„Er läuft und läuft und läuft“ – der legendäre Slogan aus der Werbung für den VW Käfer aus den 1960er-Jahren sollte seinerzeit die außergewöhnliche Zuverlässigkeit und Langlebigkeit des Autos hervorheben. Rund sechseinhalb Jahrzehnte später lässt sich diese Botschaft auch auf einen anderen Wagen für das Volk beziehen: den Bürgerbus Schneverdingen. Seit mehr als elf Jahren verbindet das Angebot des örtlichen Bürgerbusvereins die Kernstadt mit den umliegenden Ortschaften, um den öffentlichen Personennahverkehr zu ergänzen. Die Ehrenamtlichen sorgen mit viel Elan und großem Engagement in ihrer Freizeit dafür, dass insbesondere ältere Menschen, die nicht mobil sind, zu ihrer Arztpraxis gelangen, einkaufen können oder die Möglichkeit erhalten, Angehörige zu besuchen. Aber auch die jüngere Generation nutzt den günstigen „Transportservice“. Das zeigte sich am 15. Oktober an der Haltestelle Am Brink just in dem Moment, in dem der Verein einen besonderen Meilenstein feiern konnte: den 75.000. Fahrgast.
Linus Gavels aus Bleckede und seine Freundin Charlotte Lange staunten nicht schlecht, dass an der Haltestelle ein Empfangskomitee auf sie wartete. Aus dem Halt wurde sogleich ein Erhalt, denn Andreas Kurock vom Bürgerbusverein und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter sowie der designierte Bürgermeister Johannes Bosselmann überreichten dem überraschten Paar einen mit regionalen Spezialitäten gefüllten Präsentkorb – Proviant, den die Passagiere erfreut als Wegzehrung entgegennahmen. Der junge Mann war mit seiner Freundin aus Bleckede angereist, um die Heideblütenstadt zu erkunden. Ein gutes Beispiel, dass das Mobilitätsangebot des Vereins auch in Sachen Tourismus ein Pfund ist, mit dem man in Schneverdingen wuchern kann.
Kurock machte vor Ort deutlich, dass es kein Hexenwerk sei, den 75.000. Fahrgast zu ermitteln, denn: „Die Fahrer dokumentieren jede Fahrt und jeden Fahrgast.“ Im Durchschnitt registriere der Verein rund 30 Passagiere am Tag. Und das zeige, dass sich das Angebot der Ehrenamtlichen im Alltag etabliert habe.
Seit der Gründung des Vereins im September 2013 wirken die Mitglieder mit großem Antrieb. Richtig ins Rollen kam das Ganze mit der ersten Fahrt im März 2015. Seither laufen und laufen und laufen die Busse. Laut Kurock fahren sie auf den Linien täglich rund 370 Kilometer – an etwa 245 Tagen per annum, jeweils montags bis freitags. „Hochgerechnet auf die gesamte Betriebszeit entspricht das einer Strecke von sieben bis acht Erdumrundungen“, betont Kurock. Von Rückschlägen und Pannen ließ sich die Mannschaft nie ausbremsen, fand im Zusammenspiel mit anderen Vereinen und Institutionen stets einen Weg. So übernehme der Heidekreis zum Beispiel mittlerweile die Dieselkosten der Bürgerbusse, berichtet das Vorstandsmitglied. Ein Erfolg, der gemeinsam mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Kommunen, in denen Bürgerbusvereine aktiv seien, gelungen sei. Insbesondere wegen der Preisentwicklung in Sachen Kraftstoff sorge diese Regelung für die notwendige Entlastung.
Für Sorgenfalten sorgte in den Bürgerbusvereinen früher die Frage, wie der Fahrbetrieb aufrechterhalten werden soll, wenn ein Fahrzeug wegen technischer Probleme ausfällt. Doch auch hier habe sich, so Kurock, eine Lösung gefunden. Seit dem vergangenen Jahr stehe den beteiligten fünf Vereinen im Landkreis der sogenannte Poolbus zur Verfügung. Sollte ein Verein wegen eines Ausfalls und erforderlicher Reparaturen ins Schwimmen geraten, dann könne er auf dieses Ersatzfahrzeug zurückgreifen. Einzelheiten zur Kostenerstattung und Organisation müssten allerdings noch abschließend geregelt werden.
Was mögliche Fahrzeugausfälle angeht, so können plötzlich entstehende Lücken nun also recht unkompliziert geschlossen werden. Schwieriger ist das bei denen, die das Ganze am Laufen halten, den Fahrerinnen und Fahrern. Bei einem durchgetakteten Projekt dieser Art können erfahrungsgemäß nur diejenigen am Steuer sitzen, die das Arbeitsleben schon hinter sich haben. Und das sind nicht mehr die Jüngsten. Manche Teammitglieder müssen schweren Herzens aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden. Verstärkung ist beim Bürgerbusverein daher stets gern gesehen, Männer wie Frauen. Wer mit an Bord kommen möchte, muss mindestens über einen gültigen Führerschein der Klasse B verfügen. Erforderlich ist zudem eine Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung. Diese kann man auch mit Unterstützung des Vereins erwerben. Kurock hofft, dass sich weitere „Steuerleute“ finden, seien sie doch das A und O für den Betrieb. „Insbesondere für die umliegenden Ortschaften ist der Bürgerbus das einzige öffentliche Verkehrsmittel neben der Schülerbeförderung“, unterstreicht er. Wer mitmacht, wird quasi „Familienmitglied“, denn den Verein zeichnen neben dem ehrenamtlichen Engagement zum Wohle der Allgemeinheit auch Zusammenhalt und gesellige Aktivitäten aus.
Umfangreiche Infos über den Verein und die Kontaktdaten finden Interessierte im Internet unter https://buergerbus-schneverdingen.de.