Neue Projekte in der Pipeline

„Cittaslow“-Forum: Bürgerinnen und Bürger planen weitere Vorhaben

Neue Projekte in der Pipeline

Als „wohl einzigartig im Heidekreis“ bezeichnete Marian Groß, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins (HGV) Schneverdingen, das, was der Verein bereits im Jahr 2005 mit der „Zukunftskonferenz“ angeschoben hatte: Die Veranstaltung war damals die Initialzündung für einen Stadtmarketingprozess, in dessen Verlauf zahlreiche Bürgerinnen und Bürger der Heideblütenstadt in ihrer Freizeit in verschiedenen Arbeitskreisen eine Fülle von Projekten geplant und umgesetzt haben. Vor 16 Jahren hätte es wohl kaum ein Schneverdinger für möglich gehalten, dass aus ehrenamtlicher Arbeit in kleinen Gruppen etwas Großes entstehen kann. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und so gibt es in Schneverdingen wieder ein Kino, mit dem Mehrgenerationenhaus eine beliebte Anlaufstelle für Jung und Alt und einen Bürgerbusverein, der sich mit großem Elan für mehr Mobilität auf dem Lande einsetzt. Und das sind nur drei Beispiele von vielen.

Bei der Begrüßung zum „Cittaslow-Forum“ am vergangenen Dienstag im Bürgersaal der Freizeitbegegnungsstätte ließ Groß die Geschichte des Stadtmarketings in der Heideblütenstadt kurz Revue passieren, das seit Aufnahme der Stadt Schneverdingen ins „Cittaslow“-Netzwerk unter dem Dach der „Cittaslow“-Bewegung fortgesetzt werde. „Wir freuen uns, dass die Stadt diesem internationalen Netzwerk angehört“, unterstrich der HGV-Vorsitzende. „Ich bin sehr glücklich, dass wir uns alle endlich mal wieder live und in Farbe begegnen“, betonte Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens, die durch den Abend führte. Über lange Zeit hätten sich die Teilnehmer der verschiedenen Arbeitskreise ausschließlich virtuell getroffen.

Das war auch der Grund, warum das „Cittaslow-Forum“ diesmal mit einem veränderten Ablauf über die Bühne ging und im Vorfeld keine Priorisierung der anzugehenden Projekte erfolgt war.

Und so stand zunächst ein „Info-Block“ auf dem Programm. Moog-Steffens wies darauf hin, dass hinter dem „Cittaslow“-Prozess mit der Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die Projektarbeit die Vereine und Institutionen Mehrgenerationenhaus (MGH), Freiwilligenagentur, „Kommune Inklusiv“, Handels- und Gewerbeverein und „Cittalsow“ stehen. Weil das auf fünf Jahre befristete und von „Aktion Mensch“ finanziell geförderte Projekt „Kommune Inklusiv“ im Jahr 2023 auslaufe, werde bereits jetzt daran gearbeitet, die Aktivitäten und Aufgabenbereiche zusammenzuführen.

Über den aktuellen Stand in Sachen Bürgerbus und „Mobilität auf dem Lande“ berichtete Wolfgang Schubert vom Bürgerbusverein. „Es lohnt sich, hier in diesem Prozess Ideen einzubringen“, betonte Schubert, sei so doch im Jahr 2014 die Gründung des Bürgerbusvereins gelungen. Seien nach Aufnahme des Betriebes im März 2015 „nur“ 134 Fahrgäste befördert worden, so nutzten das Angebot jetzt bereits zwischen 600 und 800 Fahrgäste pro Monat. In der Hochphase der Corona-Pandemie habe es in Sachen Fahrgastzahlen zwar einen Einbruch gegeben, „im September hatten wir aber wieder mehr als 700 Fahrgäste.“ Schubert wies darauf hin, dass der Bürgerbusverein inzwischen gültige Fahrkarten anderer Verkehrsunternehmen anerkenne - vom Niedersachsenticket über Zeitkarten der Verkehrsgemeinschaft Heidekreis bis hin zu Schülerfahrkarten und Einzelfahrscheinen des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV). „In den Schulferien ist der Bürgerbus der einzige ÖPNV zu den Dörfern“, unterstrich Schubert. Derzeit seien rund 20 Fahrerinnen und Fahrer ehrenamtlich im Einsatz, zum Jahresende kämen voraussichtlich vier neue hinzu. Interessierte seien jederzeit willkommen und zu „Schnupper-Fahrstunden“ eingeladen.

Voran geht es auch mit dem Projekt, das die in Schneverdingen eigens gegründete Wohnungsbaugenossenschaft realisieren will. In der Oststraße 27 sollen 17 Wohnungen mit jeweils 55 beziehungsweise 75 Quadratmetern Wohnfläche entstehen (HK berichtete). Es geht um selbstbestimmtes Wohnen im Alter, zentrumsnah und in barrierearmen beziehungsweise teils auch rollstuhlgerechten Wohnungen. Wie Werner Mader berichtete, habe die 33 Mitglieder zählende Genossenschaft das Grundstück der ehemaligen Tischlerei Meyer bereits gekauft. Der Abriss des maroden Gebäudes sei für das kommende Jahr geplant. Die Mitglieder der Genossenschaft engagierten sich in verschiedenen Arbeitsgruppen für das Vorhaben, das Bauteam entwickele derzeit mit einem Architekten das Gebäude. Laut Mader solle beim Bau und auch danach möglichst wenig CO2 verbraucht werden, „deshalb planen wir mit Baustoffen wie Holz, Lehm und Stroh.“ Weitere Mitglieder seien in der Genossenschaft stets willkommen, „denn über je mehr Eigenkapital wir verfügen, desto weniger Kredite müssen wir aufnehmen.“

Auch dieses Projekt ist auf einem guten Weg - und das wiederum ist das Stichwort für eines der sieben neuen Projekte, die nun angeschoben werden. Jessica Bleifuß vom Team „Kommune Inklusiv“ stellte das Vorhaben „Barrierefreier Wanderweg“ vor. Die Stadt Schneverdingen sei von idyllischer Natur umgeben, die jedoch nicht für alle zugänglich sei. Dies solle mit einem entsprechenden Wanderweg geändert werden. Weil die Stadt von Landschafts- und Naturschutzgebieten „umzingelt“ sei, gebe es zwar keine Garantie für die Umsetzbarkeit, dennoch gelte es, Ideen zu sammeln, „denn so etwas fehlt hier“. Wer sich einbringen möchte, kann sich unter Ruf (05193) 93150 oder per E-Mail an kontakt@svd-inklusiv.de melden.

Sitzgelegenheiten in der Heideblütenstadt mit Spiel-, Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Jung und Alt „aufpeppen“ - das möchte die Projektgruppe „Familienbänke“. In dieser hält Christin Haber mann von der Stabsstelle Stadtmarketing die Fäden in der Hand. Das nächste Treffen dieser Gruppe steht am 2. November um 17 Uhr im Sitzungszimmer im Rathaus auf dem Plan. Die Ansprechpartnerin ist per E-Mail an christin.habermann@schneverdingen.de zu erreichen.

„Wunschgroßeltern“ heißt das Projekt, das Christa Krüger, Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses, präsentierte. Hier werden Seniorinnen und Senioren gesucht, die sich sozusagen als Ersatz-Oma oder -Opa zum Beispiel einmal pro Woche nachmittags um Kinder kümmern, mit ihnen spielen oder etwas mit ihnen unternehmen. Dabei gehe es unter anderem auch um Organisatorisches, aber auch um die Frage, „wie man die Familien und Senioren zusammenbringt, die zueinander passen“, so Krüger. Das erste Treffen stand bereits am vergangenen Montag auf dem Programm. Wer Kontakt zu dieser Projektgruppe aufnehmen möchte, kann sich per E-Mail an info@mgh-schneverdingen.de bei Christa Krüger melden.

Ein „Reparatur-Café“ möchte die Gruppe „Anti Rost“, in der sich seit fünf Jahren Rentnerinnen und Rentner ehrenamtlich engagieren, etablieren. „Unsere Senioren haben in den vergangenen Jahren mehr als 600 Aufträge erledigt - und wir wissen, dass das sehr gut ankommt“, berichtete Christa Jantzen von „Anti Rost“. Das „Reparatur-Café“ könnte beim MGH oder in der FZB angesiedelt werden. „Wir suchen Leute, die ein kaputtes Fahrrad, eine defekte Nähmschine oder kaputte Kaffeemaschine reparieren können“, so Jantzen. Die Gruppe trifft sich am 13. Oktober um 18 Uhr im Mehrgenerationenhaus und ist per E-mail an info@mgh-schneverdingen zu erreichen.

„Gemeinschaftsgärten“ heißt das Projekt, das Anne Mader vorstellte. Es geht um Flächen in der Stadt, die von Gemeinschaften angelegt, gepflegt und beerntet werden. Dabei seien viele Fragen zu klären: Wo gibt es potentielle Flächen? Welche Ziele sollen erreicht werden? Welche Kosten entstehen? Was für Nutzungsvereinbarungen sind zu treffen? Die Gruppe hat sich gestern im „FreiRaum“ in der Rathauspassage getroffen und ist per E-Mail an christin.habermann@schneverdingen.de zu erreichen.

Nach der großen Resonanz auf die Aktion „Schneverdingen räumt auf“ im März dieses Jahres soll das „Großreinemachen“ in der Heideblütenstadt fortgesetzt werden. Ins Leben gerufen von „Kommune Inklusiv“, dem Stadtjugendring, den Landfrauen und weiteren Beteiligten engagierten sich zahlreiche freiwillige Helferinnen und Helfer beim Müllsammeln, wobei das Ganze coronabedingt in begrenztem Rahmen hatte vonstatten gehen müssen. Es sei, so Ulrike Schloo, ein „tolles Gemeinschaftsgefühl“ zu spüren gewesen. „Wir wollen die Aktion im kommenden Jahr wiederholen und langfristig etablieren. Charmant war, dass auch die Ortschaften mitgemacht haben“, so Schloo. Denkbar sei, beim nächsten Mal auch die Kitas und Schulen mit einzubeziehen. Kontakt kann per E-Mail unter christin.habermann@schneverdingen.de aufgenommen werden.

Dem Gemeinschaftsgefühl in der Heideblütenstadt zuträglich war laut Silvia Ehrke von der Freiwilligenagentur auch die erstmalige Teilnahme an der Klimaschutz-Kampagne „Stadtradeln“. Im Wettbewerb mit anderen Kommunen seien die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Schneverdingen insgesamt 173.000 Kilometer geradelt und hätten so rund 25 Tonnen CO2 eingespart. „Damit waren wir im Landkreis weit oben“, betonte Ehrke. Gut angekommen seien auch die flankierenden Aktionen wie die Radtour der MS-Selbsthilfegruppe oder die „Tour de Flur“ der Heidjer Landjugend. Nun gehe es darum, die Planungen für das kommende Jahr in Angriff zu nehmen. Wer sich in dieser Gruppe engagieren möchte, kann sich per E-Mail an silvia.ehrke@freiwilligenagentur-schneverdingen.de melden.

Anregungen aus dem Publikum gab es kurz vor Schluss der Veranstaltung. Ulli Zielaßek aus Wintermoor warb um Mitarbeit in der Arbeitsgruppe „Heide-Blütenstadt“. Diese setzt sich unter anderem durch das Pflanzen von heimischen Wildblumen und insektenfreundlichen Kulturpflanzen für mehr Biodiversität ein. Philipp Schäfer regte an, etwas für die stetig wachsende Zahl der Pilger, Wanderer und Radfahrer zu tun. Vorstellbar sei ein „Info-Point“ für Pilger, der zum Beispiel mit einer „Aufpump-Station“ für Fahrräder kombiniert werden könnte. Bürgermeisterin Moog-Steffens lud ihn dazu ein, sich mit seinen Ideen in der Arbeitsgruppe „Tourismus“ einzubringen.

Nun geht die Arbeit in den verschiedenen Gruppen weiter. Die Schneverdingerinnen und Schneverdinger dürfen gespannt sein, welche Projekte zuerst die immer länger werdende Liste realisierter Vorhaben ergänzen werden.

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