„Schlüsselerlebnis“ bei der Schneverdinger Feuerwehr: Zwei neue Fahrzeuge

Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens übergibt Mannschaftstransportwagen und Hilfeleistungslöschfahrzeug 20

„Schlüsselerlebnis“ bei der Schneverdinger Feuerwehr: Zwei neue Fahrzeuge

„Schlüsselerlebnis“ bei der Schneverdinger Feuerwehr: Gleich zwei neue Fahrzeuge übergab Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens am gestrigen Mittwochabend an die Brandbekämpfer der Heideblütenstadt. Coronabedingt war die symbolische Schlüsselübergabe in der Feuerwache in der Harburger Straße ein Zeremoniell im kleinen Rahmen, aber immerhin gab es eine Präsenzveranstaltung. „Ich hätte auch nicht gewusst, wie ich zwei Fahrzeuge per Videokonferenz hätte übergeben sollen“, scherzte die Bürgermeisterin, bevor sie die Fahrzeugschlüssel für den neuen Mannschaftstransportwagen (MTW) und das ebenfalls nigelnagelneue Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) 20 an Ortsbrandmeister Michael Röbbel weiterreichte. Insgesamt 391.000 Euro hat die Stadt in die beiden Fahrzeuge investiert.

Wegen des Hochwassers im Bertesgardener Land hatten Moog-Steffens und ihr Mann jüngst ihren Urlaub vorzeitig abgebrochen: „Wir haben auf die Warnungen des Landratsamtes gehört“, so die Bürgermeisterin. Die schrecklichen Bilder aus den Katastrophengebieten, insbesondere auch aus Nordhrein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, hätten gerade erst wieder vor Augen geführt, „wie wichtig es ist, dass die Feuerwehr gut ausgebildet und ausgerüstet ist.“ Was die Ausstattung der Ehrenamtlichen in Schneverdingen angehe, so gebe es einen guten Austausch mit den Ortswehren und dem Stadtkommando. „Wie bei jeder Fahrzeugbeschaffung wurden vor den Auftragsvergaben intensive Abstimmungsgespräche zwischen Feuerwehr und Stadtverwaltung geführt“, so Moog-Steffens. In diesem Zusammenhang würdigte sie das Engagement der Ratsmitglieder, die Jahr für Jahr entsprechende Entscheidungen zu treffen hätten, sowie die Arbeit der zuständigen Verwaltungsmitarbeiter. Die Ausschreibungen und Beschaffung der Fahrzeuge sei mit viel Arbeit und Aufwand verbunden „und man muss eine Menge Geduld haben.“

Die Anschaffung der beiden neuen Fahrzeuge war erforderlich geworden, weil zwei „Oldies“ in den Ruhestand geschickt werden mussten. Das Löschgruppenfahrzeug 8 (LF 8) war bereits seit 1990 für die Schneverdinger Ortswehr im Einsatz. Es wurde regelmäßig bei der Grundausbildung in Soltau genutzt und darüber hinaus auch vom Fachzug Atemschutz/Strahlenschutz der Kreisfeuerwehr. „Neben zahlreichen Einsatzfahrten war das LF 8 auch Teil vieler Wettkämpfe“, berichtete Moog-Steffens. Aufs Altenteil wurde neben diesem Fahrzeug auch das Löschgruppenfahrzeug 16 mit Tragkraftspritze, kurz LF 16-TS, geschickt. Dieses wurde bereits im Februar 1985 erstmals zugelassen und gilt nun, mit mehr als 30 Jahren auf dem Buckel, als Oldimer. Beschafft hatte das Löschgruppenfahrzeug seinerzeit der Bund - und zwar für den Katastrophenschutz. Erst im Jahr 2009 wurde es offiziell der Stadt Schneverdingen übergeben. „Durch die große Leistung der Frontbaupumpe war das Fahrzeug nicht nur im Einsatzgeschehen gefragt, sondern wurde auch regelmäßig bei den leuchtenden Fontänen in Soltau eingesetzt“, so die Bürgermeisterin. „Es hat uns bis zuletzt gute Dienste geleistet. Der letzte große Einsatz war der Brand in Lünzenbrockhof bei der Wasserentnahme aus der Veerse“, berichtete Röbbel.

Begeistert stellten der Ortsbrandmeister und die Bürgermeisterin vor, was der Nachfolger aus dem Hause Magirus zu bieten hat. Grundlage für das HLF 20 ist ein Fahrgestell des Typs Eurocargo von Iveco. Der Motor des Fahrzeugs leistet 235 Kilowatt, also stolze 320 Pferdestärken. Mit der Schadstoffklasse 6 verfügt das hochmoderne Fahrzeug über den neuesten Umweltstandard. Das vollausgestattete Kraftpaket ist 8,6 Meter lang, 2,5 Meter breit und 3,3 Meter hoch. Der Aufbau beinhaltet einen 2.000-Liter-Tank für Löschwasser sowie einen 200-Liter-Tank für Schaummittel, das durch einen integrierten Zumischer beigefügt werden kann. Nennleistung der Pumpe: 2.000 Liter pro Minute bei zehn bar. Das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs beträgt 15.000 Kilogramm. An Bord ist alles, was die Feuerwehrleute bei ihren Einsätzen brauchen, unter anderem auch ein neuer Rettungssatz mit Schere, Spreizer und Rettungszylinder. Im HLF 20 gibt es Platz für den Fahrer und acht Feuerwehrleute. Licht ins Dunkel bringt ein pneumatischer Teleskopmast mit modernster LED-Technik, mit dem Unfall- beziehungsweise Gefahrenstellen optimal ausgeleuchtet werden können. Ein großer Vorteil im Vergleich zum Vorgänger ist, dass im Mannschaftsraum nun vier statt zwei Atemschutzgeräte zu finden sind. Somit ist der erforderliche Sicherheitstrupp gleich mit an Bord, was am Einsatzort wertvolle Zeit sparen kann. Weil das HLF 20 dank seiner Ausstattung ein „Fahrzeug für alle Fälle“ ist, wird es, so Röbbel, „bei fast allen Einsätzen das Fahrzeug sein, das zuerst ausrückt.“

Deutlich günstiger als der 329.000 Euro teure „Allrounder“ ist der neue Mannschaftstransportwagen, den die Firma GSF aus Twist auf einem Merceds-Sprinter-Fahrgestell aufgebaut hat. Es hat „nur“ 69.000 Euro gekostet. Der Motor leistet 143 PS und das Fahrzeug hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen. Es stehen sieben Sitzplätze und ein Klapptisch mit Funkmöglichkeit zur Verfügung. „So können wir den MTW bei Bedarf auch für die Atemschutzüberwachung nutzen“, erklärte Röbbel. Außerdem werde der Transporter auch von der Jugendfeuerwehr und für Fahrten zu Lehrgängen genutzt.

„Seit der Auftragsvergabe für das HLF 20 an die Firma Magirus im August des Jahres 2019 bis zur Indienststellung im Juni dieses Jahres ist viel Zeit vergangen“, sagte Moog-Steffens. In den vergangenen Wochen hätten sich die Kameradinnen und Kameraden der Ortswehr bereits mit dem Fahrzeug und seiner Technik vertraut machen können.

Röbbel betonte, dass die Schneverdinger Feuerwehrleute den Bau der Gerätehäuser und die Ausstattung mit modernen Fahrzeugen und entsprechender Ausrüstung sehr zu schätzen wissen. „Das zeigt ihnen, dass ihre Arbeit, die sie ehrenamtlich leisten, positiv bewertet und vom Rat, von der Verwaltung und den Bürgern anerkannt wird.“ Außerdem trage dies dazu bei, dass die Feuerwehr in der Heideblütenstadt keine Nachwuchssorgen habe. Ein großes Lob sprach der Ortsbrandmeister allen Feuerwehrmitgliedern aus, gerade in einer Zeit, in der sich zunehmend Egoismus verbreite „und wir eine ziemliche Ellenbogengesellschaft geworden sind. Deshalb geht mein Dank an alle, die bereit sind, diese wichtigen Aufgaben zu übernehmen. Schließlich gibt es nicht nur öffentlichkeitswirksame Großeinsätze, sondern viele andere Aufgaben - von der Brandwache über das Beseitigen von Ölspuren bis hin zu Türöffnungen. Es gibt eine Fülle von Einsätzen, von denen kaum ein Bürger etwas mitbekommt.“

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