„Das ist ein großer Erfolg“

Infekt-Sprechstunde erweist sich als gelungenes Angebot

„Das ist ein großer Erfolg“

Mehrere Arztpraxen - drei in Schneverdingen und eine in Neuenkirchen - haben sich vor mehr als einem Monat zu einer Zusammenarbeit entschlossen. Die für hiesige Gefilde ungewöhnliche Idee dahinter: Die Praxen bieten im Wechsel eine spezielle Infekt-­Sprechstunde an. Und das mit großem Erfolg, wie eine erste Bilanz zeigt. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie kommt ein solches Angebot bei den Patientinnen und Patienten offenbar gut an.

Mit im Boot sind in Schneverdingen die Gemeinschaftspraxis Dr. Carlo Huss und Dr. Jürgen Mix, die Praxis Dr. Wulf W. Wöhler und die Gemeinschaftspraxis Dr. Michael und Jasmin Renken sowie in Neuenkirchen die Gemeinschaftspraxis Dr. Heino Feldbrügge und Doreen Kleine Stegemann. Was die Medizinerinnen und Mediziner zu dieser gemeinsamen Aktion bewogen hat, erläutert Dr. Michael Renken: „Ziel der Infekt-Sprechstunde war und ist die möglichst umfassende räumliche Trennung von sogenannten Infekt-Patienten von jenen anderen Patienten ohne Hinweise auf eine Infektionskrankheit.“

Diese Trennung, so Renken weiter, biete mehrere Vorteile: „Für weiterhin dringend behandlungsbedürftige Personen mit anderen Erkrankungen soll das Risiko einer Ansteckung in der Hausarztpraxis so weit wie möglich minimiert und damit der ‚normale‘ Praxisbetrieb aufrechterhalten werden. Auch das medizinische Personal ist besser vor einer Infektion geschützt und Ressourcen, insbesondere knappe Schutzausrüstung, werden geschont.“

Dieses Angebot läuft bereits seit Ende März. Dazu Doreen Kleine Stegemann: „Die Infekt-Sprechstunde gibt es seit dem 30. März. Sie findet wöchentlich im Wechsel in der diensthabenden Praxis statt.“ Angesprochen werden soll damit ein ganz bestimmter Personenkreis, wie Dr. Wulf W. Wöhler noch einmal deutlich macht: „Dieses Angebot richtet sich in unserer Region an alle, die an einem unklaren Infekt erkrankt sind und/oder befürchten, sich mit Covid-19 angesteckt zu haben.“ Und Kleine Stegemann ergänzt: „Deshalb machen wir in der Sprechstunde auch Covid-19-Abstriche. Ziel der Sprechstunde ist es, die Patienten umfassend zu betreuen, so dass keine Weiterleitung etwa an ein Testzentrum erfolgen muss. Weiterhin richtet sich das Angebot aber auch an Patienten mit bestätigter Corona-Infektion. Und im Zuge der Sprechstunde wird auch die Betreuung von Hausbesuchspatienten und Pflegeheimbewohnern mit entsprechenden Infekten übernommen.“

Das Spektrum ist also recht groß.Wer die Infekt-Sprechstunde nutzen möchte, sollte dort allerdings nicht unvermittelt auftauchen. Darauf weist Renken hin: „Die Nutzung der Infekt-Sprechstunde setzt die Anmeldung durch den eigenen Hausarzt voraus. In der Regel melden sich ja Patienten mit Infekten nach Kontakt zu einer Person mit bestätigter Corona-Infektion oder mit dem Wunsch nach einem Abstrich vor dem Besuch der Hausarztpraxis telefonisch bei ihrem Hausarzt. Dieser bespricht mit dem Patienten individuell das weitere Vorgehen und meldet ihn dann gegebenenfalls mit einer Fax-Überweisung unter Angabe der Telefonnummer des Patienten bei der diensthabenden Praxis zur Infekt-Sprechstunde an. Die diensthabende Praxis wiederum kontaktiert den Patienten dann telefonisch und bestellt ihn punktgenau zu einem Untersuchungstermin ein. Der Patient muss sich also nur telefonisch bei seinem Hausarzt melden, dass weitere Prozedere läuft anschließend im Hintergrund ab.“

Über mangelnde Resonanz können sich die beteiligten Medizinerinnen und Mediziner bisher keineswegs beklagen: „Die Infekt-Sprechstunde wird insgesamt sehr gut angenommen. Es werden auch nicht nur Patienten aus den vier beteiligten Praxen vorstellig, sondern auch Patienten von anderen Ärzten zur medizinischen Untersuchung oder zum Abstrich zugewiesen. In unserer ‚Dienstwoche‘ haben wir insgesamt 58 Personen untersucht und behandelt. Bei einem Großteil der Patienten wurde dabei gleich ein Corona-Abstrich vorgenommen“, bilanziert Renken.

Auch Dr. Carlo Huss unterstreicht dies: „Ja, wir finden in der Tat, dass die Infekt-Sprechstunde eine ‚Erfolgsgeschichte‘ ist. Es ist uns gelungen, Patienten, bei denen man eine Covid-19-Erkrankung nicht ausschließen kann, von denen zu trennen, die aus anderen Gründen in die Praxis kommen.“

Und weiter: „Das bedeutet in allererster Linie Sicherheit. Sicherheit für die Patienten, die ohne Infekt in die Praxis kommen, da sie wissen, dass Infekt-Patienten nicht zusammen mit ihnen im Wartezimmer sitzen oder ihnen auf dem Praxisflur entgegenkommen. Sicherheit für uns Ärzte, da wir die Patienten mit möglicher Infektion dann tatsächlich mit vollem Schutz untersuchen und behandeln können. Im Praxisalltag würde man sonst wahrscheinlich nicht für jeden Patienten mit Husten einen Schutzanzug anziehen. Sicherheit aber auch für die Patienten mit Infekten, die schnell Klarheit über die Art ihrer Infektion erhalten. Zumeist ist das Ergebnis des Abstrichs bereits am Folgetag da. Neben der notwendigen Aufmerksamkeit für das Coronavirus haben wir durch die Infekt-Sprechstunde die Möglichkeit, so etwas wie einen gewissen ‚Normalbetrieb‘ in den Praxenwieder anlaufen zu lassen.“

Die Ärztinnen und Ärzten der beteiligten Praxen wissen bisher also nur von positiven Erfahrungen zu berichten. Für sie ist es deshalb vorstellbar, dass ihre Infekt-­Sprech­stunde eine Art Modellcharakter auch für die Kooperation von Arztpraxen in anderen Kommunen haben könnte. So meint denn Wöhler: „Ja, das könnte durchaus sein, denn die Organisation der Infekt-Sprechstunde läuft unkompliziert und zur Zufriedenheit aller Beteiligten.“

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