Lamas und Seelöwen statt Heidschnucken

Trotz Corona: 27-Jährige reist mit ihrem Freund um die Welt

Lamas und Seelöwen statt Heidschnucken

27 Jahre ist sie jung, in Schneverdingen groß geworden und „liebt“, wie sie aus der Ferne berichtet, „Heidschnucken“: Sarah Jasmin Schröder. Die junge Frau ist im Heidekreis geboren und hat viele Jahre in der Heideblütenstadt gelebt. Von gehörnten Vierbeinern und prächtig blühender Heidepracht ist Schröder derzeit allerdings mehr als meilenweit entfernt. Sie hat sich nämlich trotz Corona-Pandemie und damit einhergehender Risiken in ein Abenteuer gestürzt, um das sie so manch Daheimgebliebener beneiden dürfte. Gemeinsam mit ihrem Freund befindet sie sich bereits seit Dezember vergangenen Jahres auf Weltreise. „Wir haben in den vergangenen Monaten viele Länder bereist, waren in Costa Rica, Guatemala, Mexiko, den USA, Kolumbien, auf den Galapagos-Inseln und in Ecuador“, berichtet die Weltenbummlerin: „Damit haben wir - der Pandemie zum Trotz - unseren langjährigen Traum wahrgemacht, haben in Deutschland alle Zelte abgerissen, Job und Wohnung gekündigt und uns in das große Abenteuer Weltentdecken gestürzt.“

Dass sich ihre Eltern und Großeltern, die nach wie vor in Schneverdingen leben, insbesondere wegen der weltweiten Pandemie Sorgen um sie und ihren Freund machen, ist mehr als verständlich. „Sie hatten mir geraten, noch etwas abzuwarten mit dem Start unserer Reise. Doch mittlerweile sagen sie, dass sie froh sind, dass wir diesen Schritt gemacht haben. Es sei genau die richtige Entscheidung gewesen“, berichtet die 27-Jährige. Dank moderner Technik bleiben die Lieben daheim auch stets auf dem Laufenden, wie Schröder erklärt: „Meine Familie in der Heimat fiebert täglich auf meinem digitalen Reisekanal mit, was ich als nächstes erlebe - und sie freut sich über jedes neue Foto. Die Weltenbummlerin hat einen Instagram-Kanal eingerichtet (@yourlifetotravel). Rund 160 Beiträge sind dort unter dem Motto „Sarah & Matze Weltreise 2021“ zu finden.

„Reisen war schon immer meine große Leidenschaft. Schon als Kind bin ich häufig mit meinen Eltern verreist - und auch im Erwachsenenalter hat sich die Sehnsucht nach Abenteuern und der weiten Welt immer weiter vertieft“, so Schröder: „Der Gedanke, einmal alle Zelte in Deutschland abzureißen, Job und Wohnung an den Nagel zu hängen und frei von jeglichem Ballast als Rucksacktouristin um die Welt zu reisen, schwirrte also bereits lange in meinem Kopf herum.“

Es war Anfang 2019, als sie das Startdatum für das große Abenteuer festlegte. Das Ziel: Nach Weihnachten 2020 sollte es losgehen, um bereits in einem fremden Land Silvester feiern zu können. Mit diesem Termin im Hinterkopf begann sie zu sparen, „arbeitete“, wie sie berichtet, „kontinuierlich, Monat für Monat auf meinen großen Traum hin und sehnte den Tag der Abreise herbei.“ Dann aber kam der große Dämpfer: Weltweit breitete sich das Corona-Virus aus. „An Fernreisen war im Jahr 2020 kaum zu denken, mein Arbeitgeber meldete Kurzarbeit an und mein Alltag hat sich um 180 Grad gedreht. Familie, Freunde und Bekannte hatten meinen Traum schon abgeschrieben und mir mehr als deutlich gemacht, dass ich unter diesen Umständen auf keinen Fall auf Weltreise gehen kann“, so Schröder.

All der Widerstände zum Trotz habe sie dennoch an ihren Traum festgehalten: „Ich habe die Nachrichten zur weltweiten Coronalage verfolgt und bin - wie vor zwei Jahren geplant - wenige Tage nach Weihnachten ins Flugzeug gestiegen, um ans andere Ende der Welt zu fliegen. Mein erstes Ziel war nicht, wie ursprünglich geplant, Thailand, denn dort war eine Einreise zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich. Stattdessen ging es in die komplett entgegengesetzte Richtung nach Costa Rica.“

„Ich wusste nicht, was mich dort erwarten würde, wie genau es langfristig weitergehen wird, ich wusste nur, ich wollte es versuchen. Denn der beste Zeitpunkt, um seinen Traum zu erfüllen, ist immer Jetzt!“, betont die Ex-Heidjerin. Vor Ort habe sich schnell herausgestellt, dass die Lage recht entspannt war. „Restaurants und Geschäfte waren geöffnet, es gab keinen Lockdown und keine Ausgangssperren vor Ort, stattdessen aber ein großes Angebot an Möglichkeiten, um Kultur und Natur kennenzulernen. Genauso wie ich es auch vor der Pandemie erwartet hätte“, so Schröder: „Der einzige Unterschied waren die Gesichtsmasken in Innenräumen, das Fiebermessen am Eingang vom Supermarkt, das Desinfektionsmittel, das an jeder Eingangstür bereitstand, sowie die sonst so überfüllten Touristen-Spots, an denen gähnende Leere herrschte.“

Diese entspannte Lage dauerte an. Sarah Schröder erkundete fünf Wochen Costa Rica und entschied sich spontan, von dort aus nach Guatemala zu reisen. Dann führte ihre Reise sie über den Landweg nach Mexiko. Es folgte ein Roadtrip entlang der Westküste der USA. „Ich lernte zwei Monate Kolumbien kennen und flog schließlich nach Ecuador, inklusive Galapagosinseln. Dort erlebte ich die beste Zeit meines Lebens“, berichtet die Weltreisende: „Ich bin noch immer positiv überrascht wie einfach das Reisen in den bisherigen Ländern, trotz der aktuellen Pandemie klappte. Bis auf das regelmäßige Überprüfen der Einreisebestimmungen und einige Maßnahmen vor Ort merke ich kaum einen Unterschied zum Reisen vor Corona. Hier und da ein schneller PCR-Test - und schon begrüßt mich das nächste Land mit offenen Armen. Die Einheimischen freuen sich über jeden Touristen, der in der aktuellen Situation reist und den Tourismus damit unterstützt - denn in vielen Ländern leben die Menschen in großem Maße davon.“

Zwar musste sie ihre ursprüngliche Weltreise-Routenplanung komplett über den Haufen werfen, „doch dafür habe ich Länder bereist, die ich vorher nie auf dem Schirm hatte. Ich konnte mir eine ganze Reihe Bucket-List-Momente erfüllen an Orten, von denen ich es niemals erwartet hatte. Wie beispielsweise einen aktiven Vulkan inklusive Ausbruch mit Lava in Guatemala erleben, Orca-Wale vor der Küste Mexikos beobachten, mit einem Heißluftballon über Azteken-Ruinen in Mexiko fliegen, eine viertägige Amazonas-Expedition in Kolumbien wagen oder sieben Wochen täglich mit Seelöwen und Meeresschildkröten auf Galapagos schnorcheln“, berichtet Schröder.

Für ihre Reise hat sie aktuell kein festes Ende geplant, denn: „Meine Reiselust ist noch längst nicht gestillt und die Welt hat noch so viel mehr zu bieten. Darum bleibe ich gespannt, was mich in den nächsten Monaten noch erwarten wird und welche Landesgrenzen sich eventuell noch öffnen werden. Aktuell sind wir nun in Peru, haben gerade eine Fünf-Tages-Wanderung zum Machu Picchu, über Gletscher und durch den Regenwald gemacht und werden noch einige Wochen im Land bleiben, da es hier wirklich unglaublich viel zu erleben gibt“, berichtet Schröder. Und abschließend: „Danach soll es vermutlich nach Kanada gehen, aber weiter ist noch nichts geplant.“

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