Sandra Köbe: „Der Hospizgedanke liegt mir total am Herzen“

Nach zwei Jahren Vakanz hat der Schneverdinger Hospizdienst jetzt wieder eine Koordinatorin

Sandra Köbe: „Der Hospizgedanke liegt mir total am Herzen“

Nach zwei Jahren Vakanz hat der Schneverdinger Hospizdienst jetzt wieder eine Koordinatorin: Am 1. Februar hat Sandra Köbe aus Sprengel die Stelle angetreten. „Der Hospizgedanke liegt mir total am Herzen“, sagt die gelernte Krankenschwester, „ich kann mir nichts Besseres vorstellen.“ Es habe da eine Art Schlüsselmoment gegeben, durch den sie für den Hospizgedanken sensibilisiert wurde: Während der Ausbildung hat Köbe als Siebzehnjährige einen Krebspatienten betreut, mit dem sie sich gut verstanden hat. Nach einem freien Wochenende, während dem sich das Befinden des Patienten sehr verschlechtert hatte, ist der Schwesternschülerin verboten worden, in das Zimmer dieses Patienten zu gehen. „Das war unglaublich“, ist Köbe noch in der Erinnerung nach 30 Jahren entsetzt: „Die Visite ging nicht hinein, der Essenswagen fuhr vorbei. Dieses Abschieben nach dem Motto, da sei sowieso nichts mehr zu machen - das fand ich so schlimm. Da habe ich mir schon damals gesagt: das musst du verändern.“

Inzwischen ist tatsächlich viel passiert. Sterben und Tod sind zwar noch vielfach tabuisiert, rücken aber durch Medien in den Blick und es gibt glücklicherweise immer mehr Palliativstationen, stationäre Hospize und ambulante Dienste - wie den Schneverdinger Hospizdienst, der jetzt von Sandra Köbe koordiniert wird.

Die neue Koordinatorin bringt viel Erfahrung mit. Nach ihrer Ausbildung war Köbe Intensivschwester am Kieler Uniklinikum. Sie hat im Altersheim gearbeitet und sich dort besonders für die Sterbenden Zeit genommen. In dem Zusammenhang kam ihr der Gedanke, in der Kombination von Krankenpflege mit Sozialarbeit noch mehr bewirken zu können: In Lüneburg hat sie Soziale Arbeit studiert und mit dem Diplom abgeschlossen. Nach dem Studium war sie in der Psychiatrie tätig, bevor sie sich dann vor über 13 Jahren ganz dem Hospizgedanken widmete. Berufliche Schwerpunkte waren dabei die Tätigkeit im Hamburger Palliativ-Care-Team und Hospizarbeit im Krankenhaus, der Aufbau des Harburger Hospizes und eine leitende Tätigkeit im Hamburger Hospiz Leuchtfeuer. Im Rotenburger Hospizverein war sie Koordinatorin und hat dann in der Wümmestadt als Projektleiterin ein stationäres Hospiz aufgebaut. Ein sehr bewegtes Leben, das immer um die Hospizidee kreiste, die sich schon in der Jugend in ihr festgesetzt hatte.

„Ich möchte, dass die Sterbenden nicht abgeschoben werden, sondern Teil der Familie bleiben. Jetzt bin ich hier in Schneverdingen und möchte dazu beitragen, dass das so passieren kann - da freue ich mich drauf“, strahlt die frischgebackene Koordinatorin. Natürlich sei Hospizarbeit manchmal auch emotional anstrengend, aber „man zieht so viel Gewinn daraus“, sagt Köbe mit einem herzlichen Lachen. Ja, es ist eine wichtige, schwere und ernste Arbeit, aber wer in Sandra Köbes strahlende Augen blickt, merkt schnell, dass da nichts Sauertöpfisches Platz hat. „Ich versuche immer, etwas Positives zu finden“, lacht die Koordinatorin, „und mitunter ist auch eine Portion Humor gut gegen das Ausbrennen.“ Man habe ja auch in Schneverdingen ein tolles Team, mit dem man sich austauschen könne und es gebe auch Supervision.

Neben den erforderlichen Testaten in Palliativ-Care, Koordination und Führung bringt Köbe die Qualifikation für pädiatrische Palliativ-Care mit - das bedeutet, dass auch schwer erkrankte Kinder und ihre Familien begleitet werden können. Dafür kann Köbe in der Heideblütenstadt auf acht für Kinderhospizarbeit ausgebildete Begleiter zurückgreifen. Jetzt ist die neue Koordinatorin auf die 30 Ehrenamtlichen des Schneverdinger Hospizdienstes gespannt. Alle möchte Köbe kennenlernen, bevor sie sie an die Patienten und Angehörigen vermittelt. Denn Patient und Angehörige sollen so gut wie möglich mit dem Hospizbegleiter zusammenpassen. Zunächst einmal sind es ja Fremde, auf beiden Seiten, aber schon bald entwickelt sich in der Regel ein vertrauensvolles Miteinander und Hilfe kann gut angenommen werden. Glücklich über die neue Koordinatorin zeigt sich die erste Vorsitzende des Vereins „Hospizdienst Schneverdingen“ Erika Hanke. „Ich freue mich sehr, dass wir jetzt eine kompetente Koordinatorin haben, die unsere Belange vertritt. Wir wollen ja auch mit der Kinderhospizarbeit weiterkommen.“

Mit dem Arbeitsbeginn von Sandra Köbe ist jetzt auch das Büro des Schneverdinger Hospizdienstes im Ärztehaus in der Harburger Straße 1 regelmäßig besetzt, dienstags am Nachmittag von 15 bis 17 Uhr und donnerstags am Vormittag von 9 bis 13 Uhr. Außerdem ist der Hospizdienst telefonisch erreichbar unter (05193) 9825877 und 0151-54079775.

Text und Foto: Dorothea Schmidt

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