Neue Kita in der Stockholmer Straße: Lebenshilfe Soltau wird Träger

Geplante Schneverdinger Kindertagesstätte soll zum Kita-Jahr 2022/2023 fertig sein

Neue Kita in der Stockholmer Straße: Lebenshilfe Soltau wird Träger

Sie erweitert die bewährte Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Soltau: die Stadt Schneverdingen. Am heutigen Freitagmorgen verkündete Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens im Beisein von Ratsvertreterinnen und -vertretern sowie Susanne Möhle vom zuständigen Fachbereich der Stadtverwaltung im Pressegespräch, wer die Trägerschaft über die geplante neue Kindertagesstätte in der Stockholmer Straße übernehmen wird. Da Gerhard Suder, Geschäftsführer der Lebenshilfe Soltau, die Runde im Ratssaal komplettierte, lag die Antwort auf diese Frage allerdings bereits auf der Hand. Im Interessenbekundungsverfahren der Stadt Schneverdingen hatte sich die Lebenshilfe Soltau mit ihrer Konzeption gegen drei Mitbewerber, den DRK-Ortsverein Schneverdingen, das Stephansstift Hannover sowie den TV Jahn Schneverdingen durchgesetzt und wird künftig neben der Kooperativen Kindertagesstätte „Lütenhof“ eine weitere Einrichtung zur Betreuung von Kindern in der Heideblütenstadt betreiben.

Diese soll auf einer Fläche an der Stockholmer Straße in der Nähe der Sportanlagen entstehen und rechtzeitig zum Kindergartenjahr 2022/2023 fertig sein. Geplant ist der Neubau einer Einrichtung für zwei Krippengruppen mit je 15 Plätzen und drei Elementargruppen mit je 25 Plätzen. Die Investitionskosten für einen Fünf-Gruppen-Kindergarten betragen laut Moog-Steffens rund 3,54 Millionen Euro. Weil mit einer Bauzeit von rund einem Jahr gerechnet werde, so die Bürgermeisterin, „müssen die Planungen so abgeschlossen sein, dass wir 2021 loslegen können.“

„Alle Städte und Gemeinden beschäftigen sich fortwährend mit der Kita-Bedarfsplanung. Das ist eine Daueraufgabe“, unterstrich Moog-Steffens. In der Heideblütenstadt gebe es steigenden Bedarf, der nicht nur aus den Geburtenzahlen resultiere. Wegen hoher Grundstücks- und Immoblienpreise sowie hoher Mieten in Städten wie Lüneburg und Hamburg ließen sich zunehmend Familien aus umliegenden Regionen in der Heideblütenstadt nieder. Dieser Entwicklung werde mit der Ausweisung neuer Baugebiete Rechnung getragen, die Zahl der Zuzüge sei größer als die der Wegzüge. „So haben wir zirka zwei Kinder pro Jahr mehr in den Jahrgangsstärken“, berichtete die Bürgermeisterin. Hinzu kämen gesellschaftliche Veränderungen, etwa mit Blick auf die Berufstätigkeit der Eltern. „Dies wirkt sich zunehmend auf die Betreuungszeiten der Kitas aus. Die Tendenz geht weiter hin zu Ganztagsplätzen, weil viel Flexibilität benötigt wird“, meinte Moog-Steffens. Aktuell habe sich in der Coronakrise gezeigt, „dass Eltern, die im Homeoffice arbeiten, ihre Kinder nicht ‚so nebenbei‘ betreuen können.“ Zugleich steige auch die Nachfrage nach Krippenplätzen, so dass die Betreuungsquote in den Krippen ebenfalls steige.

Rat und Verwaltung hätten festgestellt, so die Bürgermeisterin weiter, dass es in der Stadt insbesondere im Bereich östlich der Bahn Bedarf gebe. Dort befände sich zwar die Kita Regenbogen, „aber perspektivisch reicht das mittel- und langfristig nicht aus“, betonte Moog-Steffens. Als mögliche Fäche habe sich schließlich das der Stadt gehörende Areal an der Stockholmer Straße herauskristallisiert.

Ende vergangenen Jahres hatte der Rat in seiner Sitzung einstimmig grünes Licht für diesen Standort gegeben. Bereits im April dieses Jahres startete die Stadt ihr Interessenbekundungsverfahren zur Trägerschaft. Nachdem sich die vier Bewerber am 25. Juni dieses Jahres in einer Vorstellungsrunde mit ihren Konzepten präsentiert hatten, befasste sich am 14. Juli der Bildungsausschuss mit dem Thema. Am 20. Juli fasste der Verwaltungsausschuss einstimmig den Beschluss, dass die Lebenshilfe Soltau die Trägerschaft übernehmen soll. Verwaltung und Politik sei es wichtig gewesen, den Träger möglichst früh auszusuchen und zu beteiligen, damit die Räumlichkeiten auf die entsprechende Konzeption zugeschnitten werden können, erläuterte Moog-Steffens. Da gehe es unter anderem auch um die Frage, ob das Essen in der Kita zubereitet werden soll, was die Lebenshilfe übrigens auch vorhat.

Apropos Konzeption: „Es wäre wünschenswert, wenn einer der Schwerpunkte der konzeptionellen Ausrichtung in dem Bereich der Bewegungserziehung liegen würde“, hieß es in der Ausschreibung der Stadt. Ein Aspekt, den sich die Lebenshilfe Soltau für die Kinderbetreuung auf die Fahnen geschrieben hat, wie Suder erläuterte. „Viele Kinder bewegen sich heute kaum noch, manche fast nur noch ihre Daumen“, so der Lebenshilfe-Geschäftsführer und meinte damit die ausufernde Nutzung von Handys, Tablet-PCs und Spielkonsolen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Lebenshilfe in der Kinderbetreuung liege auf dem Bereich ästhetischen Bildung, also Kunsterziehung. Deshalb werde die Kita auch über einen Raum verfügen, der als Atelier genutzt werden könne. „Es geht nicht um eine Elite-Kita“, stellte Suder klar, doch es sei wichtig, Mädchen und Jungen auch im kreativen Bereich zu fördern. Zudem sollte heutzutage jede Kita die Möglichkeit haben, integrativ zu arbeiten, ohne dabei ein „Sonderkindergarten“ zu sein. „Die Lebenshilfe Soltau hat inzwischen 600 Kinder in der Betreuung. Davon haben nur 100 besonderen Betreuungsbedarf, der Rest besucht Regelgruppen“, berichtete er.

Hendrikje Köster (SPD) betonte, dass die Konzepte aller vier Bewerber „qualitativ hochwertig“ gewesen seien. „Es war eine schwierige Entscheidung, wir haben lange und gut darüber diskutiert“, so die Sozialdemokratin. Jürgen Schulz (SWG), Sprecher der Gruppe Liberale Schneverdinger Wähler (LSW) begrüßte, dass im politischen Diskurs die Entscheidung gefallen sei, eine Kita statt für vier gleich für fünf Gruppen zu bauen, „um einen Puffer zu haben. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Kitas schnell aus den Nähten platzen können.“ Die Lebenshilfe sei, hob Schulz hervor, „ein kompetenter, erfahrener Partner.“ Ähnlich äußerte sich Markus Neuefeind von den Grünen. Das „ausführliche und gut strukturierte Konzept“ der Lebenshilfe habe überzeugt, zudem betreibe sie bereits eine Kita in Schneverdingen, „in der sich die Kinder wohlfühlen.“ Christian Quoos (CDU) betonte, dass der Standort an der Stockholmer Straße, für den sich die Christdemokraten ausgesprochen hätten, wegen seiner Lage an den Sportplätzen und in der Natur ideal sei. „Es ist gut, dass wir uns auf diesen Standort und diesen Träger geeinigt haben. Das ist das Gute in Schneverdingen: Es wird sich zusammengesetzt und eine Lösung gefunden“, konstatierte Quoos.

Suder sprach von einer „guten und immer konstruktiven Zusammenarbeit“ mit der Stadt Schneverdingen, unter anderem auch im Projekt „Kommune Inklusiv“. Der Geschäftsführer: „Ich freue mich riesig, dass wir die neue Kita in Schneverdingen betreiben dürfen. Wir wollen alles tun, das in uns gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen.“

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