„Kommunalpolitik hautnah“

Schülerinnen und Schüler der Sprachlernklassen der KGS Schneverdingen absolvieren mit Unterstützung von Lokalpolitikern eine fiktive Ratssitzung

„Kommunalpolitik hautnah“

„Next Step: Democracy!“ - so heißt ein Projekt des eingetragenen Vereins „Politik zum Anfassen“, mit dessen Hilfe Geflüchteten schulformübergreifend ein niederschwelliger Einblick in die Kommunalpolitik gewährt werden soll. Sebastian Mech, ehemaliger Schüler der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Schneverdingen, ist im in Isernhagen ansässigen Verein als stellvertretender Teamleiter tätig. Und so gastierte der Verein mit seinem Projekt am vergangenen Montag in der Heideblütenstadt. 15 Schülerinnen und Schüler der Sprachlernklassen der KGS nahmen am Planspiel „Next Step: Democracy!“ teil und erhielten auf diese Weise Gelegenheit, so Mech, „Kommunalpolitik hautnah kennenzulernen.“

Wie der frühere KGS-Schüler berichtet, erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Einführung in das demokratische System Deutschlands und lernten, welche politischen Ebenen für welche Politikfelder zuständig sind. Das Planspiel sei auf der Kommunalebene angesiedelt.

„Das Ziel des Projektes ist es, Jugendlichen Kommunalpolitik auf einfache Art und Weise näher zu bringen. So durften die Schülerinnen und Schüler im Anschluss an die Einführung in fiktiven Stadtratsfraktionen Ideen sammeln, was sie in Schneverdingen verändern möchten - und diese in Anträge ausformulieren. In den anschließenden Fraktionssitzungen diskutierten sie die Tagesordnungspunkte in Vorbereitung auf die fiktive Stadtratssitzung unter der Leitung von ‚echten‘ Stadtratsmitgliedern“, so Mech.

Mit ihren vorbereiteten Positionen seien die Fraktionen dann wieder zusammenkommen, wobei unter Vorsitz von Dieter Möhrmann (SPD) und Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens eine Ratssitzung simuliert worden sei. „Zu insgesamt zwölf Anträgen von freiem W-LAN im öffentlichen Raum bis hin zu Gebärdensprache an Schulen debattierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und bildeten sich ihre Meinung“, berichtet der stellvertretende Teamleiter.

Die Stadtratsmitglieder Tatjana Bautsch (SPD), Frank Horn (FDP) und Adolf Staack (SPD), die bereits zuvor jeweils eine Fraktion betreut hätten, seien vom Projekt ebenso wie die Bürgermeisterin begeistert gewesen. „Auch die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler waren durchweg positiv. Sie hätten vieles über Kommunalpolitik gelernt und vor allem, dass diese überhaupt nicht so kompliziert sei, wie man manchmal denken würde“, freut sich Mech. Und weiter: „Dass sich echte Ratspolitikerinnen und -politiker Zeit genommen haben, um ihren Anliegen Aufmerksamkeit zu schenken, freute die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr.“ Weil das Projekt allen Involvierten sichtlich Spaß gemacht habe, seien bereits die Weichen für eine erneute Kooperation mit „Politik zum Anfassen“ im kommenden Jahr gestellt worden.

Ins Leben gerufen haben den Verein, der im Jahr 2006 sozusagen noch ein Hobby war, Monika und Gregor Dehmel. Daraus ist im Laufe der Jahre einer der großen bundesweiten professioneller Anbieter von innovativen Bildungsprogrammen geworden. „Unser Verein versteht sich als Event-Agentur für Wissen und positive Demokratie-Erfahrungen: Mit Planspielen, Filmen, Umfragen, Mitmachausstellungen und vielem mehr verbinden wir politische Bildung mit Jugendbeteiligung, die Spaß macht“, heißt es auf der Internetseite des Vereins. Großer Wert werde darauf gelegt, unabhängig und überparteilich zu sein. „Bei unseren Projekten nehmen Politikerinnen und Politiker aller Parteien teil - wer vom Gemeindewahlleiter für wählbar erklärt wird, ist bei uns in unseren Projekten herzlich willkommen“, schreiben die Gründer auf der Homepage von „Politik zum Anfassen“.

Monika und Gregor Dehmel wurden im Jahr 2018 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für ihr Engagement für die Demokratie geehrt. Auch der Verein selbst ist in nationalen und internationalen Wettbewerben vielfach ausgezeichnet, unter anderem als Bundessieger im Bereich Bildung im Land der Ideen 2011, dem KWN Global Award von Panasonic 2015 (Singapur) und 2016 (Rio de Janeiro), dem Niedersächsischen Sportjournalistenpreis, mehreren Primus-Preisen sowie dem Stadtkulturpreis Hannover.

Gefördert wird der Verein projektbezogen von verschiedenen Partnern wie Stiftungen, Städten und Gemeinden. Auf diese Weise wolle er sich, wie es heißt, „Unabhängigkeit bewahren - von Regierungs-Mehrheiten und Programm-Politik.“

Logo