Scharfes Bild, frische Luft und eine aufgeräumte „Kommandobrücke“

Verein „LichtSpiel“ investiert: Neuer 4K-Projektor, neue Lüftungsanlage

Scharfes Bild, frische Luft und eine aufgeräumte „Kommandobrücke“

Wer Science-Fiction-Serien und -Filme mag, den wird der „Arbeitsplatz“ im Rücken des Saales des Schneverdinger „LichtSpiel“-Kinos ein wenig an die Kommandobrücke des Raumschiffs Enterprise erinnern: Bildschirme, Tastaturen, bunte Leuchten und jede Menge Technik prägen das Bild. Wer hier „Captain“ ist, führt die vor ihm sitzenden „Crewmitglieder“ in die unendlichen Weiten der spannenden Unterhaltung. Allerdings schreiben wir das Jahr 2021: Das Corona-Virus hat die Erdbevölkerung weiter im Griff und beeinträchtigt nach wie vor das Alltagsleben. Die Maßnahmen zur Eindämmung und Bekämpfung der Pandemie haben die Kino- und Filmbranche hart getroffen. Nicht nur die großen Studios und Filmpaläste sind betroffen, auch die „Kleinen“ leiden: „Unser Kino ist nun bereits seit dem 16. März 2020 geschlossen“, bedauert Werner Mader, beim Verein zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Doch im September soll es, wenn es die Corona-Lage dann endlich zulassen sollte, wieder losgehen. Dabei wird dann neue Technik zum Einsatz kommen - ein neuer 4K-Projektor und eine neue Lüftungsanlage.

Im Raumschiff Enterprise ist bekanntlich „Scotty“ der Herrscher über die Technik, der in jedem Abenteuer auch unter größtem Zeitdruck Unmögliches möglich macht. Sein Pendant beim Verein „LichtSpiel“ ist Sven Svensson. Der Koordinator Technik des geschäftsführenden Vorstandes erläutert, was es mit dem neuen Projektor auf sich hat. „Unser vorheriger Christie-Projektor hatte schon seit längerem immer wieder mal Platinendefekte. Eine Reparatur hätte allerdings um die 12.000 Euro gekostet“, erklärt Svensson. Und so entschied sich der Vorstand zu einer Neuanschaffung, die der Verein nicht ohne Stolz am vergangenen Mittwoch der Presse präsentierte. Ab sofort zaubert ein „Sony SRX R510“-Projektor, der über einen eigenen Server und ein 3D-Objektiv verfügt, die Filmbilder auf die Leinwand - und das in höchster Qualität. Laut Svensson hatte der Vorgänger eine Auflösung von 1.920x1.080 Pixel (2K). Mit „dem Neuen“ wird in Sachen Bildqualität noch mal eine Schippe draufgelegt: Nun wird eine Auflösung von 3.840x2.160 Pixel geboten, also 4K-Qualität.

Außerdem kann dank des entsprechenden Objektivs bei Bedarf nun ein noch besseres 3D-Erlebnis geboten werden. „Vorher haben wir ein Shutter-3D-System genutzt. Jetzt haben wir keine Polarisation mit rechts und links abwechselndem Bild mehr, sondern ein vollständiges Bild mit wenig Leuchtkraftverlust“, berichtet der Technik-Koordinator. Und das wiederum vermeide Kopfschmerzen und Schwindel beim Schauen von 3D-Filmen.

Als Technik-Koordinator nennt Svensson, sichtlich mit Begeisterung, weitere Vorteile des neuen Projektors: „Das Gerät hat gekapselte Lampen. Deshalb muss man nun beim Wechseln keine persönliche Schutzausrütung mehr tragen. Und weil bis zu vier Lampen dauerhaft eingebaut werden können, kann die Vorstellung bei Ausfall einer Lampe einfach fortgesetzt werden.“ Damit die Filmvorführerinnen und -führer stets kühlen Kopf bewahren können, verfügt das Gerät über einen eigenen Abluftanschluss, so dass in der „Kommandozentrale“ keine heiße Luft entsteht.

Moderne Technik dieser Art ist natürlich nicht zum Nulltarif zu haben. 60.000 Euro hat der Projektor gekostet. Eine Menge Geld, doch der Verein „LichtSpiel“ muss nur einen überschaubaren Teil der Kosten tragen. „Wir haben Rücklagen gebildet. Außerdem haben wir einen Förderantrag bei der Filmförderungsanstalt Berlin gestellt, die uns für diese Investition einen Zuschuss von 80 Prozent der Kosten gewährt hat. Das hat uns natürlich sehr gefreut“, berichtet Reiner Lehmann, Koordinator Finanzen des Vereins. In diesem Zusammenhang verweist Programmdirektor Wolfgang Voigt auf das Engagement der Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die die Strukturförderung für Arthouse-Kinos und Lichtspielhäuser im ländlichen Raum in diesem Jahr mit höherem Budget fortgesetzt habe: „Ihr war wichtig, dass die kleinen Kinos auf dem Lande gefördert werden, damit sie in der Corona-Krise nicht kaputtgehen.“ Apropos Corona: Das „LichtSpiel“-Team hat die pandemiebedingte Schließung genutzt, um weitere Verbesserungen zu realisieren. So wurde ein NAS-Server für das Film-Archiv und Dateien wie Werbung, alte Trailer und ähnliches angeschafft und aufgebaut. Dateien können nun verschoben werden, ohne externe Festplatten anschließen zu müssen. Außerdem wurde eine Automation mit Tableau installiert. Den ehrenamtlichen Filmvorführerinnen und -führern wird damit erheblich die Arbeit erleichtert, können sie doch zum Beispiel per Knopfdruck den Vorhang öffnen und das Licht steuern. Darüber hinaus ist der Vorführraum auf Vordermann gebracht worden. Die gesamte Technik, die bislang im Podest des Projektors eingebaut war, befindet sich nun übersichtlich in einem Rack. Das wiederum erleichtert die Bedienung ungemein. Last but not least ist die gesamte Kabellage auf den neuesten Stand gebracht worden.

Es weht also frischer im „LichtSpiel“-Kino. Dazu trägt auch die neue Lüftungsanlage mit 100 Prozent Frischluftanteil bei, die ebenfalls eingebaut wurde. Die beiden Lüftungsgeräte in der Decke können heizen und kühlen. „So gibt es im Sommer keine drückende Luft und im Winter gleichbleibende Wärme“, betont Svensson. Und Mader: „Die Frischluftzufuhr sorgt in der Corona-Zeit für eine höhere Sicherheit und war Bedingung, dass wir überhaupt wieder Kino machen können.“ 17.000 Euro hat die „Auffrischung“ gekostet. Auch diese Investition wurde finanziell gefördert, nämlich durch die „Nordmedia“, die 50 Prozent der Kosten übernimmt. Wenn es dann möglich sein wird, soll es ab 4. September ein komplettes Programm mit zwei Abendvorstellungen am Wochenende (samstags und sonntags um 19 Uhr) und Popcornkino für Kinder und Familien (sonntags um 15 Uhr) geben. Zum Auftakt werden die spanische Tragikomödie „Rosas Hochzeit“ und das oscargekrönte Drama „Nomadland“ mit Frances McDormand gezeigt. In Zusammenarbeit mit Schneverdinger Kirchengemeinden ist ab 13. September die Fortsetzung der Reihe „Kirchen + Kino“ geplant. Die Dokumentarfilmreihe und der monatliche Blockbuster des Stadtjugendrings sollen, falls es die Corona-Verordnung zulässt, wieder ab Oktober präsentiert werden.

„Unser Hygienekonzept haben wir mit dem Landkreis über das Schneverdinger Ordnungsamt abgestimmt. Das schreibt unter den Bedingungen mit der neuen Lüftungsanlage einen Abstand von einem Meter vor, so dass zirka 30 Plätze im Kinosaal genutzt werden können“, erklärt Mader: „Stand jetzt sind wir auf der sicheren Seite.“

Wegen der geringen Platzzahl empfiehlt er Kinofreunden allerdings dringend, sich Karten im Vorverkauf zu sichern. Das ist online unter www.lichtspiel-schneverdingen.de möglich, außerdem freitags von 10 bis 12 Uhr an der Kinokasse in der Oststraße 31 sowie jeweils eine Stunde vor Beginn der Vorführung.

Logo