Pin-up-Girl, heiße Öfen, ein Schwergewicht und Plüschwürfel | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Oldtimertreffen in Schneverdingen ein Publikumsmagnet

Pin-up-Girl, heiße Öfen, ein Schwergewicht und Plüschwürfel

„Ich muss kein altes Auto fahren. Ich will!!!“ – das, was am vergangenen Sonntag in zarter grüner Schrift auf der weißen Stoßstange eines betagten VW-Bus-Reisemobils auf dem Schützenplatz in der Heideblütenstadt zu lesen war, hätte das Motto des großen Oldtimertreffens in Schneverdingen sein können, zu dem die örtliche Interessengemeinschaft (IG) Oldtimer Schneverdingen erstmals in Zusammenarbeit mit dem lokalen Schützenverein eingeladen hatte.

Bereits um 10 Uhr zu Beginn der Veranstaltung standen etliche Schönheiten in Reih und Glied geparkt auf dem Schützenplatz sowie drumherum und funkelten mit ihren auf Hochglanz gewienerten Chromteilen in der Sonne um die Wette – ein Augenschmaus. Doch auch in Sachen Akustik wurde etwas geboten, trudelten doch in bester Henry-Ford-Manier am laufenden Band Nachzügler mit blubbernden, knatternden und röhrenden Motoren ein, um in Konkurrenz zu den anderen Exponaten die Blicke auf sich zu ziehen. Anders als in der Haute Couture waren die Farben der Blechkleider nicht auf die kommende Saison ausgerichtet, sondern glänzten mit zeitlosem Chic. Vom knalligen Orange mit schwarzem Karomuster bis hin zu stilvollem Hellblau, glitzerndem Gold, dezentem Creme bis hin zum Löschfahrzeug-Oldtimer aus den USA in Feuerrot war alles dabei.

Bei so manchem Oldie war der Lack ab, da wurden die „Altersflecken“ mit Stolz auf die Vergangenheit präsentiert. „Ratten-Autos“ nennt man solche Fahrzeuge in der Schrauber-Szene. Hier geht es um die Schönheit im Hässlichen, denn wer rostet, der rastet nicht. Wer durch die Fahrzeugreihen auf den verschiedenen Ausstellungsflächen schlenderte, wurde auch für das genaue Hinschauen belohnt: Vom klassischen Pin-up-Girl am Kühlergrill eines knallig-gelben Opels bis hin zu den Plüschwürfeln am Innenspiegel eines US-amerikanischen Cabrios waren viele Details zu entdecken. Da lag dann auch schon mal eine Reihe „Bravo Hits“-CDs neben einem Matchbox-Auto in Originalverpackung hinter der Windschutzscheibe. „Das waren noch Zeiten“, war immer wieder mal zu hören.

Auch Schwergewichte machten auf sich aufmerksam: An der Front eines ausgemusterten Militärfahrzeuges thronte ein 64 Kilogramm schwerer Amboss, der in Kombination mit einer massiven Eisenkette deutlich machte, dass man als Fahrzeughalter eines Oldtimers das Eisen schmieden muss, solange es noch heiß ist und das fahrbarer Untersatz und Lenker untrennbar miteinander verbunden sind.

Das Publikum war begeistert, überall wurde gefilmt, geknipst, gefachsimpelt. Der bärtige Harley-Davidson-Fahrer, Typ Türsteher, klönte freundlich mit dem Familienvater, Sohn an der Hand, Tochter auf den Schultern. Die „Amerikaner“ in ihren stilechten Outfits posierten vor ihren „Ami-Schlitten“ bereitwillig für Erinnerungsfotos.

Benzingespräche gab es aller Orten. Oldtimerfreunde, die alte Traktoren am Leben halten, zeigten Arbeitsgeräte mit verschiedenen Pferdestärken von anno dazumal, die angesichts ihres „Pflegegrades“ aussahen, als wären sie direkt aus dem Werk nach Schneverdingen gerollt. Hanomag, Kramer, Deutz, Fendt – klangvolle Namen versprachen in puncto Bewunderung eine tolle Ernte. Jede Menge Schmuckstücke waren auch bei den Zweiradfahrern zu bestaunen. Von der italienischen Maschine mit „Stradale“-Aufschrift im Polizia-Design bis hin zum schmächtigen Motorrad aus den 1930-er Jahren. Egal an welcher Ecke: Der Zusammenhalt innerhalb der Szene war nicht zu übersehen.

Apropos: Gerhard Hinrichs von der IG Oldtimer Schneverdingen zeigte sich rundum begeistert von der Kooperation mit dem Schützenverein Schneverdingen. Die Mitglieder des im Jahr 1848 gegründeten Vereins gehören nicht nur selbst einem „Oldtimer“ an, sondern legen sich stets auch mächtig ins Zeug, was ehrenamtliche Aktivitäten angeht. „Mitglieder unserer Interessengemeinschaft treten bei den Schützen ein und andersherum. Das ist schon richtig was zusammengewachsen“, freute sich Hinrichs bei der Veranstaltung in einer kurzen Verschnaufpause. Während des Oldtimertreffens rauschte er auf einem motorisierten Roller über das Veranstaltungsgelände und tauschte sich im Minutentakt mit den vielen Helferinnen und Helfern, zu erkennen an ihren Warnwesten mit dem Logo der IG, aus.

Zuletzt war die Veranstaltung im Camp Reinsehlen über die Bühne gegangen, doch wegen des Schutzes der Magerrasenflächen und der entsprechenden Auflagen war das Thema Parken vor den Toren Schneverdings zum Problem geworden. „Wir haben reagiert und sind nun in die Stadt zurückgekehrt“, so Hinrichs: „Und wir freuen uns sehr, dass das hier so gut angenommen wird.“

Ein Video von der Veranstaltung gibt es auf unserer Facebookseite unter dem folgenden Link: https://www.facebook.com/reel/2077126896211653