Judith Reusch liest

„Anna - Buch der Wörter“

Judith Reusch liest

Am Dienstag, den 11. Februar, um 19 Uhr liest Judith Reusch in der Stadtbücherei Schneverdingen aus ihrem Buch „Anna - Buch der Wörter“. Der Abend ist eine Kooperation des Kulturvereins Schneverdingen mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Schneverdingen. Der Eintritt ist frei.

„Der Roman erzählt eine Migrationsgeschichte vor dem Hintergrund des polnischen Kriegszustands um 1981, der von Wojciech Jaruzelski ausgerufen wurde, um die Demokratiebewegung zu verhindern“, erklärt dazu Carmen Engelhardt vom Kulturverein Schneverdingen. „Die Autorin, geboren 1973 in Polen, hat diesen Ausnahmezustand erlebt und flüchtete damals mit ihrer Familie nach Deutschland.“

Im Mittelpunkt des Buches steht Ania - so heißt die Protagonistin zumindest während ihrer Zeit in Polen. Die Eltern lassen sie und ihre Schwester bei den Großeltern zurück, in der Hoffnung, sie schnell nachholen zu können, und reisen nach Deutschland aus. Im Chaos, das den politischen Umständen geschuldet ist, findet die achtjährige Ania eine Bewältigungsstrategie: Sie erstellt ein Buch der Wörter. Darin versucht sie, alle für sie nicht begreifbaren Begebenheiten wie in einem Lexikon aufzulisten. Es ist ein Wörterbuch einer Flucht und enthält Begriffe wie: Permitscheine, Ausnahmezustand, Zufall, Migräne… Als Ania schließlich nach Deutschland ausreisen kann, wird aus ihr Anna. Sie muss neue Wörter lernen, ein neues Buch erstellen, in welchem sie die unbekannte Welt zu begreifen lernt.

Umklammert wird die Geschichte von Anna durch die Erzählung der Lektorin Thea, welche die Geschichte Annas 35 Jahre später als Manuskript in ihrem Verlagsbüro vorfindet. Auch Theas Geschichte ist die einer inneren Einsamkeit und Isolation, die ähnlich wie Annas gut ausgeht: „Nun stimmte alles“, lauten die letzten Worte der Binnenerzählung. „Auch für den Leser stimmt am Ende alles“, findet Carmen Engelhardt, „der Roman ist rund und sprachlich klar - auch in Bezug auf die unterschiedlichen Handlungsstränge - und ausgesprochen fantasievoll erzählt. Es wirkt an keiner Stelle konstruiert, die Geschichte fließt stetig ihrem guten Ende zu. Und: Sie enthält die Wahrheit und Weisheit einer Flucht, die sich jeder in sein persönliches Wörter- beziehungsweise Notizbuch schreiben sollte.“

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