Moog-Steffens tritt erneut an

Aus dem Amt heraus kandidiert Schneverdingens Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens bei der Bürgermeisterwahl am 26. Mai und wird dabei sowohl von der SPD als auch der CDU und den Grünen unterstützt.

Moog-Steffens tritt erneut an

Nun ist es offiziell: Schneverdingens Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens kandidiert bei der Bürgermeisterwahl am 26. Mai, die in der Heideblütenstadt nach einem entsprechenden Ratsbeschluß im Dezember vergangenen Jahres parallel zur Europawahl auf dem Plan steht, für eine weitere Amtszeit. 100 Tage vor dem Urnengang verkündete die Schneverdingerin, daß sie als Einzelbewerberin aus dem Amt heraus antreten wird. Und das wird sie mit reichlich Rückenwind tun, denn sowohl die SPD als auch die CDU und die Grünen unterstützen ihre Kandidatur. Das hat es in der Heideblütenstadt so noch nicht gegeben. SPD-Ortsvereinsvorsitzende Tatjana Bautsch, CDU-Stadtverbandsvorsitzender Christian Quoos und Markus Neuefeind vom Vorstand der Grünen saßen am vergangenen Freitagvormittag mit am Tisch, als Moog-Steffens ihre Entscheidung, erneut ins Rennen zu gehen, öffentlich machte.

„Ich habe im vergangenen Jahr relativ zeitig gesagt, daß ich mir vorstellen kann, wieder zu kandidieren“, so die Bürgermeisterin. Sie hatte sich bei der Wahl im September 2011, bei der sie als parteilose Kandidatin für die SPD angetreten war, gegen den Christdemokraten Cosimo Palomba, Dr. Christopher Schmidt von den Grünen und den Einzelbewerber Ben de Bruycker durchgesetzt. „Ich bin parteilos und habe immer gesagt, daß ich auch parteilos bleiben werde“, betonte Moog-Steffens. Auch deshalb sei die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat in den vergangenen Jahren „sehr gut gelaufen, weil wir es verstanden haben, fraktionsübergreifend zu arbeiten.“ Natürlich gebe es hin und wieder auch Kontroversen, „aber das zeichnet Demokratie aus und wir haben immer Kompromisse gefunden.“

Und das spiegelt der breite Rückhalt wieder. In Mitgliederversammlungen beziehungsweise öffentlichen Vorstandsversammlungen der SPD, der Grünen und der CDU hatte Moog-Steffens ihre bisherige Amtszeit Revue passieren lassen, um Unterstützung für ihre Kandidatur geworben und künftige Ziele genannt, die sie in Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung erreichen wolle. Die Mitglieder der CDU sprachen sich mit großer Mehrheit dafür aus, der Amtsinhaberin den Rücken stärken zu wollen (siehe Bericht auf dieser Seite). In der SPD und bei den Grünen fiel das Votum der Mitglieder einstimmig aus. „Die Bürgermeisterin hat gute Arbeit gemacht“, lobte Markus Neuefeind. Ins gleiche Horn stießen Bautsch und Quoos.

Bislang hat noch kein weiterer Kandidat und keine weitere Kandidatin seinen beziehungsweise ihren Hut in den Ring geworfen. Noch bis zum 8. April hat jeder Interessierte Zeit, dies zu tun. Voraussetzung ist, zuvor 160 Unterschriften von Unterstützern gesammelt zu haben - so wie es das Niedersächsische Kommunalwahl-Gesetz Einzelbewerbern vorschreibt. Bleibt abzuwarten, ob dies der Fall sein wird. „Vielleicht wäre ein Wahlkampf mit mehreren Kandidaten besser, weil so mehr Menschen mobilisiert werden können, gerade auch mit Blick auf die Europawahl“, meinte die Bürgermeisterin. Sie sei dankbar, daß die SPD sie vor der Wahl im Jahr 2011 als parteilose Kandidatin auf den Schild gehoben habe. „Wir haben damals einen guten strategischen Wahlkampf gemacht. Diesmal habe ich mir bewußt andere Schwerpunkte gesetzt und werde deutlich mehr Hausbesuche machen, auch in den Ortschaften, denn persönliche Gespräche sind mir sehr wichtig. Das kennen die Leute von mir“, betonte die Bürgermeisterin.

Für eine weitere Amtszeit hat sie sich klare Ziele gesetzt. „Einer der Hauptpunkte wird die Vermarktung des Gewerbegebietes Schneverdingen Süd sein. Das ist eine wichtige Aufgabe und wird viel Zeit kosten“, unterstrich Moog-Steffens. Auch das Thema Fachkräftemangel werde noch stärker in den Fokus genommen werden müssen, denn: „In der Hotellerie und Gastronomie sowie bei den Pflegediensten ist der Fachkräftemangel längst angekommen.“ Um gut ausgebildete junge Menschen in die Stadt zu holen, müsse ein attraktives Umfeld das Pfund sein, mit dem man wuchern könne: „Wir müssen uns deshalb fragen, was können wir noch mehr für junge Menschen und Familien machen.“

Aber auch die ältere Generation dürfe angesichts der Altersstruktur in der Heideblütenstadt nicht vergessen werden. Hier gebe es im Rahmen des Stadtmarketings beziehungsweise nun Cittaslow-Prozesses Projekte wie die Initiative zur Einrichtung eines weiteren Seniorenwohnheims in der Heideblütenstadt. Gespannt ist die Bürgermeisterin auf die Entwicklung im Rahmen des Projekts „Kommune inklusiv“: „Ich erhoffe mir davon viel Nachhaltigkeit“, so Moog-Steffens.

Der mit der Zukunftskonferenz im Jahr 2005 eingeschlagene Weg der Bürgerbeteiligung solle weiterhin beschritten werden, habe doch jüngst erst die öffentliche Veranstaltung zum Thema „Alte Schlachterei“ gezeigt, daß sich die Schneverdinger nach wie vor engagiert in die Gestaltung ihrer Stadt einbrächten. „Es ist viel entstanden - und das soll auch weiterverfolgt werden“, erklärte Moog-Steffens. Weiterhin wichtig sei der Erhalt und die Verbesserung der Infrastruktur, wobei erheblich gestiegene Baukosten eine Herausforderung seien. Auch die Schaffung von Wohnbauland sowohl in den Ortschaften als auch in der Kernstadt werde weiterhin von Bedeutung sein. In der Kernstadt sei die Innenverdichtung durch den Bau von Mehrfamilienhäusern „richtig und wichtig“, meinte Moog-Steffens: „Das wird aber nicht jedem gefallen, weil Schneverdingen sehr ländlich geprägt ist.“ Aber die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum steige. Denn nicht nur in den Metropolen stiegen die Mieten sowie die Baulandpreise, sondern auch in Städten wie Tostedt, Buchholz und Lüneburg. „Davon profitieren die Kommunen im Heidekreis. Man kann schon von Suburbanisierung sprechen“, so die Bürgermeisterin. Die Stadt werde daher weitere Wohnbauflächen ausweisen. „Wir haben gerade Hochkonjunktur“, konstatierte Moog-Steffens. So gebe es zum Beispiel für Bauland im Wohngebiet Halmsrahde derzeit 40 Interessenten auf der Warteliste für 22 zur Verfügung stehende Grundstücke.

Neben Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen seien schnelle Internetleitungen heutzutage ein entscheidender Standortfaktor. Nachdem die „weißen Flecken“ in den Ortschaften abgearbeitet worden seien, gelte es nun, das Glasfasernetz in der Kernstadt weiter auszubauen. In Sachen Breitbandausbau seien die Heidjers Stadtwerke „mit ihrer eigenen Telekommunikationssparte“ gut aufgestellt.

Was den städtischen Haushalt angehe, so stehe die Stadt vor großen Herausforderungen. „Wir haben viele Projekte, die wir beackern müssen. Einen Neubau für die Feuerwehr für sechs bis sieben Millionen Euro zum Beispiel werden wir mit unserem Haushalt nicht mal eben so stemmen können“, erläuterte die Bürgermeisterin. Dann seien da noch die „Alte Schlachterei“ und die geplante Zusammenlegung von Mehrgenerationenhaus und Freizeitbegegnungsstätte, nicht zu vergessen das Gelände der ehemaligen ENDO-Klinik, das komplett überplant werden müsse.

Gerade auch wegen dieser Herausforderungen ist die Bürgermeisterin froh, sich mit dem Rückhalt der SPD, Grünen und der Union um eine weitere Amtszeit bewerben können. Und was macht die Gruppe Liberale Schneverdinger Wähler (LSW)? Die gibt sich etwas zurückhaltender. LSW-Sprecher Jürgen Schulz von der Schneverdinger Wählergemeinschaft erklärte auf Anfrage: „Wir wollen uns neutral verhalten, um potentielle Kandidatinnen oder Kandidaten nicht abzuschrecken. Mit Blick auf unser Demokratieverständnis wollen wir eine vorherige Festlegung mit Blick auf das Neutralitätsgebot nicht. Aber wir suchen auch keinen eigenen Kandidaten beziehungsweise keine eigene Kandidatin.“

Logo