Ministerpräsident Weil in der KGS

Landesvater informiert sich in Schneverdingen über Schulprojekte

Ministerpräsident Weil in der KGS

Sie scheint zu einem Publikumsmagneten für hochrangige Landespolitiker zu avancieren, die Stadt Schneverdingen. Gerade erst hatte Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann der Bürgermeisterin einen Förderbescheid über fast drei Millionen Euro zur Erweiterung des Gewerbegebietes Südring überreicht (HK berichtete), am heutigen Mittwoch stattete der Chef der Landesregierung höchstpersönlich der Heideblütenstadt einen Besuch ab. Gut Ding will bekanntlich Weile haben - und deshalb hatte Ministerpräsident Stephan Weil reichlich Zeit mitgebracht. 90 Minuten besuchte er die Kooperative Gesamtschule (KGS) Schneverdingen, in der er sich interessiert über verschiedene Projekte informieren ließ. Das Berufsorientierungsprojekt „UNIwärts“ war dabei ebenso Thema wie der Unterricht im Distanzlernen, die „Summer school“ in den Sommerferien und die Erinnerungskultur an der Schule.

Schulleitung und Schülerschaft hatten sich vorgenommen, das Ganze nicht zu einer einschläfernden Informationsveranstaltung verkommen zu lassen, sondern ein schwungvolles Programm mit Musik, Gesang und Tanz auf die Beine zu stellen. Und sie haben ihre Hausaufgaben gemacht: Alina Buhr, Viktoria Versemann und Lil Paulin Heinecker vom „Mamma Mia!“-Ensemble der Schule schlüpften erneut in ihre Rollen und führten als „Dancing Queens“ locker-flockig durch die Veranstaltung.

Zunächst allerdings stand ein ernstes Thema auf dem Programm. Die Schüler Lina Marie Reinke, Lea Rieke, Collin Dierking und Jan Meyer präsentierten dem Ministerpräsidenten anhand von Fotos auf der Großleinwand die Gedenkstätte am Schneverdinger Bahnhof, die an die Opfer aus den KZ-Zügen auf der Heidebahn erinnert und in diesem Zusammenhang zugleich als Lernort dienen soll. Den Entwurf für das Mahnmal hatte Tamara Deuter, damals Schülerin der KGS, im Rahmen eines Kunstwettbewerbes erstellt und damit im Jahr 2015 die Jury überzeugt. „Spielt bei Euch Erinnerungsarbeit eine Rolle?“, wollte Weil von den Schülern wissen. Eine Frage, die sie umgehend bejahten. Jeder KGS-Schüler besuche mindestens einmal eine KZ-Gedenkstätte, das Thema werde im Unterricht behandelt und die Schule nehme am „Anne Frank Tag“ teil. Auch Besuche des Mahnmals am Bahnhof gehörten dazu. Weil und die anderen Gäste, darunter SPD-Bundestagsabgeordneter und -Generalsekretär Lars Klingbeil, Landrat Manfred Ostermann, Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens, GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth, Landtagsabgeordneter Sebastian Zinke (SPD) sowie Sven Rodewald, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesagentur für Arbeit in Celle, zeigten sich beeindruckt. „Ein roter Faden in der Erinnerungskultur - das finde ich klasse“, betonte der Gast aus Hannover.

Reges Interesse zeigte der Ministerpräsident an den Ausführungen der Schüler Minou Taghi-Khani und Lucas Meyer, die auf humorvolle Art und Weise und nicht minder souverän von ihren Erfahrungen aus der „Summer school“ der KGS in den Sommerferien berichteten. Neben der Grund- und Oberschule Bispingen war die KGS Schneverdingen die einzige Schule im Landkreis Heidekreis, die ein Programm in den Ferien auf die Beine gestellt hatte, um Kinder und Jugendliche der Jahrgänge 5 bis 8 durch eine Mischung aus Freizeit und schulischen Aktivitäten zu fördern, aber auch um Erziehungsberechtigte zu entlasten, die durch die Schulschließungen in der Corona-Krise vermehrt Urlaubstage nehmen mussten, um die eigenen Kinder zu beaufsichtigen und zu betreuen (HK berichtete). Die 103 Plätze waren komplett „ausgebucht“ und das Angebot unter dem Motto „Lernen, Lachen, Loben, Leben“ kam bei den Schülern sehr gut an, wie Minou Taghi-Khani und Lucas Meyer berichteten. „Die ‚Summer school‘ war Schule, aber anders verpackt. Es hat extrem viel Spaß gemacht. Man konnte Freunde treffen und neue Freunde finden. Das war toll“, betonte die Schülerin. Weil der Ministerpräsident die eine oder andere Nachfrage hatte, war sein Interesse offenkundig. Macht das Ferienangebot der KGS, das es auch in diesem Jahr wieder geben wird, vielleicht sogar landesweit Schule? Das scheint zumindest nicht ausgeschlossen.

Auch über das Thema Distanzlernen in Corona-Zeiten konnte sich Weil informieren. In einer Klasse machte er sich ein Bild davon, wie dies in der KGS umgesetzt wird. Die Schule hat dazu technisch erheblich aufgerüstet, so dass die sich nicht im Präsenzunterricht befindenden Schüler per Videkonferenz am Unterricht teilnehmen können. „Ich habe schon viele Schulen besucht, aber noch keine erlebt, in der das so konsequent und dynamisch durchgezogen wurde“, lobte der Ministerpräsident. Zurück in der Aula gab es dann Einblicke in das Projekt „UNIwärts“. In Kooperation mit der Leuphana Universiät schnuppern Gymnasiasten Uni-Luft und erhalten wertvolle Tipps, um sich in Sachen weiterer Werdegang orientieren zu können. Von einem „sehr innovativen, tollen Programm“ sprach Professor Dr. Dominik Leiß, von der Leuphana Universität, Dekan Fakultät Bildung. Angesichts der Herausforderungen seien Schulen und Universitäten gut beraten, zusammenzuarbeiten. „Die KGS hat das mustergültig verstanden“, unterstrich Leiß. Davon profitierten die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Universität, denn: „Wir bewerben uns um die schlauesten Köpfe der Region. Eigentlich müsste an jeder Schule ein Schild ‚Campusschule‘ hängen und an jeder Universität ein Schild ‚Schulhof-Uni‘.“ Die KGS Schneverdingen habe mit ihrem breit gefächterten Bildungsangebot den Kontakt zur Leuphana Universität gesucht und diesen auch „extrem eingefordert“, berichtete Leiß. Und weiter: „Sie ist hartnäckig geblieben - und wir freuen uns, sie jetzt als Campusschule auszuzeichnen.“ Das entsprechende Schild überreichte der Professor auf der Bühne an Gymnasialzweigleiter Axel Witt.

Die Leuphana Universität hat bereits fünf Campusschulen, die KGS Schneverdingen ist allerdings die erste, die diese Auszeichnung mit ausdrücklicher Zustimmung des Niedersächsischen Kultusministeriums erhielt, weil mögliche Ausweitungen der bereits bestehenden Kooperation auf unterschiedlichen Ebenen gegebenenfalls mit dem Regionalen Landesamt für Schule und Bildung in Lüneburg oder gar dem Kultusministerium erarbeitet werden können.

Glückwünsche gab es sogleich vom Ministerpräsidenten, der sich begeistert zeigte: „Die Veranstaltung hat mit einer Morningshow begonnen und endet mit einer Aufstiegsfeier“, so Weil. Er machte allen Beteiligten „ein dickes Kompliment.“ Der Sozialdemokrat sprach von „einem spürbaren Engagement“ und von „Kompetenz und Freude, die hier alle verbindet.“ Die Schülerinnen und Schüler seien „unbefangen, sicher und selbstbewusst“ aufgetreten. Und das sei ein Indikator, „dass Sie hier ganz vieles richtig machen.“ Sein Appell an Schüler- und Lehrerschaft: „Bewerben Sie sich für den Deutschen Schulpreis.“ Er, Weil, habe das Gefühl, dass die KGS dort sicherlich gut abschneiden werde.

Die Kooperation mit der Leuphana Universität bezeichnete der Ministerpräsident als „hochsinnvolles Projekt“, als „Win-win-Situation“, zumal dieses Thema weiterhin unterschätzt werde. „Von 100 Prozent Erstsemestern hält ein erstaunlich geringer Prozentsatz durch.“ Das habe er in seiner Zeit in Göttingen beim Jurastudium selbst beobachten können. „Viele haben im ersten, zweiten und dritten Semester festgestellt, dass sie sich in einer Sackgasse befinden. Es lohnt sich also aus pädagogischer Sicht, zu vermitteln, was für junge Leute das richtige Fach sein könnte.“ Mit der KGS und der Leuphana Universität hätten sich „zwei innovative Partner“ zusammengefunden.

Ein großes Lob sprach Schulleiter Taghi-Khani zum Abschluss seinen Schülerinnen und Schülern aus: „Ihr habt diese Schule superb präsentiert.“

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