Infos über den Fairen Handel

Schneverdinger Weltladen beteiligt sich erneut an „Fairer Woche“

Infos über den Fairen Handel

Immer wieder weisen Weltläden auf die Wichtigkeit des fairen Handels hin. So findet auch in diesem Jahr die „Faire Woche“ der Weltläden vom 16. bis 30. September statt - und wie immer ist der Schneverdinger Weltladen im Gemeindehaus in der Friedenstraße 3 dabei. Unter dem Motto „Fair steht dir“ werden die Produktionsbedingungen entlang textiler Lieferketten beleuchtet und es wird gezeigt, welche Alternativen der Faire Handel bietet.

„Wir wollen deutlich machen und reflektieren, wie Konsumverhalten funktioniert“, sagt die Sprecherin des Schneverdinger Weltladens Antje Klingbeil, „und natürlich ist dabei immer die Überlegung, was wir tun können.“ Denn der Preis, den andere für die hierzulande billigen Kleidungsstücke zahlen, ist zu hoch: Millionen Menschen leben weltweit in Not und Elend, weil soziale Mindeststandards wie das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit missachtet werden. 25 Millionen Menschen weltweit verrichten Zwangsarbeit, 79 Millionen Mädchen und Jungen sind von ausbeuterischer Kinderarbeit betroffen. Auch die Löhne der Erwachsenen seien nicht annähernd existenzsichernd, so Klingbeil. In Bangladesh und Myanmar beispielsweise bekämen Arbeiter in der Textilindustrie weniger als hundert, in Äthiopien seien es nur 26 US-Dollar im Monat (Zahlen vom Deutschen Institut für Entwicklungsarbeit, DIE). Auch in Europa gebe es Niedriglohnländer wie Bulgarien und Rumänien, führt Klingbeil aus.

Der Lohnanteil für Textilien liege bei 0,6 Prozent - bei einem Preis von 20 Euro für ein T-Shirt sind das zwölf Cent, die sich natürlich auf alle Beteiligten verteilen, von der Baumwollproduktion über die Garnherstellung, Veredelung (Färben mit zum Teil giftigen Chemikalien) und Konfektionierung. So intensiv wie kein anderes Land ist Deutschland in die internationalen Lieferketten eingebunden. Darum fordert der Faire Handel weltweit von der Politik starke Gesetze. Mit dem Lieferkettengesetz sollen Betriebe auch in der Bundesrepublik darauf achten, dass die Menschenrechte eingehalten werden. Ohne Kinderarbeit auszukommen ist ebenso wie akzeptable Lohn- und Arbeitsbedingungen Gegenstand des Gesetzes.

Gerade in diesem Sommer wird auch in Deutschland deutlich, wie wichtig Wasser ist. Dabei kann die hiesige Trockenheit nicht mit der in Dürreländern verglichen werden. In diesen regnet es seit Jahren kaum, die Vegetation verdorrt und verschwindet und die Menschen sterben oder fliehen. Angesichts dieses Aspektes ist es wichtig, den Verbrauch von Ressourcen auch bei der Herstellung von Kleidung zu bedenken. 10.000 Liter Wasser - also knapp 67 Badewannen voll - verbraucht die Produktion von einem Kilo Baumwoll-Textilien im globalen Durchschnitt (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, BMZ). Bei einer Jeans mit einem Gewicht von rund 800 Gramm macht das stolze 8.000 Liter. Energie- und Wasserknappheit machen in dieser Zeit auch beim Blick ins Portemonnaie deutlich, dass das Verhalten überdacht und geändert werden muss.

Die weltweite Kleiderproduktion habe sich in den vergangenen Jahren verdoppelt, führt Klingbeil aus. Pro Jahr kauft jede Person in Deutschland im Durchschnitt 60 Kleidungsstücke (BMZ), von denen viele unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt wurden und oft ungenutzt im Schrank hängen. Der Weltladen sensibilisiert dafür aktuell mit dem Projekt „Fair steht dir“. Im engagierten Team wird darüber gesprochen, was man tun kann: Ein achtsamer Umgang mit Kleidungsstücken spart Ressourcen und kann zudem den Geldbeutel entlasten - bei jedem Kauf ist zu überlegen, ob das Stück wirklich nötig ist. Und die Lebensdauer bereits produzierter Textilien wird mit dem Erwerb gebrauchter Kleidung verlängert. So kann man im Freundeskreis Kleidung tauschen oder die Schneverdinger Kleiderkammer in der Harburger Straße nutzen. Schadhaft gewordene Textilien lassen sich oft mit wenig Aufwand reparieren. Und mit Kreativität und etwas Geschick kann man alte Stücke zu anderen, neuen verarbeiten (Upcycling).

Wer fair gehandelte Ware kaufen möchte, dem hilft der Blick aufs Label: Siegel und Zeichen weisen darauf hin, wenn hohe soziale und ökologische Standards garantiert werden können. Im Schneverdinger Weltladen werden an Textilien nur Schals und Socken gehandelt, indes: „Jedes kleine Teil zählt“, sagt Weltladen-Mitarbeiterin Gerda Hoffmann. Es lohnt sich, sich im Schneverdinger Weltladen in der Friedenstraße umzuschauen, denn abgesehen von Textilien gibt es viel Schönes und Praktisches zu entdecken - und alle Waren sind fair produziert und gehandelt.

18 Frauen und Männer arbeiten im Weltladen mit „und alle machen eine super Arbeit“, lobt die Sprecherin, „es gibt mir so viel, zu erleben, wie engagiert sie alle sind.“ Der Weltladen wird von der Kirche betrieben und die Mitarbeiter stehen dahinter: „Wir haben einen Fundus im Glauben und in den Glaubenserfahrungen vergangener Generationen“, ist Klingbeil überzeugt, „wie viel Schlimmes und Schweres in der Welt auch los ist, wir verzweifeln nicht. Auch wenn du im Matsch trittst, kommst du voran.“

Geöffnet hat der Schneverdinger Weltladen montags bis sonnabends von 10 bis 12 Uhr sowie montags bis freitags von 16 bis 18 Uhr.

Text und Foto: Dorothea Schmidt

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