Neues Alten- und Pflegeheim im Zentrum?

Familie Wesseloh will im „niedrigen zweistelligen Millionenbereich“ in ein neues Alten- und Pflegeheim im Schneverdinger Zentrum investieren

Neues Alten- und Pflegeheim im Zentrum?

Es mag ihn wohl kaum noch jemand hören, den Begriff „Demographischer Wandel“, zu dem mehr als genug gesagt, geschrieben und gesendet worden ist. Doch die Auswirkungen der Überalterung der Gesellschaft werden sich gravierend auf die gesamte Gesellschaft auswirken. Inbesondere der Bereich der Pflege wird vor immense Herausforderungen gestellt. Was passiert zum Beispiel in den Kommunen, in denen nicht ausreichend Pflegeplätze vorhanden sind? In Schneverdingen ist das schon seit langem Thema. Unter anderem hat sich eine aus dem Stadtmarketing hervorgegangene Projektgruppe um Renate Schlumbohm intensiv mit der Materie befasst und sich beharrlich um ein zusätzliches Alten- und Pflegeheim in der Heideblütenstadt eingesetzt (HK berichtete). Ein solches dürfte demnächst tatsächlich gebaut werden - auf einem Grundstück mitten im Zentrum. Investor ist Familie Wesseloh, die für ihr Bauunternehmen über die Grenzen Schneverdingens hinaus bekannt ist und der das Baugrundstück gehört.

Dieses rund 5.700 Quadratmeter große Areal wird von der Marktstraße, der Feldstraße sowie dem Frido-Witte-Weg eingegrenzt. Geplant ist, das sich darauf befindenende Wohngebäude abzureißen und einen großen Neubau zu errichten. Über Einzelheiten informierten Peter Wesseloh und seine Tochter Susann Wesseloh am vergangenen Donnerstag gemeinsam mit Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens.

Das Gebäude soll über drei Vollgeschosse und ein zusätzliches Staffelgeschoss verfügen sowie eine Vollunterkellerung mit Tiefgarage erhalten. Insgesamt sollen 83 Pflegeplätze entstehen sowie 15 Tagespflegeplätze und 18 Wohnungen für betreutes Wohnen. Zusätzlich sollen Büroflächen für einen ambulanten Pflegedienst geschaffen werden. Im Erdgeschoss ist zudem eine 311 Quadratmeter große Fläche geplant, die zum Beispiel von Praxen oder anderen Anbietern aus dem Bereich der Gesundheitsversorgung genutzt werden können. „In unserem Unternehmen wird intensiv an der Verwirklichung des Projektes gearbeitet“, unterstrich Peter Wesseloh. „Wir hoffen, dass bis Ende des Jahres die Baugenehmigung vorliegt, so dass wir Anfang des neuen Jahres mit den Baumaßnahmen beginnen können“, fügte Geschäftsführerin Susann Wesseloh hinzu. Mit der Fertigstellung werde in diesem Fall in der zweiten Jahreshälfte 2021 gerechnet. Die Baukosten liegen laut Peter Wesseloh „im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.“

Doch wer soll das neue Alten- und Pflegeheim betreiben? Wie Susann Wesseloh erläuterte, habe es bereits intensive Gespräche gegeben. Derzeit gebe es Verhandlungen mit einer Kooperation der „JB Consulting“ von Jamal Bounoua und des Vereins für Diakonie. Ein Vertrag sei zwar noch nicht unterschrieben, „aber wir sind in fortgeschrittenen Verhandlungen.“ Ein solches Konstrukt hätte, wie ihr Vater betonte, den Vorteil, dass die neue und die vorhandenen Einrichtungen Synergieeffekte nutzen könnten - vom Fuhrpark bis hin zur Küche.

Laut Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens handele es sich „um ein sehr rundes Konzept.“ Was den Bedarf angehe, so habe sich die Verwaltung intensiv mit den Zahlen auseinandergesetzt. Die Zahl der über 65jährigen sei in der Heideblütenstadt im Vergleich zu anderen Kommunen besonders hoch und werde weiter ansteigen. Auf der anderen Seite habe Schneverdingen aber die geringste Pflegeplatzquote aller Kommunen im Heidekreis. Auch der Landkreis Heidekreis habe deutlich gemacht, dass es in Schneverdingen durchaus Bedarf an einer weiteren Alten- und Pflegeeinrichtung gebe. „Wir müssen was tun“, so die Bürgermeisterin. Vor etwa einem Jahr habe es eine Markterkundung gegeben. Dabei habe sich gezeigt, dass es mehrere Verbände oder private Einrichtungen gebe, die Interesse hätten, ein derartiges Projekt umsetzen. „Dabei haben alle Interessenten deutlich gemacht, dass ein neues Alten- und Pflegeheim im Bereich des Stadtkerns - und nicht außerhalb - entstehen müsste.“ Bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück sei schließlich das Areal der Familie Wesseloh in den Fokus geraten.

Für dieses ist ein neuer Bebauungsplan erforderlich. „Es wird in Abstimmung mit dem Landkreis ein vereinfachtes Verfahren - und wir wollen deshalb versuchen, dass noch in diesem Jahr der Satzungsbeschluss gefasst werden kann“, erklärte die Bürgermeisterin. Läuft alles nach Plan, dann wird der Stadtrat in seiner Sitzung Ende November über den Bebaungsplan abstimmen.

Es wird also ein gutes Tempo vorgelegt. Apropos Tempo: Moog-Steffens lobte noch einmal ausdrücklich das Engagement der Projektgruppe um Renate Schlumbohm, die sich intensiv dafür stark gemacht habe, ein zusätzliches Alten- und Pflegeheim in Schneverdingen zu etablieren. Die Bürgermeisterin: „Wenn sich diese Gruppe nicht so intensiv gekümmert hätte und stetig an die Politik und Verwaltung herangetreten wäre, dann wären wir sicherlich noch nicht soweit.“

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