Kunst, Kultur, Kakao und ein „Ascot Girl“

Schicker „24-Türer“: Schneverdinger Kulturverein präsentiert ersten eigenen Adventskalender

Kunst, Kultur, Kakao und ein „Ascot Girl“

Schokolade zum Frühstück? Wer auf ausgewogene und gesunde Ernährung Wert legt, sollte darauf vielleicht besser verzichten. Das neueste „Produkt“, das der Schneverdinger Kulturverein jetzt „auf den Markt“ gebracht hat, bietet Naschkatzen allerdings rund um die Uhr die Möglichkeit, sich mit einer Süßigkeit zu versorgen. Wer sich an die „Gebrauchsanleitung“ hält, darf allerdings nur im Dezember zugreifen - und auch nur einmal pro Tag. Eine kleine Frauengruppe des Kulturvereins hat nämlich ein Projekt realisiert, das insbesondere Kunst- und Kulturfreunden schmecken dürfte, aber auch allen, die sich gern hochwertige Schokolade auf der Zunge zergehen lassen: Den ersten Adventskalender des Kulturvereins. Dieser erscheint in einer streng limitierten Auflage von 250 Exemplaren und ist vom morgigen Freitag an in der Schneverdinger Kulturstellmacherei in der Oststraße 31 erhältlich. Die Erlöse aus dem Verkauf kommen dem geplanten Kulturhaus „Alte Schlachterei“ zugute.

Dass die Mitglieder des Schneverdinger Kulturvereins vor kreativen und ungewöhnlichen Ideen nur so sprudeln, hat sich längst über die Grenzen der Heideblütenstadt hinaus herumgesprochen. Und so tanzt auch der Adventskalender ein wenig aus der Reihe. Ihn ziert nämlich weder eine Winterlandschaft, noch ein Tannenbaum oder Weihnachtsmann, sondern ein „Ascot Girl“. Warum das so ist, was sich hinter den 24 „Kultürchen“ verbirgt und was die Idee hinter dem Ganzen ist, das erläuterten die vier „Macherinnen“ Lena Lohmann, Dorothee Schröder, Anke Ruschmeyer und Anne Schwabe am vergangenen Dienstagabend im Pressegespräch in der Kulturstellmacherei.

„Die Idee hatte ich bereits in der vergangenen Adventszeit“, berichtete Lohmann: „Wir wollten einen Adventskalender mit Bezug zur Kultur herstellen - und so ist das Projekt nach und nach im Kopf gewachsen.“ Dabei war für die Initiatorin und ihre Mitstreiterinnen nicht nur der kreative und ästhetische Aspekt wichtig. Weil der Kulturverein sich ohnehin für Nachhaltigkeit und Umweltschutz einsetzt, wie jüngst wieder die gemeinsam mit dem Schneverdinger „Fridays for Future“-Ableger gemeinsam organisierte Mahnwache vor dem Rathaus gezeigt hat, sollte bei der Realisierung des Projekts ebenfalls besonderer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt werden. Deshalb haben die Organisatorinnen in Sachen „Verpackung“ einen Hersteller gesucht, der keinen Kunststoff verwendet. Das ist gelungen, der Kalender ist komplett plastikfrei. Lediglich die Schokolade ist aus hygienischen Gründen in etwas beschichteter Folie eingeschlagen. Apropos Schokolade: Auch was die „inneren Werte“ des Kalenders angeht, wurde Nachhaltigkeit großgeschrieben. „Wir wollten, dass sich unser Produkt von den Adventskalendern aus den Supermärkten abhebt und haben lange recherchiert“, betonte Lohmann.

In Österreich hat die Gruppe ein Unternehmen gefunden, das den Ansprüchen gerecht wurde: die Firma Zotter, ein Hersteller von biologisch und fair produzierter Schokolade mit Sitz in der Ortschaft Bergl der steirischen Gemeinde Riegersburg. Zotter verfolgt ein ganzheitliches Konzept zur Umwelt- und Ressourcenschonung und verwendet 100 Prozent Bio- und Fairtrade-Zutaten. „Es handelt sich um sehr hochwertige Fairtrade-Schokoladen“, hob Lohmann hervor: „Im Kalender befinden sich elf verschiedene Sorten, jede kommt zweimal vor. Manche haben eine Füllung - und auch zwei bis drei vegane Schokoladen sind dabei.“

Es steckt also qualitativ hochwertige Nervennahrung hinter den „Kultürchen“, doch darüber hinaus ist jedes Exemplar auch mit Gutscheinen für Kulturgenuss gefüllt. Mindestens zwei Fünf-Euro-Gutscheine für Veranstaltungen des Kulturvereins sind in jedem Adventskalender enthalten. Und in 15 Exemplaren warten mit Tickets im Wert von bis zu 30 Euro für Großveranstaltungen des Kulturvereins im kommenden Jahr wie „Blues, Roots & Song“ oder die „LeseZeichen-Woche“ zusätzlich besondere Überraschungen.

Der Hersteller lieferte die Kalender sozusagen als „Bausätze“, so dass die Frauen jedes einzelne Exemplar per Hand „in Form bringen“ und befüllen mussten. „Zuvor hatten Veterinäramt und Gesundheitsamt alles abgesegnet“, betonte Lohmann. Bleibt noch die Frage nach dem ungewöhnlichen „Look“ des Adventskalenders. „Uns war es wichtig, dass ihn kein klassisches Weihnachtsmotiv zieren soll“, erklärte Dorothee Schröder, Geschäftsführerin des Kulturvereins. „Wir wollten einen Bezug zur hiesigen Kunst und Kultur herstellen und haben daher im Frühjahr Künstlerinnen und Künstler aus der Region gebeten, uns Motive einzureichen, ohne ihnen zu verraten, worum es geht“, so Lohmann: „Wir haben uns dann für das Bild ‚Ascot Girl‘ von Anne Schwabe entscheiden, denn uns gefiel das Motiv und die Geschichte dazu.“ Das Bild von Anne Schwabe stammt aus der Serie „Leute“ und zeigt, stark verfremdet, eine Dame aus der „Upper Class“, die sie in einer Dokumentation über einen Hutmacher gesehen hat. In dem Beitrag war eine Gruppe auffällige tragende Gruppe Frauen zu sehen, die sich bei einem Pferderennen im britischen Ascot despektierlich über das Jeans tragende „Fußvolk“ äußerte. Schwabe schaut gern hinter die Fassaden der Menschen, wie sie erläuterte: „Für mich geht es um die Frage, wie wir über andere urteilen und wie wir miteinander umgehen. Schaut man denn nur nach dem Äußeren?“

Erläuterungen zum Motiv sind übrigens auf der Rückseite des schicken „24-Türers“, die Anke Ruschmeyer designt hat, zu finden. Angedacht ist, dass der Adventskalender künftig jährlich erscheinen soll, wobei jeweils andere Künstlerinnen und Künstler Gelegenheit bekommen sollen, das „Cover“ zu gestalten.

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