„Rollstuhl-Hunde“ mit Lebensfreude

Deutscher Tierschutzpreis: Schneverdinger Stiftung „De Hun’nenhoff“ ausgezeichnet

„Rollstuhl-Hunde“ mit Lebensfreude

„Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit“ - dieses Zitat des deutschen Arztes, Theologen, Musikers und Philosophen Albert Schweitzer ziert die Startseite des Internetauftritts der Schneverdinger Stiftung „De Hun’nenhoff“. Diese betreibt in der Reimerdinger Straße 50 einen Gnadenhof für Tiere, „die ansonsten“, so die Stiftungsgründer, „keine Chancen im Leben hätten.“ Dazu gehören vorrangig Hunde mit körperlichen Beeinträchtigungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Aber auch jeweils zwölf Pferde und Katzen, sieben Schafe, 70 Hühner sowie einige Enten und Gänse zählen zu den umsorgten Hofbewohnern. Die in Reimerdingen aktiven Tierfreunde haben sich auf die Fahnen geschrieben, „Menschen dabei zu helfen, Tieren zu helfen, die in Not sind.“ Das „De Hun’nenhoff“-Team kann sich jetzt über eine besondere Auszeichnung freuen, ist es doch jüngst für seine Arbeit mit dem Deutschen Tierschutzpreis ausgezeichnet worden. Diesen erhielt die Stiftung gemeinsam mit zwei weiteren Vereinen in der diesjährigen Sonderkategorie „Tiere mit Handicap“.

Mit dem Preis ehrt der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit bekannten Tierfutterherstellern sowie weiteren Partnern Projekte, die sich in besonderem Maße für Tiere engagieren. In der diesjährigen Sonderkategorie zeichnete die Jury drei Initiativen aus. Neben dem „Hun’nenhoff“ in Schneverdingen wurden auch die IG Blinde Pferde aus Bad Berleburg, die teilweise oder ganz erblindeten Pferden eine zweite Chance gibt, sowie der Verein Hürdenwellies mit Sitz in Gelsenkirchen, der sich um erkrankte und behinderte Wellensittiche kümmert, ausgezeichnet.

„Die Preisträgerinnen und Preisträger leisten herausragende, vorbildliche Tierschutzarbeit. Es macht jedes Jahr aufs Neue Mut und Hoffnung zu sehen, wie sich Menschen voller Herzblut und mit Verstand für die Tiere einsetzen“, betont Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Und weiter: „Wir hoffen, dass andere sich davon inspiriert fühlen - auch als Einzelner oder mit einem kleinen Team kann man so viel Gutes für unzählige Mitgeschöpfe bewirken.“

Auf dem „Hun’nenhoff“ in der Heideblütenstadt leben derzeit insgesamt rund 90 Hunde, darunter auch 14 „Rollstuhl-Hunde“, denen die Stiftung ein Zuhause zum Wohlfühlen bietet. So zum Beispiel „Amiro“ aus Rumänien, der zuvor ein bedauernswertes „Hundeleben“ hatte, zumal er zwei Jahre querschnittsgelähmt auf der Straße ums Überleben kämpfen musste. Schreckliches hat auch „Mury“ aus Bulgarien erlebt, den Unmenschen dort mit Luftgewehren schwer verletzt und dann auf einer Straße abgelegt hatten. Die Stiftung zeigt auf, dass Tiere mit gravierenden Hinterbeinverletzungen oder Behinderungen nicht zwangsläufig „erlöst“ werden müssen, sondern dank spezieller „Rollstühle“ durchaus flott unterwegs sein und somit Lebensfreude entwickeln können. Ein gutes Beispiel dafür ist auch der querschnittsgelähmte „Pixel“. Seinen Namen hat der kleine Hund, seit 2018 auf dem Gnadenhof, seiner Körpergröße zu verdanken. Als Neuzugang war „Pixel“ seinerzeit noch etwas scheu und schüchtern, dann aber hat er sich bestens eingelebt und ist stets fröhlich, gilt auf dem Hof seitdem als „Everybody‘s Darling“. Bei der Stiftung können Besitzer derart gehandicapter Hunde sowie auch Tierärzte Unterstützung in Sachen Umgang mit diesen Tieren erhalten.

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes würdigt das besondere Engagement der Preisträger in der Sonderkategorie: „Sie sorgen sich um Tiere, die sonst möglicherweise keine Chancen auf ein gutes Leben hätten“, so Schröder. Jeder der drei Vereine erhält 250 Euro aus dem Feuerwehrfonds des Deutschen Tierschutzbundes. Zudem gibt es eine Futterspende der beteiligten Hersteller. Über die Auszeichnung freuen sich alle Stiftungsmitglieder und Unterstützer um die drei Vorstandsmitglieder Dr. Usha Peters, Fachärztin für Humangenetik in Hamburg, Tom Bode, zertifizierter Hundetrainer, sowie Karl-Heinz Bohner, Bankfachwirt und Versicherungsmakler. „Wir sind sehr stolz darauf, den Preis für die Nische ‚Rolli-Hunde‘ bekommen zu haben. Denn so wird das Thema in die Öffentlichkeit gebracht - und das finden wir prima“, erklärt Bode. Er und Peters haben seit jeher ein Herz für Tiere und die Stiftung im März 2018 gegründet. Angefangen hat alles bereits einige Jahre zuvor, nämlich mit sechs Hunden und fünf Katzen in einem kleinen Holzhaus in Rade. Nächste Station war ab 2007 ein Resthof in Hörpel, der aber im Jahr 2016 aus allen Nähten zu platzen drohte. Und so folgte ein weiterer Umzug mit den Schützlingen nach Reimerdingen, wo der Gnadenhof „De Hun’nenhoff“ seitdem beheimatet ist. Er befindet sich auf einem rund fünf Hektar großen Grundstück, auf dem es ein Hundehaus, ein „Rumänenhaus“, ein „Minidorf“, ein Haupthaus, einen Hühnerstall, einen Pferdestall und Ponyboxen gibt. Vor 14 Tagen ist ein weiteres Hundehaus hinzugekommen.

Es kostet natürlich eine Menge Geld, die vielen Tiere zu unterhalten, zu ernähren und medizinisch zu versorgen. Daher ist die Stiftung auf Zwendungen angewiesen und sucht zudem Interessierte, die Patenschaften übernehmen möchten. Weitere Informationen dazu sind auf der Internetseite der Stiftung unter der Adresse http://de-hunnenhoff.com zu finden.

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