Altglas- und Altkleidercontainern vor der Sporthalle in der Harburger Straße in Schneverdingen gemacht hat. Doch leider ist das, was der 57jährige dort im Bild festgehalten hat, keine große Kunst, sondern vielmehr ein erhebliches Ärgernis. Im Zeitraum von Mai bis Anfang Juni hat der Schneverdinger an der Sammelstelle immer wieder illegal entsorgten Müll fotographiert. Dieses asoziale Verhalten rücksichtsloser Mitbürger bringt nicht nur Möller in Rage.

Die „Bildersammlung“ des Schneverdingers zeigt eine umfangreiche Auswahl an illegal entsorgten Hinterlassenschaften: Alte Koffer, einen Holzstuhl, säckeweise Hausmüll, leere Farbeimer. Einmal entdeckte er sogar drei übereinander gestapelte Autobatterien. „Wie krank sind die Leute im Kopf, wo doch die Grundschule am Osterwald gleich nebenan ist. Vor allem, wenn diese Menschen eventuell selbst Kinder haben, die vielleicht sogar freitags für ‚Fridays for future‘ auf die Straße gehen“, echauffiert sich der 57jährige.

Seit rund 15 Jahren lebt Möller in Schneverdingen. Er wohnt etwa fünf Gehminuten von der Sammelstelle entfernt, kommt somit oft daran vorbei. Altkleider- und Altglascontainer seien „eigentlich eine schöne Sache“, so der gebürtige Heiligenhafener. Doch seiner Meinung nach nehme die illegale Müllentsorgung „so langsam Überhand.“ Seine Beobachtungen hätten ihn schließlich dazu bewogen, das Ganze mit der Kamera zu dokumentieren. „Ich habe mir den Spaß gemacht, im Mai ab und zu ein paar Fotos zu machen. Denn kaum war die Fläche von Unrat befreit, da war bereits in den Abendstunden schon wieder etwas abgestellt.“

Möller ärgert sich völlig zu Recht über dieses dreiste Fehlverhalten: „Wer mit dem Auto dahin fahren kann, der kann auch bis nach Hillern fahren und seinen Müll dort legal entsorgen.“ Der Schneverdinger vermutet, dass der Platz in der Harburger Straße häufig zum illegalen Entsorgen von Unrat und Sperrmüll genutzt werde, weil er hinter einer Baumreihe versteckt und von der Straße aus nicht einsehbar sei. „Das müsste die Stadt irgendwie unterbinden“, meint der Wahl-Heidjer.

Schneverdingens Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung kennen die Problematik und sind ebenfalls alles andere als begeistert. Die illegale Müllentsorgung habe in den vergangenen Jahren tatsächlich zugenommen, so die Bürgermeisterin auf HK-Anfrage. „Es gibt leider Leute, die ihren Müll immer wieder an den Containern ablegen. Das ist ein stetiges Ärgernis, das wir an vielen Standorten haben - und auch in den Dörfern ist das zum Teil schlimm“, betont Moog-Steffens. Wer illegale Müllbeseitigung beobachte, werde gebeten, sich an das Ordnungsamt zu wenden. Werde dort etwas gemeldet, „dann läuft die Maschinerie an.“ Auf ertappte Umweltsünder komme ein Ordnungswidrigkeitsverfahren zu, „da können horrende Bußgelder fällig werden.“

Aktuell dränge sich natürlich der Verdacht auf, dass viele Bürgerinnen und Bürger in der Coronakrise die Zeit zum Entrümpeln genutzt hätten. Zudem sei der Wertstoffhof in Hillern vorübergehend geschlossen gewesen. Doch das könne keinesfalls als Ausrede für illegale Müllentsorgung herhalten, unterstreicht Moog-Steffens, „denn jeder hat die Möglichkeit, seinen Sperrmüll kostenlos von der Abfallwirtschaft Heidekreis abholen zu lassen.“

Nicht nur in Schneverdingen, auch in anderen Kommunen, liegen manche Sammelstellen etwas abgelegen und können natürlich nicht rund um die Uhr überwacht werden. Aus Datenschutzgründen ist es auch nicht möglich, die Flächen mit Kameras im Blick zu behalten. „Da gibt es extreme Hürden“, unterstreicht Moog-Steffens. Zudem nutzten die rücksichtslosen Müllentsorger zumeist den Schutz der Dunkelheit, um sich ihres Unrats zu entledigen.

Stark verschmutzte Containerstandorte aber erschweren denjenigen die Entsorgung, die ordnungsgemäss Altglas oder Alttextilien in die Behälter werfen wollen. Während die Firma Nehlsen Cohrs GmbH für die Leerung der Altglascontainer zuständig ist, kümmert sich die Abfallwirtschaft Heidekreis (AHK) um die Leerung der Container für Elektrokleingeräte. Die AHK ist auch für das Säubern der Sammelstellen zuständig, das überwiegend über Gelder vom Dualen System finanziert wird. „Wir reinigen die Sammelstellen wöchentlich“, berichtet Thomas Heinecke von der AHK. Auch er hat die Erfahrung gemacht, „dass Stellen, die nicht gut einsehbar sind, permanent zugemüllt werden.“ Das sei nicht nur in Schneverdingen der Fall, sondern auch in anderen Kommunen, zum Beispiel Soltau.

„Viele sind offenbar zu bequem oder wollen nicht bezahlen“, so Heinecke „und gut ist das natürlich nicht.“ Wie Moog-Steffens, so weist auch er darauf hin, dass die illegale Entsorgung von Müll, ob an den Sammelstellen oder auch in der freien Natur, keinesfalls ein Bagatelldelikt sei. Wer erwischt werde, müsse mit Bußgeldern in Höhe „von bis zu mehreren Tausend Euro rechnen, plus Kosten für die Beseitigung.“ Die Bußgelder richteten sich nach der Art und Menge der Hinterlassenschaften. Heinecke appelliert an die Bevölkerung, aufmerksam zu sein und sich bei Beobachtungen gegebenenfalls das Kfz-Kennzeichen der Umweltfrevler zu notieren. Für die Verfolgung sei dann die Untere Abfallbehörde zuständig.

Auch Möller richtet sich mit einem Appell an die Heidjer und bittet sie, ihren Sperrmüll ordnungsgemäß über die AHK zu entsorgen. „Ich spreche mich mit meinen Nachbarn ab, so dass wir gemeinsam genügend zur Abholung zusammenbekommen. Das können andere doch auch machen“, so der Schneverdinger. Eine Auswahl seiner „Müll-Motive“ ist hier in unserer Bildergalerie zu sehen.

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