Kulturhaus „Alte Schlachterei“ überplant: Rund 200.000 Euro Mehrkosten

Kulturverein Schneverdingen und Bäckerei Hoppe rühren mit einer Brötchentütenaktion die Werbetrommel für das geplante Bauvorhaben

Kulturhaus „Alte Schlachterei“ überplant: Rund 200.000 Euro Mehrkosten

Nach wie vor sind die Verantwortlichen und Mitglieder des Schneverdinger Kulturvereins eifrig damit beschäftigt, Spendengelder für das geplante neue Kulturhaus „Alte Schlachterei“ zu sammeln, das den maroden Gebäudekomplex in der Stadtmitte, Am Markt 2, ersetzen soll. Geplant waren unter anderem auch diverse Veranstaltungen, deren Erlöse in das ehrgeizige Vorhaben fließen sollten. Die Corona-Pandemie hat den Kulturschaffenden jedoch einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Was Aktivitäten mit Publikumsverkehr angeht, so muss der Verein auch weiterhin ganz kleine Brötchen backen. „Wir wollen und müssen aber weiter Spenden sammeln“, so Dorothee Schröder, Geschäftsführerin des Kulturvereins. Mut macht den Initiatoren des Projekts die hohe Spendenbereitschaft. „Bei unserer Crowdfunding-Aktion haben wir knapp 50.000 Euro zusammenbekommen und über freie Spenden weitere 50.000 Euro“, berichtete die Geschäftsführerin am vergangenen Donnerstag. Um weiteres Geld in die Kasse zu bekommen, wird jetzt in Kooperation mit der Stadtbäckerei Hoppe eine Brötchentütenaktion gestartet.

Bei den Bemühungen, weitere finanzielle Mittel für das Projekt einzuwerben, muss und will der Kulturverein in Corona-Zeiten unter erschwerten Bedingungen natürlich am Ball bleiben. Die Flinte ins Korn werfen? Das kommt den Ehrenamtlichen nicht in die Tüte. In selbiger landen allerdings die Backwaren der Stadtbäckerei Hoppe, damit die Verkäuferinnen sie über den Verkaufstresen reichen können. Inhaber Matthias Hoppe ist selbst Fördermitglied des Kulturvereins und ein Verfechter des ambitionierten Bauvorhabens, wie er beim Pressetermin betonte: „Als alteingesessener Schneverdinger bin ich natürlich am Stadtbild interessiert. Das Kulturhaus ist eine super Sache. Es würde toll dort hinpassen - und Schneverdingen damit attraktiv bleiben.“

Diese Botschaft soll nun über die Brötchentüten der Bäckerei verbreitet werden. 15.000 Exemplare wurden bedruckt. „So wichtig wie das tägliche Brot ... Kulturhaus Alte Schlachterei“ ist auf einer der beiden Seiten zu lesen. Darunter steht in kleineren Lettern „Gemeinsam bringen wir Begegnung und Leben in die Schneverdinger Innenstadt. Spenden auch Sie - jeder Euro hilft!“. Ferner sind die Nummern der Spendenkonten bei der Volksbank Lüneburger Heide und der Kreissparkasse Soltau aufgedruckt.„Wir haben schon mal eine solche Brötchentütenaktion gestartet, im Jahr 2017 zu den ‚Superguten Tagen‘. Das ist bei den Kundinnen und Kunden gut angekommen“, so Hoppe. „Wir haben damals festgestellt, dass dies ein sehr gutes Werbemittel ist“, ergänzte Schröder. Die Geschäftsführerin zeigte sich beeindruckt von der bisherigen Spendenbereitschaft der Schneverdinger und auch diverser Kulturfreunde von außerhalb: „Wir haben jetzt knapp über 100.000 Euro gesammelt. Das ist eine Menge. Wir sind froh, dass sehr, sehr viele Bürgerinnen und Bürger hinter diesem Projekt stehen. Das ist ein klares Bekenntnis und ein Zeichen der Solidarität.“

Dies stimme alle Beteiligten optimistisch, weitere Mittel zusammenzubekommen. Die sind auch nötig, denn das Projekt wird wohl um die 200.000 Euro teurer, als zunächst vorgesehen. Das bedeutet, dass die Gesamtinvestitionskosten auf circa 2,5 Millionen Euro steigen. Aktuell wurden nämlich die Baupläne noch einmal überarbeitet. Nun ist vorgesehen, einen Teil des Gebäudes zu unterkellern, damit die sanitären Anlagen nach unten wandern können, um wiederum im Obergeschoss mehr Platz für Räumlichkeiten zu haben, die auch von anderen Vereinen genutzt werden können. „Wir wollen hier flexibler sein und mehr Luft haben“, so Schröder. Bei einem Projekt dieser Größenordnung wäre es ärgerlich, „nachher feststellen zu müssen, dass etwas fehlt. Und wir wären nicht wir, wenn wir sagen würden, dass wir das nicht schaffen.“ Das Ganze geht natürlich nicht ohne das Votum der Vereinsmitglieder. Die Mitgliederversammlung hätte im ersten Quartal auf dem Plan stehen sollen, „doch Corona hat alles verändert“, erklärte die Geschäftsführerin. Und weiter: „Wir werden das natürlich nicht ohne das Votum der Mitglieder machen. Es ist aber noch nicht sicher, wie wir dieses einholen werden.“ Auch der Stadtrat werde sich erneut mit dem Thema zu befassen haben.

Sicher ist, dass es Fördergelder vom Land gibt. Laut Schröder habe das niedersächsische Kultusministerium 80.000 Euro für den Rohbau bewilligt. „Wir haben das Doppelte beantragt“, hofft sie darauf, dass das Land noch weitere Mittel lockermachen wird. „Wir sind dabei, weitere Fördertöpfe aufzutun. Unter anderem sind wir auch im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil, um auszuloten, ob womöglich über den Bund etwas geht“, berichtete Schröder. Apropos Gespräche: „Auch mit der Stadt Schneverdingen sind wir im ständigen Kontakt. Die Bemühungen sind auch dort groß“, hob die Geschäftsführerin hervor.

„Wir wollten jetzt eigentlich schon weiter sein“, meinte Schröder zum Stand der Dinge: „Für dieses Jahr sind die Genehmigungsverfahren geplant, der Abriss ist für Ende des Jahres vorgesehen. Im Frühling 2023 wollen wir fertig sein, das ist unser Ziel. Wir hoffen sehr, den Endtermin einhalten zu können.“ Sie bedauert sehr, dass der Kulturverein seine geplanten Veranstaltungen zugunsten des Bauvorhabens habe absagen beziehungsweise verschieben müssen, zum Beispiel die Lesung mit Schauspieler Ben Becker: „Aber wir bleiben zuversichtlich, denn wir erfahren viel Solidarität. Derzeit haben sich einige Schneverdinger zusammengetan, die ein neues Projekt planen. Ich möchte dem nicht vorgreifen, aber das wird ein Knaller.“ Generell sei in der Corona-Krise tagtäglich zu spüren, „wie sehr den Menschen die Kultur fehlt. Und deshalb ist es so wichtig, dass wir in der Stadtmitte einen Treffpunkt dafür schaffen.“

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