Kein Heideblütenfest - Moog-Steffens: „Es tut weh, es ist unglaublich schade"

Veranstaltungen in Schneverdingen wegen Coronakrise abgesagt

Kein Heideblütenfest - Moog-Steffens: „Es tut weh, es ist unglaublich schade"

Kein Heideblütenfest in Schneverdingen? Das schien bis vor kurzem nahezu undenkbar, doch seit Ausbruch der Coronakrise ist auch in der Heideblütenstadt alles anders. Das, was bereits zu erwarten war, verkündete Meike Moog-Steffens in Doppelfunktion als Schneverdinger Bürgermeisterin und Vorsitzende des Vereins Heideblüte am heutigen Mittwoch in einem Pressegespräch. Dazu waren die Tische im Schneverdinger Ratssaal weit auseinandergerückt, beim obligatorischen Pressefoto trugen alle Beteiligten Alltagsmasken. Eine Heidekönigin mit Mund-Nase-Bedeckung hat es wohl noch nie gegeben, doch besondere Situationen erfordern eben besondere Maßnahmen. Der Entschluss, das Traditionsfest der Heideblütenstadt abzusagen, ist den Verantwortlichen alles andere als leichtgefallen. „Es tut weh, es ist unglaublich schade und fällt uns sehr schwer, diese Entscheidung zu verkünden“, betonte Moog-Steffens. Auch der Heideblütenlauf, die Reihe „Musik am Mittwoch“ und das für Ende Juni geplante Kinderfest finden in diesem Jahr nicht statt.

Das Schneverdinger Heideblütenfest gilt als ältestes und größtes Traditionsfest der Region und ist für viele Einheimische und Gäste aus nah und fern ein Höhepunkt im Veranstaltungskalender. Bereits seit 1922 feiern die Bürgerinnen und Bürger der Heideblütenstadt am letzten Wochenende im August zu Ehren der blühenden Heide dieses Fest - gemeinsam mit rund 40.000 Gästen. Während des Zweiten Weltkrieges gab es kein Heideblütenfest, seit 1948 ging es ununterbrochen über die Bühne. Nun aber sorgt die Coronavirus-Pandemie für eine „Zwangspause“. Das bedeutet, dass die amtierende Majestät Johanna Stuhlmacher, 75. Schneverdinger Heidekönigin, die Krone aus blühender Heide für ein weiteres Jahr tragen wird. „Uns blutet das Herz, das Fest 2020 nicht feiern zu können - und wir können verstehen, wenn jetzt viele Menschen enttäuscht sind“, unterstrich die Bürgermeisterin und Vorsitzende des Vereins Heideblüte, der das Fest organisiert. Etliche Schneverdinger seien Jahr für Jahr mit viel Herzblut bei der Sache, etwa beim Bau und Schmücken der Festwagen. „Doch der Gesundheitsschutz steht an vorderster Stelle“, betonte Moog-Steffens, denn es dürfe keinesfalls passieren, dass Schneverdingen wie Heinsberg oder Ischgl „als nächste Virendrehschleuder“ in den Medien auftauche. Ein Fest dieser Größenordnung, „mit vielen Gästen, Gedränge und wenig Abstand bedeutet eine hohe Ansteckungsgefahr.“ Insofern gelte bei Festen weiterhin die größte Sensibilität. „Solange es keinen Impfstoff gibt, solange es kein Medikament gibt, muss besonders aufgepasst werden. Die Ausbreitung des Corona-Virus lässt keine andere Entscheidung des Vereinsvorstandes zu. Weder Maskenpflicht noch Abstandsregelungen sind auf Veranstaltungen dieser Größenordnung einzuhalten“, hob Moog-Steffens hervor.

Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die Verordnung des Landes Niedersachsen zum Schutz vor Neuinfektionen mit dem Corona-Virus vom 17. April dieses Jahres, die Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern bis mindestens 31. August 2020 untersage. „In der Verordnung heißt es eindeutig ‚mindestens‘, das übersehen die Leute gern“, so die Vereinsvorsitzende weiter. Und eben dieses „mindestens“ habe „dem Vereinsvorstand extreme Kopfschmerzen bereitet.“ Das Gremium habe sowohl eine abgespeckte Variante mit Übertragung der Krönung über das Internet als auch eine Verschiebung des Festes in den September in Erwägung gezogen, diese Pläne jedoch verworfen. Die endgültige Entscheidung sei schließlich in der jüngsten Vorstandsitzung gefallen, denn: „Das Heideblütenfest geht entweder ganz oder gar nicht. Die Veranstaltung eines Notfestes würde die ‚Marke Heideblütenfest‘ nachhaltig schädigen“, so Moog-Steffens. Eine Verschiebung des Festes in den Monat September komme nicht in Betracht, „da nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ob Großveranstaltungen dann wieder zulässig sind. Dieses Risiko kann der Verein Heideblüte nicht tragen, denn er müsste mit dieser Ungewissheit finanziell in Vorleistung treten.“

Laut Resa Domurath, Geschäftsführerin des Vereins, begännen die Vorbereitungen alljährlich bereits Monate vor dem Fest. Busreiseunternehmen müssten kontaktiert, Prospekte, Plakate und Plaketten gedruckt werden. Auch die Festumzugsteilnehmer machten sich frühzeitig ans Werk, fertigten Kostüme an und bestellten das Zubehör für die Festwagen. „Das Fest lebt davon, dass sich Leute vorher in Gruppen treffen und bei den Vorbereitungen Spaß haben. Die Geselligkeit ist entscheidend“, meinte Domurath. Auch die Mitglieder der Theatergruppe müssten zusammen proben. „Aber das ist bei den Bemühungen zur Eindämmung des Coronavirus natürlich kontraproduktiv“, so Domurath. Und die amtierende Heidekönigin? „Für mich waren die vergangenen Wochen ganz komisch. Findet das Heideblütenfest nun statt, oder nicht? Das war ein hin und her“, so Johanna Stuhlmacher. „Ich habe ja Kontakt zu vielen anderen Königinnen - und überall wurden nach und nach Veranstaltungen und Feste abgesagt. Das ist natürlich ein komisches Gefühl. Einerseits bin ich traurig, dass so viel ausfällt, andererseits aber froh, diese Feste nachholen zu können“, so die 75. Heidekönigin. Eine „virtuelle Krönung“ mit Übertragung aus dem Höpen wäre ihrer Meinung nach „unangemessen gewesen.“ Auch ihre Nachfolgerin müsse die Chance bekommen, „eine richtige Krönung erleben zu können.“ Zudem freut sich Stuhlmacher, dass - wie sie selbst - auch ihre Ehrendamen zeitlich die Möglichkeit haben, in die Verlängerung zu gehen.

Moog-Steffens bezeichnete die Absage des diesjährigen Heideblütenfestes als „emotional und ökonomisch schwierigen Moment, denn die negativen Auswirkungen werden in wirtschaftlich ohnehin schwierigen Zeiten unübersehbar sein.“ Viele Arbeitsplätze hingen am Tourismus; Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel profitierten vom Heideblütenfest. „Wir bitten um Verständnis für die Absage und blicken nun zuversichtlich auf das nächste Jahr“, unterstrich die Bürgermeisterin und appellierte an alle Schneverdinger: „Lassen Sie uns zusammen alles dafür tun, dass wir 2021 ein gesundes und glückliches Heideblütenfest mit der Krönung der 76. Heidekönigin feiern können.“

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