Lila Lastwagen bringt „Kultur auf Tour“

Kulturverein Schneverdingen: Ehemaliges Feuerwehrfahrzeug wird zum „Gute-Laune-Mobil“

Lila Lastwagen bringt „Kultur auf Tour“

„Es ist herrlich, mitzufahren. Fast jeder, der den Wagen sieht, fängt an zu grinsen. Das ist ein echter kultureller Eyecatcher“, sagt Susanne Ziegele am vergangenen Dienstag auf dem Parkplatz in der Oststraße in Schneverdingen, der sich direkt gegenüber der Kulturstellmacherei des Schneverdinger Kulturvereins (KV) befindet. Das, was sie da beschreibt, ist die neueste Errungenschaft des Vereins. Und in der Tat: Der Mercedes-Lkw, Baujahr 1999, ist zweifelsfrei ein Hingucker. Das ehemalige Feuerwehrzeug, das in seiner „aktiven Dienstzeit“ im Bereich Hamburg eingesetzt wurde, ist jetzt ein „Gute-Laune-Transporter“, der mit seiner lilafarbenen Lackierung aus der Masse der fahrbaren Untersätze heraussticht. Doch nicht nur das Äußere in den Vereinsfarben des Kulturvereins macht deutlich, wer da mit diesem Lastwagen unterwegs ist, sondern auch die auf den Seiten prangenden Logos und sogar das Kennzeichen „HK KV 1972“.

Wofür das „K“ und das „V“ stehen, dürfte in diesem Zusammenhang wohl jedem klar sein. Und die vierstellige Zahl? „Die steht für das Gründungsjahr des Kulturvereins“, erklärt Dorothee Schröder, Geschäftsführerin des KV. Sie und Susanne Ziegele, freischaffende Künstlerin und eines der Mitglieder des Vereins, die in die farbliche Umgestaltung des früheren Feuerwehrfahrzeuges involviert waren, begrüßen Christian Schmalenberg auf dem Parkplatz. Der Regionalleiter der Volksbank Lüneburger Heide eG ist stellvertretend für das Geldinstitut vor Ort und macht sich selbst ein Bild vom auffälligen Äußeren des Lastwagens, denn: Die Volksbank hat dem Kulturverein die Umlackierung finanziert. „Das ist wirklich ein Hingucker“, betont der Regionalleiter. Dass es sich bei dem Mercedes Benz um ein früheres Feuerwehrfahrzeug handelt, sieht er auf den ersten Blick, ist er doch selbst in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert.

Ein Laie muss da schon genauer hinschauen, denn die Blaulichter mussten zwecks Umnutzung des Fahrzeugs abmontiert werden. Die Komponenten des Folgetonhorns auf dem Dach des Fahrerhauses befinden sich allerdings noch an Ort und Stelle und passen mit ihrem metallischen Glanz hervorragend zur neuen Optik des alten Diesels. Apropos: Im Kulturverein ist allen bewusst, dass der Ton die Musik macht. Das gute Miteinander im Verein ist sicherlich auch ein Grund dafür, dass die Kulturschaffenden den „Gebrauchten“ zum Nulltarif erhalten haben. „Wir haben ein langjähriges Mitglied im Verein, das sehr darum bemüht ist, dass unsere Logistik funktioniert. Wir haben uns den Lkw schon mal von ihm ausgeliehen. Und so hat er gemerkt, dass der Kulturverein den Lkw gut gebrauchen kann - und hat ihn uns deshalb geschenkt“, berichtet Schröder. Seinen Namen wolle der spendierfreudige Kulturfreund allerdings nicht in der Zeitung lesen. „Er möchte lieber im Hintergrund bleiben“, so die Geschäftsführerin.

Den Kulturschaffenden aus der Heideblütenstadt steht nun ein multifunktional nutzbares Gefährt zur Verfügung. Aktuell dient es als „mobiles Zwischenlager“, sind doch vorübergehend Stühle aus der Friedhofskapelle an Bord, die dort kurzfristig weggeräumt werden mussten. Künftig können die Vereinsmitglieder mit dem Lastwagen Material zu Außenveranstaltungen bringen, wobei das Be- und Entladen durch die Ladebordwand mit voll funktionsfähiger Heberampe zum Kinderspiel wird. Das Fahrzeug soll aber nicht nur Bühnenteile, Stühle und Equipment von A nach B bringen, sondern auch etwas weitaus Größeres transportieren: Lebensfreude. Nicht umsonst steht unter dem Logo auf den Fahrzeugseiten der Spruch „Kultur bringt auf Tour“. „Gerade in Corona-Zeiten wollen wir die Leute vor Ort besuchen und die Kultur zu ihnen bringen. Ob kleine Konzerte, Poetry-Slams oder Ausstellungen - wir haben viele Ideen“, erklärt Schröder. Neudeutsch werden solche temporär begrenzten Veranstaltungen und Aktionen „Pop-up-Events“ genannt. Dabei hat sich der Lastwagen bereits bewährt. „Wir haben ihn auf dem Wochenmarkt und bei unserer Veranstaltung zugunsten des Kulturhauses Alte Schlachterei als Aktionszentrum genutzt“, berichtet die Geschäftsführerin.

Derzeit steht der „Li-La-Laune-Lastwagen“ noch auf dem Parkplatz vor der Kulturstellmacherei, „um hier darauf aufmerksam zu machen“, so Schröder. Aber auch einen „Dauerstellplatz“ gebe es bereits: „Der T+T-Fachmarkt hat uns freundlicherweise einen Parkplatz zur Verfügung gestellt.“ Für das obilgatorische Pressefoto setzt sie sich hinter das Steuer und fährt den Lkw in eine optisch reizvollere Position. „Ich bin auch schon weiter damit gefahren, aber dabei habe ich mir gleich gesagt: Ich fahre nur vorwärts“, lacht Schröder.

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