Lavaströme und Gletschereis

Lichtkünstler Wolfram Lenssen informierte in Schneverdingen über sein „Heidezauber“-Konzept.

Lavaströme und Gletschereis

Eine etwas längere Autofahrt hatte Regisseur und Lichtkünstler Wolfram Lenssen von der Dortmunder Künstlergruppe „Forum Interart GmbH“ am vergangenen Dienstag hinter sich, als er zusammen mit einem Techniker durch die Natur am Schneverdinger Höpen spazierte. Dabei ging es aber nicht ums Ausspannen und Durchatmen, vielmehr war der Trip in die Heide mit Arbeit verbunden. Lenssen nämlich plant die Licht- und Klanginstallationen für die fünftägige Veranstaltung „Heidezauber“ des Schneverdinger Kulturvereins, die vom 2. bis 6. Oktober auf dem Programm steht. Mit einem besonderen Blick für Außergewöhnliches in der Landschaft legte Lenssen die, wie er sie nennt, „Spielorte“ fest. Im Pressegespräch in der Kulturstellmacherei erläuterte der Regisseur abends das Konzept.

„Ich bin sehr gern in Schneverdingen“, so der Lichtkünstler. Er hatte den Heidegarten und weitere Flächen am Höpen bei der Premiere im Jahr 2016 mit beeindruckenden Licht- und Klanginszenierungen in eine faszinierende „Traumwelt“ verwandelt. Insgesamt 5.000 Besucher zählte der Kulturverein seinerzeit. Lenssen hatte sich damals auf der Fahrt in die Heideblütenstadt Gedanken zum Thema Reisen gemacht. „Hier gibt es eine Landschaft, die eine Reise wert ist. Dann gibt es da noch die ‚Reise zu sich selbst‘ und die Reise, bei der der Weg das Ziel ist. Und es gibt Traumreisen. Dies alles soll die Veranstaltung ‚Heidezauber‘ auf allen Ebenen widerspiegeln“, erklärte Lenssen.

Und so lautet das Thema folgerichtig „Große Reise“. Auf einer 20 Meter breiten Leinwand wird als Schattentheater die Reise des Marco Polo nach China gezeigt, begleitet von einer eigens komponierten Musik. An einer anderen Stelle werden Baumwurzeln durch Lichteffekte zur strömenden Lava des Vulkans Stromboli. „Dort setzen wir Subsonic-Effekte ein. Es wird laut und ordentlich rumpeln“, verriet Lenssen. Als Kontrast dazu wird es die Gletscherlandschaft „Ice Age“ geben: Eschen und Linden werden mit kobaltblauem Licht bestrahlt, so daß ein optischer Frosteffekt entsteht. „Im Gegensatz zur Hitze des Vulkans wird es dort frostig und das Eis knackt“, so der Lichtkünstler: „Und es wird natürlich auch wieder jede Menge Nebel zum Einsatz kommen.“ Weitere Stationen sind unter anderem ein Kiefernensemble, das in eine asiatische Zen-Landschaft verwandelt wird, sowie ein poetisches Bild zum Thema „Ich packe meine Koffer“. Für diese „Reise ins Innere“ hat eine junge Lyrikerin aus Köln die Texte geschrieben, die eingesprochen und als Textcollage zu hören sein werden. „Hier geht es um Themen wie Mut und Zuversicht auf dem Weg zu sich selbst“, erklärte Lenssen. Insgesamt wird es diesmal zehn „Spielorte“ geben - und damit mehr als bei der Premiere. Highlight wird wieder die Lichtung, auf der damals der „Malerblick“ die Besucher verzauberte. „Dieser Ort ist für mich ein Ort, der die gesamte Heidelandschaft repräsentiert. Er hat eine spannende Topographie. Dort werde ich eine Traumreise inszenieren, eine Licht- und Klangreise in die Landschaft. Das wird komplett anders aussehen als beim letzen Mal“, betonte der Künstler. Er wird dazu computergesteuerte „Moving-Lights“ verwenden, also Lichttechnik, die den Lichtstrahl in verschiedene Richtungen positionieren kann.

Apropos Technik: Laut Lenssen werden mehr als 1,5 Kilometer Kabel verlegt, um die Licht- und Tontechnik mit Strom versorgen zu können. Die Besucher werden diesmal in Form einer Acht über das Gelände spazieren, damit sich die Ströme unterwegs nicht in die Quere kommen. Neben den Licht- und Klanginstallationen wird es auch wieder Theateraufführungen der Gruppe Calluna-Bühne geben. Christian Wildtraut berichtete, daß das Ensemble das Thema Reise aufgreift und ein Fünf-Personen-Stück geschrieben wird, „das von Seefahrern handelt, die in der Heide stranden und dort allerlei Gestalten begegnen. Sie werden wieder auf ihren Kurs zurückkommen. Mehr wird aber noch nicht verraten.“ Die Theatergruppe wird das Stück am Wasserlauf im Heidegarten viermal pro Abend präsentieren, also insgesamt mit 20 Aufführungen aufwarten. Daher wird jede Rolle doppelt besetzt.

Laut Hartmut Fach vom Kulturverein wird es diesmal beim „Heidezauber“ ein Rahmenprogramm geben und darüber hinaus in Kooperation mit Hoteliers und Gastronomen auch flankierende Kulturveranstaltungen wie Lesungen und Konzerte außerhalb des Veranstaltungsgeländes (Bericht folgt). „Wir wollen erreichen, daß Besucher in Schneverdingen übernachten und neben dem ‚Heidezauber‘ auch eine oder mehrere der anderen Veranstaltungen besuchen“, so Fach. Und Dorothee Schröder, Geschäftsführerin des Kulturvereins: „Das Ganze soll quasi eine Verlängerung der Heideblütensaison sein. Und viele verbinden den Feiertag am 3. Oktober gern mit einem Kurzurlaub.“ Der Kartenvorverkauf beginnt am 1. Juli. Dann soll auch die „Heidezauber“-Broschüre, die einen Lageplan und die Aufführungszeiten enthalten wird, fertig sein. Übrigens: Weitere Informationen rund um die Veranstaltung gibt es im Internet unter der Adresse www.heidezauber.hk.

Logo