Jakobskreuzkraut: Annahme ist kostenlos

Schneverdinger Bauhof stellt Behälter für giftige Pflanze zur Verfügung

Jakobskreuzkraut: Annahme ist kostenlos

Auch in diesem Jahr bietet die Stadt Schneverdingen die kostenlose Annahme von Jakobskreuzkraut für die Entsorgung über die Abfallwirtschaft Heidekreis an. Problematisch ist die Pflanze aufgrund ihres hohen Gehalts an giftigen Pyrrolizidin-Alkaloiden.

Hierbei handelt es sich um eine Gruppe so genannter sekundärer Pflanzenstoffe, die die Pflanze vor Fressfeinden schützen soll. Alkaloide sind im Pflanzenreich weit verbreitet, unter ihnen befinden sich zahlreiche Gifte aber auch wichtige Arzneimittelgrundstoffe. Pyrrolizidin-Alkaloide sind weltweit in zahlreichen Pflanzen vertreten, besonders hohe Konzentrationen finden sich unter anderem in der Gruppe der Kreuzkräuter, von denen deutschlandweit 25 Arten bekannt sind. Nehmen Wirbeltiere oder Menschen Bestandteile dieser Pflanzen auf, führen die Pyrrolizidin-Alkaloide beziehungsweise ihre Abbauprodukte zur akuten und chronischen Schädigung der Leber. Aufgrund der in den Pflanzen vorhandenen Bitterstoffe meiden Weidetiere in der Regel frische Jakobskreuzkrautpflanzen. Durch Trocknung verlieren die Bitterstoffe jedoch an Intensität, und darin liegt das große Problem, insbesondere für Pferdehalter: Die Tiere fressen das Heu mit den weiterhin wirksamen Alkaloiden und vergiften sich. Heu von Grünlandflächen, auf denen Jakobskreuzkraut wächst, ist kaum vermarktungsfähig.

Jakobskreuzkraut wächst als heimische Art insbesondere auf trockenen sandigen Standorten wie Straßen- und Wegränder, Brachen, Erstaufforstungsflächen oder Extensivgrünland. Die genauen Ursachen für die starke Verbreitung des Jakobskreuzkrauts innerhalb der letzten Jahre sind bis jetzt nicht geklärt. Zur Diskussion stehen auch eine veränderte Flächenbewirtschaftung, eine Zunahme des Stickstoffeintrags aus der Luft und der Klimawandel. Unter günstigen Bedingungen bildet jede Pflanze tausende von Flugsamen aus, die bei Nichtkeimung bis zu 25 Jahre in der Erde überdauern können. Außer mit dem Wind erfolgt die Verbreitung der Samen über Fell, Kleidung und Fahrzeugreifen.

Wird die Pflanze abgemäht, verharrt sie mitunter über Jahre im Rosettenstadium, bei dem lediglich die untersten Blätter direkt oberhalb des Erdbodens zu sehen sind. Versuche, die Pflanze in diesem Stadium herauszureißen, gestalten sich aufgrund der starken Wurzel als schwierig. Zur kompletten Beseitigung kommt man daher um ein Ausgraben oder Ausstechen nicht herum. Verbleibt die Rosette im Boden, bildet die Pflanze bei günstigen Entwicklungsbedingungen Stängel und Blüten aus.

Für eine Vielzahl von Insekten stellt Jakobskreuzkraut eine wichtige Nahrungsquelle dar. Schmetterlinge, Käfer, Wildbienen oder Schwebfliegen lassen sich an sonnigen Tagen auf den Pflanzen beobachten. Überlebensnotwendig ist die Pflanze für die Schmetterlingsart Jakobskrautbär, dessen auffällig schwarzgelb-gestreifte Raupen auf die Blätter als Nahrung angewiesen sind. Die Beseitigung der Pflanzen ist daher durchaus zwiespältig zu sehen und sollte mit Bedacht erfolgen. Wichtig: Nicht alles was gelb blüht ist Jakobskreuzkraut - genaues Hinsehen lohnt sich! Pflanzen, die auf den ersten Blick dem Jakobskreuzkraut sehr ähnlich sehen, stehen oft in direkter Nachbarschaft zu dieser Pflanze. Wer sich nicht absolut sicher ist, sollte die fraglichen Pflanzen besser stehen lassen, um Blühstrukturen und damit Nahrungsquellen für Insekten nicht unnötig zu vernichten.

Der Abfallbehälter zur Aufnahme von Jakobskreuzkrautpflanzen steht ab dem 1. Juli für die kommenden drei Monate auf dem Gelände des städtischen Bauhofes, Harburger Straße 21 b, bei der Toreinfahrt bereit. Die Anlieferung der Pflanzen kann während der Betriebszeiten des Bauhofes montags bis donnerstags in der Zeit von 7 bis 16 Uhr, und freitags in der Zeit von 7 bis 12 Uhr erfolgen. Die Pflanzen müssen in Plastiksäcken in den Abfallbehälter geworfen werden; eine lose Anlieferung der Pflanzen ist nicht gestattet. Die Stadt Schneverdingen weist ausdrücklich darauf hin, dass über diesen Abfallbehälter ausschließlich Jakobskreuzkraut entsorgt werden darf.

Logo