Im Würfel neben Schnucken schlummern

Verein Waldkunstwerk bietet in Kooperation mit Café Höpen-Idyll und „sleeperoo“ einen außergewöhnlichen Schlafplatz inmitten idyllischer Natur

Im Würfel neben Schnucken schlummern

„Der Himmel hat den Menschen als Gegengewicht gegen die vielen Mühseligkeiten drei Dinge gegeben: Die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen“ - ein Zitat des deutschen Philosophen Immanuel Kant. Wer sich dem zweiten dieser Punkte hingeben möchte, hat in Schneverdingen neuerdings die Möglichkeit, sich an einer außergewöhnlichen Stelle „aufs Ohr zu hauen“. Nein, vom berühmten Bett im Kornfeld ist hier nicht die Rede. Vielmehr geht es um eine Schlafstätte namens „sleeperoo“ des gleichnamigen Herstellers. Dabei handelt es sich um einen futuristisch anmutenden Würfel, der eine 1,60 Meter breite und zwei Meter lange Matratze vor Wind und Wetter schützt und über Panoramafenster sowie -dach verfügt. Dieser „Schlaf-Kubus“ befindet sich auf dem Freigelände des Cafés Höpen-Idyll am Höpen unter großen Bäumen, die bei Sonne Schatten spenden. Für eine entspannende Geräuschkulisse sorgen die „Nachbarn“ - Singvögel, Hühner und Schnucken. Wer sich angemeldet hat, kann sich in dem Erlebnisbett allein oder auch mit der beziehungsweise dem Liebsten eine Nacht unter die Bettdecke kuscheln - frei nach dem Motto „Wie man sich bettet, so liegt man“. Initiator des Ganzen ist der in Schneverdingen gegründete Verein Waldkunstwerk. Der eingetragene Verein kooperiert mit dem Café Höpen-Idyll sowie dem Hersteller „sleeperoo“. Das, worum es dabei geht, ist auf dem Kissen zu lesen, das auf Matratze liegt: „Die Nacht, der Ort und Du“. Wer hier in sanfte Träume entschwinden möchte, kann Schnucken statt Schäfchen zählen. Die nämlich sind durchaus neugierig und kommen schon mal an die Bettkante, um zu schauen, wer denn da diesmal zu Besuch ist.

„Wir haben den Verein Waldkunstwerk im vergangenen Jahr gegründet, weil wir das Thema Wald und den Einfluss der Natur auf den Menschen in den Mittelpunkt stellen wollen und dazu Seminare organisieren, Events veranstalten sowie Naturführungen und Workshops anbieten“, so Dr. Carsten Bargmann, 1. Vorsitzender des Vereins. Dem Zusammenschluss gehören Mitglieder aus den verschiedensten Bereichen an - vom Wissenschaftler über Pädagogen bis hin zur Künstlerin, zum Kochkünstler und Programmierer. Auch wenn sie sich dem Thema aus unterschiedlichen Richtungen nähern - sie alle verbindet die Liebe zum Wald. „Wir alle wissen um die belebende und wohltuende Wirkung eines Waldaufenthaltes“, heißt es dazu auf der Internetseite des Vereins (www.waldkunstwerk.net).

Unter dem Motto „Der Wald tut uns gut - das spüren wir intuitiv“ organisiert der Verein verschiedene Angebote rund ums Thema. Am 4. Oktober zum Beispiel lädt er um 19 Uhr im Rahmen der „Heidezauber“-Veranstaltung des Schneverdinger Kulturvereins, dessen Vorsitzender Bargmann ebenfalls ist, auf den Schneverdinger Theeshof ein. Als Referenten konnten die Initiatoren den Landschaftsökologen und Pflanzenwissenschaftler sowie Buchautoren Clemens G. Arvay gewinnen. Er wird zum Thema „Der Biophilia-Effekt - Heilung aus dem Wald“ sprechen.

Einen Tag darauf, am 5. Oktober, leitet der bekannte Biologe dann von 9 bis 16 Uhr ein kostenpflichtiges Seminar im Hotel Hof Tütsberg in Schneverdingen zum Thema „Waldmedizin - Die Heilkraft von Bäumen, Boden und Wasser“. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, Anmeldungen per E-Mail werden unter marion.putensen@waldkunst.net entgegengenommen. Clemens G. Arvay wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Rahmen dieses Tagesseminars anhand moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse die „Waldmedizin“ erklären und dabei laut Veranstalter unter anderem aufzeigen, „warum der Aufenthalt im Wald Menschen gesünder macht und vor Krankheiten schützen kann.“ Das Seminar besteht aus einem theorethischen Teil am Vormittag sowie einem praktischen Teil am Nachmittag. Passend zum Thema gibt es Verpflegung von der Waldkräuterey in Ehrhorn, die Wald-Tapas serviert. Deren Betreiberin Marion Putensen ist 2. Vorsitzende des Vereins Waldkunstwerk und betont: „Es ist ein ganzheitlicher Ansatz, den unser Verein verfolgt.“

„Fast 80 Prozent der Krankheiten in Deutschland sind Zivilisationskrankheiten“, so Putensen - und nennt als Beispiel „Burnout“. Kein Wunder: In Zeiten, in denen fast jeder ein Mobiltelefon und damit quasi einen Computer im Taschenformat mit sich herumträgt, bleibt eine Reizüberflutung oft nicht aus. Und auch im Berufsleben heißt es fast überall: „Höher, schneller, weiter!“

„Wir wollen aufzeigen, wie man den Wald nutzen kann, um Vorsorge zu treffen und wieder herunterzukommen“, erläutert die 2. Vorsitzende. Bargmann verweist in diesem Zusammenhang auf das sogenannte Waldbaden, das auf einer fernöstlichen Tradition besiert. Shinrin-yoku heißt sie, was japanisch „Wald(luft)bad“ bedeutet. Waldbaden ist bei den Asiaten fast schon ein alter Hut, denn das japanische Landwirtschaftsministerium führte Shinrin-yoku bereits Anfang der 80er Jahre ein und legte seinerzeit ein kostenintensives Forschungsprogramm auf, um die medizinische Wirkung des Waldbadens nachzuweisen.

„In Japan ist das Waldbaden schon seit vielen Jahren erfolgreicher Teil ärztlicher Therapien, zum Beispiel bei Menschen mit Immunschwäche oder Depressionen“, so Bargmann. Er geht davon aus, dass dies in Deutschland „schon bald von den Krankenkassen akzeptiert wird.“

Eine Studie habe gezeigt, dass Frauen, die sich einmal im Monat für vier Stunden im Wald aufhielten, einen um 70 Prozent reduzierten Stresswert hätten, berichtet Putensen: „Stress und Immunschwächen können minimiert werden.“ Sie unterstreicht, „dass es bei uns nicht darum geht, Bäume zu umarmen. Wir verfolgen keinen esoterischen Ansatz. Es geht vielmehr um Entschleunigung in der Natur.“ Das Besondere am Verein Waldkunstwerk sei dabei, „dass wir von Universitäten aus dem süddeutschen Raum und Fachhochschulen in Mecklenburg-Vorpommern wissenschaftlich begleitet werden.“

Zum Entschleunigen im Grünen soll auch der weiße Würfel „sleeperoo“ einen Beitrag leisten, der speziell für außergewöhnliche Erlebnisübernachtungen konzipiert wurde und rund zwölf Kubikmeter Raum bietet. Mit seinem kurvigen Rahmen und den wetterfesten Stoffbahnen mit großen Panoramafenstern zum Kuscheln, Staunen und Träumen ein. Weil auch der Blick nach oben frei ist, lassen sich in bequemer Rückenlage womöglich auch Eichhörnchen und Singvögel beobachten. Diese „Schlaf-Würfel“ stehen an vielen ausgesuchten Orten in Deutschland, zum Beispiel auch in der Soltauer Filzwelt Felto. „Im Norden ist es der erste in der Lüneburger Heide und der erste in einem Wald“, erklärt Putensen.

„Langfristig können wir uns vorstellen, dass in der Region weitere dieser Erlebnisbetten aufgestellt werden. Dazu muß man aber erst einmal geeignete Plätze finden“, fügt Bargmann hinzu. Laut 1. Vorsitzendem wird diese außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit „schon gut gebucht, überwiegend von Leuten aus der Metropolregion Hamburg, die hier entschleunigen wollen.“ Angedacht ist, dass die Gäste tagsüber ein eigenes Naturprogramm gestalten, auf eigene Faust zum Beispiel den Höpen oder das Pietzmoor erkunden, oder aber auch gegebenenfalls Angebote des Vereins Waldkunstwerk nutzen. Abends können sie dann an außergewöhnlicher Stelle ihre Erlebnisse in der Natur Revue passieren lassen, um dann entspannt neben Schnucken einzuschlummern.

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