Mit 27 Jahren immer noch an der Nabelschnur

Verein „LichtSpiel“ zeigt „Heavy Pregnant“ auf der „Online-Leinwand“

Mit 27 Jahren immer noch an der Nabelschnur

In der Corona-Krise bleibt das Schneverdinger Kino des Vereins „LichtSpiel“ auch weiterhin geschlossen, bietet Filmfreunden aber als besonderes Bonbon auf der „Online-Leinwand“ den „Kurzfilm der Woche“ und Filmtipps zu den Mediatheken der öffentlich-rechlichen Fernsehanstalten. Zunächst ist diese Aktion für diesen Monat geplant. Das Kurzfilm-Programm ist kostenlos auf der Internetseite des Kinos unter https://www.lichtspiel-schneverdingen.de zu sehen.

Vom heutigen Donnerstag an wird dort der deutsche Kurzfilm „Heavy Pregnant“ aus dem Jahr 2003 von Regisseur Piotr Lewandowski präsentiert. Es wird gezeigt, was passiert, wenn sich ein Kind nach 27 Jahren immer noch nicht von seiner Mutter trennen kann, immer noch über die Nabelschnur mit ihr verbunden ist und sich weigert, die Fruchtblase zu verlassen.

Zusätzlich empfiehlt „LichtSpiel“-Programmkoordinator Wolfgang Voigt besondere Filmangebote in den Mediatheken von ARD, ZDF und ARTE. Diesmal rät er dazu, sich in der ZDF-Mediathek den Film „Das schweigende Klassenzimmer“ aus dem Jahr 2018 anzusehen. Die Geschichte des Films geht auf ein Ereignis aus dem Jahr 1956 in der DDR zurück: Eine Schulklasse legt im Untericht eine Schweigeminute für die Opfer des Ungarnaufstandes ein und wird daraufhin vom Abitur ausgeschlossen. Dietrich Garstka, einer der seinerzeit an den Vorgängen Beteiligten, hat 2007 das Geschehen in Erinnerungen, Interviews und Dokumenten mit einer Publikation in die öffentliche Erinnerung gebracht.

Ein weiterer Film, den Voigt empfiehlt, ist die deutsche Produktion „In den Gängen“ aus dem Jahr 2018 von Thomas Stuber. Er kommentiert mit subtilen Mitteln die prekäre Daseinserfahrung kurz nach der Wende. Dazu lässt der Film auf ARTE schon mal Gabelstapler Ballett tanzen. Besetzt ist er unter anderem mit Franz Rogowski und Sandra Hüller. In einem Lagerhaus irgendwo in der ostdeutschen Provinz inszeniert die Produktion die Banalität des Arbeitsalltags. Sie ist bis zum 10. Februar kommenden Jahres in der ARTE-Mediathek zu sehen.

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