KGS Schneverdingen als „Demokratieschule“ ausgezeichnet

Kultusminister Grant Hendrik Tonne lobt Engagement der Kooperativen Gesamtschule

KGS Schneverdingen als „Demokratieschule“ ausgezeichnet

Schon unzählige Preise und Auszeichnungen hat die Kooperative Gesamtschule (KGS) Schneverdingen erhalten: „Starke Schule“, „Bildungsidee“, „Jugend debattiert“ und mehr zeichnet die Schule aus, nun ist ein weiterer Titel hinzu gekommen. Kultusminister Grant Hendrik Tonne überreichte am vergangenen Montag im Rahmen einer Feierstunde die Auszeichnung „Demokratieschule“, insgesamt dürfen sich nun 15 Schulen in Niedersachsen so nennen. Anwesend waren neben dem Minister Schulleiter Mani Taghi-Khani, Vertreter aus dem Kollegium und dem Förderverein sowie des Elternrats, der Landtagsabgeordnete Sebastian Zinke (SPD), stellvertretende Landrätin Tatjana Bautsch (SPD), Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens und einige weitere Ehrengäste.

Tonne hatte zuvor bereits die Grundschulen Bothmer in Schwarmstedt und die Heinz-Heyder-Schule Grundschule in Buchholz (Aller) als „Zukunftsschule“ gewürdigt, nun setzte er seine „Demokratie- und Zukunftstour“ mit einem Besuch in Schneverdingen fort. Alle drei Schulen aus dem Heidekreis arbeiten mit besonderen Konzepten, die nun entsprechend gelobt wurden. Im Rahmen des bildungspolitischen Schwerpunktes „Demokratisch gestalten - Eine Initiative für Schulen in Niedersachsen“ wurden Lernorte und Schulen ausgezeichnet, die ihre Schulentwicklung im Sinne eines „Modellorts der Demokratie“ gestalten und an Zielen der Demokratiebildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung ausrichten. Aus den insgesamt eingegangenen 39 Bewerbungen wurden 15 Schulen und zehn Lernorte von einer Fachjury ausgewählt.

Die KGS Schneverdingen arbeitet eng mit einer Vielzahl von schulischen und außerschulischen Partnern zusammen und zeigt zudem ein besonders hohes Engagement im historisch-politischen Bereich: Wie dies im Schulalltag aussieht, wurde Tonne von Tim-Ole Rosebrock, Schülervertretung, Henny Schröder, Schülersprecherin und Yasemin Bostan, ebenfalls Mitglied der Schülervertretung, aufgezeigt. Rosebrock erklärte die Idee hinter der Reihe „Politik persönlich“: „Wir laden Politiker ein, suchen Themen aus und organisieren Probe-Wahlen“, so der Jugendliche, der als jüngster Kandidat bei der Kommunalwahl im September 2021 angetreten war und nun für die Grünen im Gemeinderat Neuenkirchen aktiv ist.

Anschließend trat Henny Schröder nach vorne und berichtete von Besuchen an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Sie erläuterte auch, wie die Schüler auf diese Besuche vorbereitet werden. Die dritte Rednerin, Yasemin Bostan, ging detailliert auf das Denkmal am Schneverdinger Bahnhof ein, welches nach mehrjähriger Planungs- und Bauphase 2019 eingeweiht und der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Mit dem Mahnmal soll an die Toten auf den KZ-Zügen der Heidebahn erinnert werden, dabei geht es auch um ein Stück Geschichte der Stadt Schneverdingen. Eine Schülerin der KGS hatte damals das Modell, welches dann als Denkmal umgesetzt wurde, entworfen. „Der Entwurf ist im Rahmen eines Kunstwettbewerbs entstanden“, ergänzte Moog-Steffens. „Ich finde, es ist ein großartiges Projekt, weil wir mit dem Denkmal einen Lernort geschaffen haben“, so die Bürgermeisterin. Ganz aktuell bestehen schon Bemühungen, dass auch andere Schulen diesen Lernort nutzen.

„Eine Schule aus Tostedt war schon hier“, wußte Adolf Staack, pensionierter KGS-Lehrer und Historiker. Auch der Pädagoge Thomas Sandkühler engagiert sich in dieser Angelegenheit. Die Schüler der KGS haben zudem eine Webseite entwickelt, auf der sie eigene Texte zum Denkmal veröffentlichen, diese ist unter www.kgs-schneverdingen.com/projekte/kz-zuege-auf-der-heidebahn/ zu finden.

Nach der Gesprächsrunde versammelten sich alle Beteiligten dann am Denkmal. Dort spielte das Schulorchester unter der Leitung von Jürgen Heusler die Filmmusik von „Schindlers Liste“. „Wir bitten darum, nach der Musik nicht zu applaudieren, sondern eine Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer einzulegen“, appellierte Heusler. Anschließend führte Yasemin Bostan den Minister durch den Gedenkort. Dieter Möhrmann, ehemaliger Landtagspräsident, berichtete dabei von dem Gedenkstein, der durch die Diskussion um das von Schülern initiierte Projekt wieder zum Vorschein gekommen war. In Ruhe ließen alle Beteiligten das beeindruckende Denkmal, das unter anderem aus 62 Nägeln besteht, die an 62 KZ-Tote erinnern sollen, auf sich wirken.

Dann war es soweit, Kultusminister Tonne hielt eine kurze Rede und überreichte die Auszeichnung. „Demokratie hat es verdient, dass wir uns für sie einsetzen“, so der Politiker. „Sie haben gezeigt, dass Sie sich nachhaltig für Menschenrechte und Demokratie einsetzen“, lobte er die Schüler und Lehrer der Schule. Die Schulgemeinschaft zeige das Vertrauen zueinander, welches notwendig sei, um auch Auseinandersetzungen zu führen und dabei für unterschiedliche Positionen Verständnis zu zeigen. Gelebte Demokratie werde so erlebt, auch die Erinnerungskultur habe ihren Platz.

„Sie stellen sich ihrer eigenen Geschichte, dazu braucht es Kraft und Mut“, betonte Tonne. Dieses Wirken gehe über den Radius der Schule hinaus. Auch gebe es an der Schule besonders viele Möglichkeiten, sich einzubringen. „Das Projekt „Politik persönlich“ hat mit ganz besonders gut gefallen“, lobte er. Gerade in den zweieinhalb Jahren Pandemie habe wohl jeder schon einmal erlebt, dass es Menschen gebe, die an den Grundsätzen der Demokratie zweifelten. „Dagegen zu wirken, ist eine zentrale Herausforderung“, so Tonne.

Text und Fotos:

Judith Tausendfreund

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