Rat gibt seinen Segen

Alte Schlachterei: Mehrheit für Kulturzentrum / Seniorenzentrum: B-Plan beschlossen

Rat gibt seinen Segen

Was sich im Vorfeld bereits in Kultur- und Sozialausschuss deutlich abgezeichnet hatte, hat sich dann auch bei der Abstimmung in der jüngsten Schneverdinger Ratssitzung am vergangenen Mittwoch bestätigt: Mit großer Mehrheit bei vier Gegenstimmen und einer Enthaltung sprachen sich die Stadtväter und -mütter für die künftige Entwicklung der Alten Schlachterei, am Markt 2, zu einem Kulturzentrum gemeinsam mit dem Kulturverein aus. Somit wird das vom Verein vorgelegte Konzept weiterverfolgt.

Laut Beschluss wird die Verwaltung beauftragt, mit dem Kulturverein das Konzept im Detail auszuarbeiten. Dazu gehört ein städtischer Zuschuss von 1.432.000 Euro zu den investiven Kosten. Die bisherige Förderung des Kulturvereins durch die Stadt von jährlich 32.000 Euro bleibt in dieser Höhe erhalten. Weitere Kosten und damit verbundene Risiken trägt der Kulturverein. Auch private Investoren könnten in das Projekt einsteigen, müßten sich dann aber dem vereinbarten Konzept unterordnen. Das Kulturzentrum soll auch von anderen Vereinen genutzt werden können.

Rolf Weinreich betonte in seiner Stellungnahme für die Gruppe SPD/Grüne: „Wir sagen ja.“ Der SPD-Fraktionschef ließ eine Liste von Vorteilen, die das Projekt biete, Revue passieren und meinte, das Vorhaben ließe sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Haushalt einplanen, ohne eine Gegenfinanzierung aufbringen zu müssen. Sein Fazit: „Wir trauen dem Kulturverein das zu und wollen, dass aufgrund der Beschlussvorlage, die auch als Arbeitspapier dienen soll, nun gemeinsam das Projekt vorangetrieben wird. Die Planungen, Gespräche können beginnen, und dann schauen wir mal, wie es weitergeht.“

Dass der Kulturverein, der dieses Zentrum realisieren möchte, über viele engagierte Mitglieder verfügt und in seinen hochklassigen Angeboten weit über Schneverdingen hinauswirkt, darüber waren sich die Ratsmitglieder einig - auch jene, die am Ende gegen den Verwaltungsvorschlag votierten. So betonte Fritz-Ulrich Kasch (FDP), die Gruppe LSW lehne diesen Vorschlag: „Das geht aber nicht gegen den Kulturverein“, der eine tolle Einrichtung sei. Vielmehr halte die Gruppe das Projekt für nicht umsetzbar. Hauptgrund aber sei, dass die Gruppe einen eigenen Vorschlag gemacht habe, den Snap-Entwurf, dessen Annahme sie sich gewünscht habe.

Markus Neuefeind (Grüne) unterstrich den belebenden Effekt des Projektes: Schneverdingen müsse Wege finden, um die Stadt für Menschen jedes Alters attraktiv zu gestalten. Ein soziokulturelles Zentrum biete die Möglichkeit, die Innenstadt hier auch auf einer ganz anderen Ebene weiterzuentwickeln.

Für die CDU konstatierte Christian Quoos, die CDU-Fraktion begrüße mehrheitlich das Konzept des Kulturvereins. „Wir trauen dem Kulturverein zu, dass er das Projekt umsetzt. Steuererhöhungen, um den städtischen Zuschuss leisten zu können, würden wir jedoch nicht mittragen. Aber wir glauben, das geht auch ohne.“ Welf-Heinrich Klaer (CDU) verwies noch einmal auf die Versuche der vergangenen zehn Jahre, eine Nutzung für die Alte Schlachterei zu finden, und das frühe Engagement der CDU. Die habe sich schon vor vier Jahren für die Nutzung durch den Kulturverein ausgesprochen. Auch Quoos hatte zuvor darauf hingewiesen. Gleichzeitig würdigte Klaer aber auch den Snap-Vorschlag der LSW-Gruppe, der zwar gestalterisch gut gewesen sei: „Aber wir legen nicht nur Wert auf Gestaltung, sondern auch auf den Inhalt.“

Jürgen Schulz von der Schneverdinger Wählergemeinschaft (SWG) schließlich verwies auf das Jahr 2013, als die SWG dafür geworben habe, die Schneverdingen-Touristik in der Alten Schlachterei unterzubringen.

Jetzt gehen Stadt und Kulturverein also an die gemeinsame detaillierte Erarbeitung eines Konzeptes. Wenn das, finanziell durchgeplant, vorliegt, von der Mitgliederversammlung des Kulturvereins abgesegnet und von der Verwaltung eingehend geprüft worden ist - dann erst wird der Rat endgültig entscheiden.

Auf der Tagesordnung am vergangenen Mittwoch stand allerdings nicht nur die Alte Schlachterei: Wichtiges Thema war darüber hinaus der Bebauungsplan (B-Plan) „Wohn- und Mischgebiet Marktstraße-Feldstraße“, der vom Rat ohne weitere Diskussion einstimmig abgesegnet wurde. Damit gibt es jetzt grünes Licht für den Bau und Betrieb eines Seniorenzentrums auf der privaten Fläche Ecke Marktstraße/Feldstraße - ein Kooperationsprojekt der Firma Wesseloh-Bau, JB Consulting GmbH (Betreiber) und der Diakonischen Altenhilfe Schneverdingen gGmbH. Laut Entwurf sieht das Projekt eine Seniorenresidenz mit 84 Zimmern als Pflegeeinrichtung, 19 Wohnungen für betreutes Wohnen und 15 Plätze für eine Tagespflege sowie 134 Quadratmeter für ambulante Pflege und 311 Quadratmeter für eine angegliederte Praxis vor.

Darüber hinaus verabschiedete der Schneverdinger Rat - wie schon zuvor der Soltauer Rat (HK berichtete) und der Kreistag - eine Resolution zur Heidebahn, die derzeit durch alle hiesigen Räte läuft. Sie richtet sich mit der Forderung an das Land Niedersachsen, einen Masterplan für die Heidebahn mit möglichst zweigleisigem Ausbau zu entwickeln. Hintergrund dafür sind die vielfältigen Probleme - von alter Technik bis zu häufigen Verspätungen -, die auf der Heidebahn zu beklagen sind.

Last but not least gab es dann im Rat noch einen Sitzübergang: Da Tobias Köster (Grüne) seinen Wohnsitz in Schneverdingen aufgegeben hat, hat er damit auch seinen Sitz im Rat verloren. Den übernahm am vergangenen Mittwoch Annegret Mader.

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