Lobeshymnen nach großer Sanierungsarie

Heidekreis-Musikschule: Schneverdinger Zweigstelle im alten Pfarrhaus

Lobeshymnen nach großer Sanierungsarie

„Und wie Sie sehen, hören Sie nichts“ - so hätte der spontane „Hör-Test“ betitelt werden können, zu dem Jürgen Heusler, Leiter der Heidekreis-Musikschule, am vergangenen Donnerstag im Rahmen eines Pressetermins die Vertreterinnen und Vertreter der hiesigen Zeitungen eingeladen hatte. Während Heusler nämlich im Schlagzeugraum des neuen Domizils der Schneverdinger Zweigstelle der Heidekreis-Musikschule gekonnt die Trommelstöcke über die Felle fliegen ließ und mit dem Pedal der Bass-Drum kraftvoll den Takt vorgab, war draußen vor dem Haus, nur wenige Meter entfernt, nichts davon zu hören. Beim Blick durch die Scheibe ließ sich an den Schlagbewegungen erahnen, dass Heusler da womöglich einen gepflegten Rock-Beat hinlegte, doch die „Tester“ vernahmen lediglich den „Sound of Silence“. Erst dicht vor dem Fenster waren leise Klänge wahrzunehmen, die die Vermutung bestätigten: Heusler „rockte“. In Sachen Lärmemission haben die Nachbarn am neuen Standort der Musikschule also nichts zu befürchten. Die Wände haben keine Ohren - und die Fenster und Türen auch nicht.

Im ehemailigen Pfarrhaus der katholischen St.-Ansgar-Kirche in der Feldstraße10 in Schneverdingen heißt es bereits seit Ende der Herbstferien „Hier spielt die Musik“. Bevor die Schneverdinger „Filiale“ der Heidekreis-Musikschule einziehen konnte, waren jedoch umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Das gelungene Ergebnis der Arbeiten präsentierten die Verantwortlichen sichtlich begeistert im Zuge einer Führung durch alle Räumlichkeiten. Zuvor ließ Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens kurz die Vorgeschichte Revue passieren.

Bislang war die Zweigstelle in der „Alten Schule“ in der Schulstraße beheimatet. Für diese jedoch gibt es seit Jahren ein Konzept, dass nicht nur die energetische Sanierung des Gebäudes vorsieht, sondern auch eine veränderte Nutzung: Die Planung sieht vor, dass die Tourist-Information in die „Alte Schule“ einzieht und somit nicht nur „in die erste Reihe rückt“, sondern künftig auch gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung und dem Stadtmarketing unter einem Dach ein neues Zuhause hat. Die Stadtbücherei wird dann das 1. und 2. Obergeschoss nutzen und damit mehr Platz zur Verfügung haben. Zunächst sei es der Stadt allerdings nicht gelungen, Fördermittel für dieses Vorhaben einzuwerben, so Moog-Steffens. „In drei bis vier Anläufen, zum Beispiel in einem Bundesförderprogramm, sind wir nicht zum Zuge gekommen.“ Schließlich aber sei es gelungen, eine 66-Prozent-Förderung für das Projekt zu erhalten.

Doch wohin mit der Musikschule? „Die Verwaltung hat sich viele Gedanken gemacht“, so die Bürgermeisterin. Als sich abgezeichnet habe, dass die katholische Kirche Immobilien veräußern wolle, habe die Stadt die Gelegenheit beim Schopfe gepackt. „Uns war klar, dass das ehemalige katholische Pfarrhaus eines der schönsten Gebäude in Schneverdingen ist, das wir deshalb unbedingt für die Stadt erhalten wollten“, berichtete Moog-Steffens. Der Rat sei ebenfalls dieser Meinung gewesen und habe grünes Licht gegeben. Nach Verhandlungen mit dem Bistum Hildesheim sei im Januar 2019 der Kaufvertrag unterzeichnet worden. Die Stadt habe das im Jahr 1912 erbaute Gebäude für 185.000 Euro erworben. „Natürlich war klar, dass wir die Immobilie umfassend sanieren müssen, damit die Musikschule einziehen kann“, erklärte Moog-Steffens.

Und dabei wurde unter der Federführung des „Komponisten“, Architekt Christian Wildtraut, eine Sanierungsarie gestartet, jedoch so, dass das Haus nichts von seinem Charme verliert. Nach Abschluss der Arbeiten trifft Geschichte auf moderne Technik. „Wir haben das Gebäude komplett entkernt. Die Außenfassade wurde nach neuestem Gebäudeenergiegesetz-Standard saniert“, erklärte Andre Krampe, bei der Stadt Schneverdingen zuständig für den Bereich Hochbau. Spezielle Fenster und Türen sorgten für bestmöglichen Schallschutz, hinzu kämen Schallschutzdecken, so Krampe weiter.

Die Schüler können beim Musizieren also unbeschwert „Gas geben“ - und das auch im Sommer, denn es wurde eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung installiert, so dass die Fenster auch bei warmen Außentemperaturen geschlossen bleiben können. Ein weiteres wichtiges Thema war Barrierefreiheit. So gibt es nun schwellenlose Übergange und verbreiterte Durchgänge, außerdem einen von außen zugänglichen Aufzug. „Einen Fahrstuhl in ein altes Gebäude einzubauen, das ist nicht ohne. Das hat uns die eine oder andere Schweißperle auf die Stirn getrieben“, erläuterte Krampe: „Bei der Sanierung eines so alten Gebäudes ist es wie mit einer Wundertüte. Man weiß nie, was man vorfindet. Wir mussten zum Beispiel Fachwerk austauschen, das auf keiner Zeichnung zu sehen war.“

Einfacher waren da schon die anderen Arbeiten wie der frische Anstrich außen und innen, die Installation der an die jeweiligen Bedürfnisse anpassbaren Beleuchtung und die Verlegung der schicken neuen Fußböden. Für das richtige Wohlfühlklima sorgt eine Luftwärmepumpe, sämtliche Leitungen, etwa für Strom und Abwasser, wurden komplett erneuert. „Im Grunde ist nur das Dach erhalten geblieben“, berichtete Krampe. Wobei: Die alte Holztreppe im Hause ist sehr zur Freude der Bürgermeisterin „gerettet“ worden und erstrahlt nach der Sanierung in neuem Glanz.

Step by step ging es bei der Realisierung der Maßnahmen voran - und die Heidekreis-Musikschule durfte dabei mehr als nur ein Wörtchen mitreden, wie Zweigestellenleiterin Monika Mahn betonte: „Die Kommunikation war während der gesamten Bauphase hervorragend. Es war großartig, bei den wöchentlichen Baubesprechungen bei jeder Entscheidung gefragt zu werden.“

Ein knappes Jahr hat die Sanierungsarie gedauert. Das Resultat hat stehende Ovationen verdient: Auf 270 Quadratmetern gibt es nun einen Schlagzeugraum, einen Bandraum, einen großen Gruppenraum, der auch für Klassenvorspiele genutzt werden kann, ein Büro, einen Raum für die Malklasse, einen Flügelraum, ein Lehrerzimmer und vier Unterrichtsräume. Auf jeder Etage ist ein WC zu finden. Eines davon ist behindertengerecht und so dimensioniert, dass es von Rollstuhlfahren genutzt werden kann.

„Ein großes Lob an die Stadt Schneverdingen“ gab es auch von Heusler, der von einem „Vorzeigeprojekt“ sprach. Unter anderem begeistern ihn die Mauerbreiten des Gebäudes. „Das ist für uns akustisch optimal.“ Die Schneverdinger Zweigstelle sei neben der Geschäftsstelle in Soltau die größte im Heidekreis. Insgesamt unterrichteten 21 Lehrkräfte in der Heideblütenstadt, darunter in Kooperation mit den Schulen und Kitas, rund 700 Schülerinnen und Schüler. In der Zweigstelle selbst unterrichte das Personal etwa 350 Schülerinnen und Schüler. Angesichts dieser Zahlen mache es Sinn, in Schneverdingen eine „Filiale“ mit eigener Verwaltung und Leitung vorzuhalten. Dies sei nicht zuletzt auch wegen dem Austausch mit den anderen Kultureinrichtungen wichtig, so Heusler. Hier gebe es eine Reihe von Kooperationen, „denn das kulturelle Leben in Schneverdingen ist schon beeindruckend.“ Und so gebe es unter anderem eine gute Zusammarbeit mit dem Kulturverein, „mit dem wir regelmäßig Konzerte in der Kulturstellmacherei anbieten.“

„Für uns als Stadt war wichtig, dass der Standort zentral ist, weil viele Kinder und Jugendliche unterrichtet werden“, sagte Moog-Steffens. Zudem biete sich eine Kooperationsmöglichkeit mit der katholischen St.-Ansgar-Gemeinde an. Die Kirche eigne sich mit ihrer guten Akustik hervorragend für Konzerte.

Die Kosten für das Projekt seien im Jahr 2020 mit 800.000 Euro kalkuliert worden. „Die Endabrechnung liegt noch nicht vor. Die tatsächlichen Kosten werden etwas darüber liegen“, erklärte die Bürgermeisterin. Voraussichtlich beliefen sich die Kosten auf etwa 855.000 Euro.

Der Stadt Schneverdingen ist es in den vergangenen Jahren immer wieder gelungen, für die verschiedensten Projekte stattliche Fördersummen zu akquirieren. Auch für die Sanierungsmaßnahmen in der Feldstraße gibt es Finanzspritzen aus verschiedenen Töpfen: „Wir bekommen einen Zuschuss aus der Heideregion in Höhe von 325.000 Euro und aus dem Kommunalen Investitionsförderprogramm (KIP I) für energetische Sanierung rund 65.000 Euro“, berichtete Moog-Steffens. Sie machte deutlich, dass die Investition in die Zweigstelle der Musikschule gut investiertes Geld sei: „Sie ist ein wichtiger weicher Standortfaktort. Familien mit Kindern, die nach Schneverdingen ziehen möchten, fragen nach der Kita- und Schullandschaft, aber eben auch nach einer Musikschule“, unterstrich Moog-Steffens. Davon kann Musikschulleiter Heusler ein Lied singen: Als Wahl-Heidjer weiß er aus eigener Erfahrung, worauf Familien vor einem Umzug in eine andere Region achten und was ihnen ganz besonders wichtig ist.

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