Mit einer Panne fing es an

Sein fünfjähriges Bestehen feiert das Schneverdinger „LichtSpiel“-Kino am 21. Juni mit Musik und der Komödie „Ziemlich beste Freunde“ im Biergarten am Rathaus

Mit einer Panne fing es an

Mit einer Panne fing es an: Am 14. Juni 2014 nahm das Schneverdinger „LichtSpiel“-Kino seinen Betrieb auf. Aufgrund eines Mißverständnisses zwischen Projektorlieferant und Filmverleih konnte der Eröffnungsfilm damals nicht gezeigt werden. Das hatte sozusagen einen Städte- und Länderwechsel zur Folge, denn statt „Grand Bundapest Hotel“ präsentierten die Gründer des neuen Kinos „Beziehungsweise New York“. Der kleine Fauxpas zum Auftakt war aber kein böses Omen - ganz im Gegenteil. Die engagierten Schneverdingerinnen und Schneverdinger, die das Kinoprojekt gestemmt haben, hätten sich wohl selbst nicht träumen lassen, daß sich das kleine, aber feine Lichtspielhaus in der Oststraße dermaßen erfolgreich entwickeln würde. Sie haben eindrucksvoll unter Beweis gestellt, was sich mit ehrenamtlichen Engagement, Wagemut, vereinten Kräften, Geduld und Beharrlichkeit auf die Beine stellen läßt. Nun können die Mitglieder des Vereins „LichtSpiel“ zurecht mit Stolz auf das fünfjährige Bestehen ihres Kinos zurückblicken. Und das wird am 21. Juni mit einer öffentlichen Veranstaltung gefeiert.

Zum fünften „Geburtstag“ des Kinos wird natürlich, wie sollte es anders sein, ein Film gezeigt. Unter dem Motto „Umsonst und draußen“ sind alle Schneverdinger und Kinofreunde aus der Umgebung in den Biergarten am Rathaus eingeladen. Einlaß ist ab 19.30 Uhr und der Eintritt, wie das Motto bereits verdeutlicht, frei. Bei den Open-air-Kino-Veranstaltungen gibt es traditionell als „Vorprogramm“ Live-Konzerte. Weil am 21. Juni auch der inzwischen weltweit verbreitete Musiktag „Fête de la Musique“ auf dem Plan steht, haben sich die Organisatoren diesmal etwas Besonderes ausgedacht. Sie haben die Musiker Nils West, Jürgen Pocha, Kai Horn und Wolfgang Voigt, letzterer ist Koordinator des Erwachsenenprogramms des Kinovereins, eingeladen, nacheinander an verschiedenen Stellen im Biergarten Musik zu machen. Zudem sind alle Besucher dazu aufgerufen, Instrumente mitzubringen, damit das Ganze schließlich zu einer großen „Jam-Session“ führt. „Weil wir ein Mitmachkino sind, soll auch gemeinsam Musik gemacht werden“, so Christian Wildtraut vom Kinoverein. Wenn es dann dunkel geworden ist, werden zunächst Kurzfilme gezeigt, anschließend läuft die französische Erfolgskomödie „Ziemlich beste Freunde“.

„Ziemlich beste Kollegen“ sind die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich in ihrer Freizeit darum kümmern, daß „der Laden läuft“. Der Verein „LichtSpiel“ hat inzwischen rund 150 Mitglieder. 57 Ehrenamtliche arbeiten regelmäßig mit, darunter elf Filmvorführer und eine Filmvorführerin. „Das Gesicht unseres Kinos sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die hinter dem Tresen stehen, Getränke ausschenken und Popcorn verkaufen“, betont Werner Mader vom Vorstand des Vereins, der sich um die Pressearbeit kümmert. Im Servicebereich engagierten sich 33 Frauen und zwei Männer. „Das Publikum mag die freundliche und familiäre Atmosphäre“, so Mader.

Das vom Kulturverein neu gebaute Kino in der Kulturstellmacherei bietet 53 Gästen Platz und ist barrierefrei. Es verfügt über moderne Vorführtechnik. „Soweit wir das wissen, ist es das kleineste 3-D-Kino Niedersachsens“, berichtet Mader. Und dieses ist gefragt, wie die Zahlen belegen: Jüngst wurde die 30.000 Besucherin mit Gutscheinen überrascht (HK berichtete). „Inzwischen hatten wir 909 Vorstellungen“, weiß Reiner Lehmann, Koordinator Finanzen. Die 1.000er-Marke werde voraussichtlich Anfang kommenden Jahres geknackt. „Unser Programm wird vom Publikum sehr gut angenommen, so daß es immer wieder vorkommt, daß Vorstellungen ausverkauft sind und wiederholt werden müssen“, erklärt Mader. Das Kinoteam begrüße inzwischen viele Stammgäste - und zwar nicht nur Einheimische. „Wir haben auch viele Besucher aus Soltau und dem gesamten Altkreis Soltau, aber auch Gäste aus Tostedt, Fintel, Walsrode und sogar Buchholz“, berichtet Mader. Und weiter: „Was uns besonders ausmacht, ist, daß wir vor unseren Abendvorstellungen Kurzfilme zeigen und es immer eine Einführung durch einen Moderator gibt. Das schätzt unser Publikum sehr, da erhalten wir sehr viele positive Rückmeldungen.“

Anfangs hat das Schneverdinger Kino noch mit dem Stadtkino Rotenburg und dem Landkino Lauenbrück zusammengearbeitet. Weil die Schneverdinger aber ihr Programm peu à peu erweitert haben und die Filmfreunde in Rotenburg und Lauenbrück dieses Tempo mit ihren personellen Ressourcen nicht mitgehen konnten, ist das „LichtSpiel“-Kino seit 1. Oktober 2016 selbständig. Das Programm wird seitdem zu einem Teil über den Filmkunstabspielring „Kulturprojektor“ bezogen, überwiegend aber inzwischen in Eigenregie geplant und gebucht. Dafür verantwortlich sind die beiden Vorstandsmitglieder Wolfgang Voigt (Programm für Erwachsene) und Julian Kremhart (Programm Kinder und Jugendliche). Außer ihnen arbeiten weitere zwölf Personen im Vorstand mit, die sich um die gesamten Organisations- und Arbeitsabläufe sowie Werbung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit kümmern. Ebenfalls im Jahr 2016 wurde ein elektronisches Kassensystem eingeführt, so daß seitdem Karten online im Vorverkauf erworben werden können. „Das ist für unsere auswärtigen Gäste ein großer Vorteil“, betont Mader.

Das Programmangebot umfaßt inzwischen Abendvorstellungen samstags und sonntags, ein wöchentliches Kinderprogramm am Sonntagnachmittag, ein monatliches Blockbusterprogramm des Stadtjugendringes freitags abends (außer in den Sommermonaten) , ein bis zwei Dokumentarfilme im Monat (mittwochs abends) sowie im Winterhalbjahr Live-Übertragungen aus dem Londoner Royal-Opera-House sowie besondere thematische Reihen (Kultfilme, Rockkonzerte). Am Herzen liegt dem Kinover-ein die Zusammenarbeit mit den Schneverdinger Schulen. Er beteiligt sich daher an den Niedersächsischen Schulkinowochen. Und in unregelmäßiger Folge gibt es zusätzliche Schülervorstellungen zu unterschiedlichen Themen aus Gesellschaft, Kunst und Kultur. Neben der intensiven Zusammenarbeit mit dem Schneverdinger Kulturverein gibt es regelmäßig besondere Veranstaltungen mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Schneverdingen, dem Tibetischen Zentrum Semkye Ling in Lünzen und dem Kunstverein Springhornhof Neuenkirchen.

Ausgezeichnet wurde das Kino auch: Für die Jahre 2014 bis 2017 erhielt es für sein Programm jährlich den Kinoprogrammpreis der Nordmedia für „ein hervorragendes Jahresprogramm in nichtgewerblichen Kinos“. Ende November vergangenen Jahres wurde es unter die „Top 100 Lieblingskinos Deutschlands“ gewählt. „Unser Publikum liebt Dokumentationen“, so Wolfgang Voigt. Der bislang erfolgreichste Film im „LichtSpiel“-Kino ist mit „Weit - Die Geschichte von einem Weg um die Welt“ dann auch ein Dokumentarfilm über die Weltreise zweier junger Leute. Dieser Film lief aufgrund großer Nachfrage und Mundpropaganda nicht weniger als siebenmal. Regelmäßig lädt das Kino Filmemacher oder Experten ein, die sich nach den Vorführungen mit dem Publikum austauschen. Auch Schauspieler wie Rolf Becker oder Steffen „Shorty“ Scheumann waren schon zu Gast. Aufgrund der sehr guten Besucherzahlen und der hohen Auslastung konnten die Eintrittspreise seit der Eröffnung konstant gehalten werden. „Wir kommen finanziell über die Runden“, unterstrich Lehmann. Derzeit sei der Verein dabei, Rücklagen zu bilden, da in absehbarer Zeit Renovierungsmaßnahmen erforderlich seien.

Was der eine oder andere vielleicht noch nicht gehört hat: Das „LichtSpiel“-Kino kann gemietet werden und steht damit regelmäßig auch Vereinen, Firmen, Institutionen und Privatpersonen für eigene Veranstaltungen zur Verfügung. Infos gibt es im Internet unter der Adresse www.lichtspiel-schneverdingen.de.

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