Marmor, Stein und Eisen

Maler und Bildhauer Norbert Jäger stellt in der Galerie „Rotes Sofa“ aus

Marmor, Stein und Eisen

Ob Aquarell, Ölmalerei, Holzschnitt, Pastellmalerei oder Radierung - entsprechende Techniken sind für jeden Künstler und jede Künstlerin seine beziehungsweise ihre wichtigsten Werkzeuge. In Schneverdingen war jüngst in Sachen Kunst aber eine Technik der ganz anderen Art gefragt, nämlich ein transportabler Kran, denn Lilo Schmidt-Wiedenroth und Ehemann Ingo Schreiber hatten eine massive Herausforderung zu meistern: Die Künstlerin aus der Heideblütenstadt hat eine Skulptur des renommierten Bildhauers und Malers Norbert Jäger erworben, um ihren Garten hinter dem Atelier im Hof und der Galerie Rotes Sofa in der Oststraße 6 um einen neuen Hingucker zu bereichern. „Brennende Phönix“ heißt das Objekt aus weißem Marmor, für das das Künstlerpaar nach wie vor Feuer und Flamme ist. Stolze fünf Tonnen bringt der „flambierte“ Torso auf die Waage. Um das Schwergewicht von der Straße aus ins Grüne befördern zu können, musste ein mobiler Kran mit Seilwinde zum Einsatz kommen. „Das war schon ein ziemlicher Aufwand“, so Schmidt-Wiedenroth. Dieser hat sich jedoch gelohnt. Phönix brennt jetzt in der Heide - und am 30. April wird der Schöpfer des Werkes seiner Arbeit einen Besuch abstatten.

Jäger wird bei der Eröffnung seiner Ausstellung in der Galerie „Rotes Sofa“ am kommenden Samstag, zu der Lilo Schmidt-Wiedenroth und Ingo Schreiber für 16 Uhr einladen, persönlich vor Ort sein. Mehr als 20 seiner Skulpturen können Kunstfreundinnen und -freunde in der Galerie und im Skulpturengarten in Augenschein nehmen, außerdem abstrakte Bilder des Künstlers, der sich längst international einen Namen gemacht hat. Geboren wurde der Maler und Bildhauer 1965 in Aschaffenburg. Er lebt seit 2003 in Hamburg und seit 2007 zeitweise auch auf Mallorca. Auf der Sonneninsel hat Jäger bereits künstlerische Spuren hinterlassen, die mit ihren bis zu 2,50 Metern Höhe nicht zu übersehen sind. In Form bringt Jäger seine Arbeiten in seiner Kulturfinca Son Bauló. Er arbeitet mit den verschiedensten Materialien wie Holz, Metall und Glas, wobei er allerdings bevorzugt Alabaster, Marmor, Stein und Granit verwendet, um die raue Natur des Steins mit abstrahierten Figurationen und geometrischen Formen und Durchbrüchen besonders in Szene zu setzen.

Der Bildhauer hat im Rahmen seiner Karriere bereits mehrere Kunstpreise gewonnen, wurde zum Beispiel im Jahr 1986 mit dem Bundespreis für Bildhauer und im Jahr 2016 mit dem Symposium-Preis beim internationalen Bildhauer-Symposium im italienischen San Benedetto ausgezeichnet. Zahlreiche seiner Werke befinden sich in privaten Sammlungen, unter anderem in der des britischen Sängers, Komponisten, Pianisten und zweifachen Oscar-Preisträgers Sir Elton John.

Auch etliche öffentliche Skulpturen des Künstlers sind rund um den Globus zu bewundern, zum Beispiel in Tschechien, Südkorea, der Türkei und Ägypten. Jäger kann auch auf zahlreiche Ausstellungen und Bildhauer-Symposien im In- und Ausland zurückblicken, unter anderem in den USA, Griechenland, Italien, Spanien und Japan. Über seine Kunst sagt der ehemalige Leiter des Ernst-Barlach-Museums Güstrow, Volker Probst: „Sie bietet die Möglichkeit der Versenkung, eben das Heraustreten aus dem profanen Alltag hinein in einen Raum der Stille.“

Zunächst hatten Schmidt-Wiedenroth und Jäger über die sozialen Netzwerke Kontakt, vor rund einem Jahr besuchte der Bildhauer dann eine Vernissage in der Galerie Rotes Sofa in Schneverdingen. Eigentlich wollte der Künstler damals nur kurz vorbeischauen, doch dieses Vorhaben war offenbar nicht in Stein gemeißelt, bleib er doch weitaus länger und spielte zu nachtschlafender Zeit zur Begeisterung der Ausstellungsgäste Didgeridoo. Begeistert ist Schmidt-Wiedenroth aber insbesondere vom künstlerischen Wirken des gebürtigen Aschaffenburgers. Zunächst erwarb sie einen weiblichen Akt aus Sandstein, dann weitere Arbeiten, so dass sie inzwischen vier Werke ihr Eigen nennt. So kam der Stein ins Rollen, eine Ausstellung des Künstlers war nur noch eine Frage der Zeit. Diese wird nun bis zum 25. Mai in der Galerie Rotes Sofa zu sehen sein. Musikalisch umrahmt wird die Vernissage am 30. April von Klaus Haaker. „Jetzt geht es endlich wieder los“, freut sich Schmidt-Wiedenroth über das Ende der Corona-Zwangspause und weitere Ausstellungshighlights, die bereits ihre Schatten vorauswerfen. So wird im Juni Künstler Jürgen Freiherr von Kallenberg expressive Bilder zeigen. „In diesem Jahr haben wir hier einen Spitzenkünstler nach dem anderen“, so die Galeristin.

Garten blüht auf

Nicht nur blühende Blumen und Pflanzen sorgen im Skulpturengarten von Lilo Schmidt-Wiedenroth in der Oststraße 6 in Schneverdingen für Farbtupfer, auch die eine oder andere neue Skulptur sowie frisch gestrichene Stühle, Bänke und Tische bringen im Grün hinter dem Atelier im Hof und der Galerie Rotes Sofa Farbe ins Spiel. Seit Wochen wird im Skulpturengarten mit viel Liebe zum Detail gewerkelt, gepinselt, gemäht und geharkt, um die „Kunst-Oase“ in der Heideblütenstadt nach der Winterpause wieder auf Vordermann zu bringen. Sitzgelegenheiten in schickem Blau und Rot laden zum Verweilen ein, neue Sonnenschirme spenden Schatten. Neu im Garten zu sehen ist unter anderem eine mystisch in der Sonne funkelnde Glasskulptur der polnischen Künstlerfamilie Borowski, außerdem ergänzen zwei neue Metallskulpturen das aus insgesamt 65 Objekten bestehende „Gesamtkunstwerk“ im Freien.

Etwa einstündige Führungen durch den Garten bietet Ingo Schreiber nach Voranmeldung unter Ruf (05193) 1885, E-Mail lilos@galerie-rotes-sofa.de, an.

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