Sicher ist sicher: Fleißige Helfer arbeiten hinter Gittern

„Alte Schlachterei“ eingezäunt: Startschuss für ehrgeiziges Bauprojekt

Sicher ist sicher: Fleißige Helfer arbeiten hinter Gittern

Safety first, Sicherheit zuerst: Eine kleine Gruppe Schneverdinger, darunter ein Polizeibeamter und ein Landtagsabgeordneter, brachte sich jüngst in Schneverdingen selbst hinter Gitter. Anlass war nicht etwa eine Inspektion der Gewahrsamszellen der Ordnungshüter, vielmehr opferten Dr. Karl-Ludwig von Danwitz, Christian Quoos, Dr. Carsten Bargmann, Christian Wildtraut, Benjamin Ziel, Axel Baumung, Wolfgang Schubert, Robin Rudolph und die anderen „üblichen Verdächtigen“ ihre Freizeit, um rund um die „Alte Schlachterei“ im Herzen der Heideblütenstadt einen Bauzaun aufzustellen. „Gesiebte Luft“ atmeten die ehrenamtlichen Helfer also nur beim Aufbau der 3,50 Meter langen und zwei Meter hohen Metallelemente, nachdem sie zuvor schon die schweren Betonklötze in Position gebracht hatten, die der Absperrung den nötigen Halt geben. Die Umsetzung dieser Sicherheitsmaßnahme war quasi der Startschuss für das Projekt Kulturhaus „Alte Schlachterei“ - und der Heide-Kurier war als Zaungast mit von der Partie.

Mit einem vom Traktor gezogenen Anhänger hatte die Gruppe die Elemente aus Metall zur „Alten Schlachterei“ gefahren. Kaum war der „Schwer-Transport“ vor Ort, da wuchteten die fleißigen Helfer die 40 robusten Gitter auch schon mit vereinten Muskelkräften von der Ladefläche, um sie dann in die dazu passenden Mobilzaunfüße zu stellen und mit Schellen miteinander zu verbinden. Die „Schwedischen Gardinen to go“ hat der Kulturverein übrigens gekauft. „Das ist deutlich günstiger, als für die gesamte Bauphase einen Zaun zu mieten“, berichtete Architekt Christian Wildtraut. Laut Vereinsvorsitzendem Dr. Carsten Bargmann sei der Kulturverein guter Hoffnung, die transportable Absperrung nach Abschluss der Baumaßnahme zu guten Konditionen wieder verkaufen zu können. In die „Wiederverwertung“ sollen auch einige erhaltenswerte Elemente gehen, die das marode Gebäude schmücken und als Erinnerung an vergangene Zeiten in den Neubau implementiert werden sollen. Dazu gehören Metallverzierungen, die Steigeisen, die zum Schornstein hochführen, eventuell auch einige Fliesen und das eine oder andere Graffiti. Um Vorarbeiten wie diese, zu denen auch das Entfernen der Holzeinbauten, die Sortierung der Materialien und das Befreien des Gartens von Bewuchs gehören, kümmern sich Mitglieder und Freunde des Kulturvereins. „Die Leute haben Lust darauf“, freut sich Dorothee Schröder, Geschäftsführerin des Kulturvereins, über den Tatendrang der Kulturfreunde. Es gibt viel zu tun, sie packen es an. Schröder freut sich in diesem Zusammenhang auch, dass Schneverdinger Firmen und auch Ehrenamtliche aus der Kirchengemeinde ihre Unterstützung zugesagt haben. „Wir haben einen Pool von rund 50 Leuten, aus dem wir schöpfen können. Zunächst sind bei den Maßnahmen stets um die fünf bis zehn Leute vor Ort“, erklärte Schröder.

Mit gemischten Gefühlen ist Architekt Christian Wildtraut beim „Startschuss“ auf der Baustelle. Er zeichnet für die Planung des Kulturhauses verantwortlich und gehört zu den Impulsgebern, die das Vorhaben vor rund sechs Jahren angeschoben haben. Natürlich überwiegt bei dem Vorstandsmitglied des Kulturvereins die Freude, dass nun endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden. Er weiß aber auch: „Es kommt eine Menge Arbeit auf uns zu.“

Anfang 2016 hatte die längst aufgelöste Bürgerinitiative „BASS“, in der Wildtraut zu den treibenden Kräften zählte, erste Entwürfe für ein Kulturhaus „Alte Schlachterei“, ein soziokulturelles Zentrum in der Schneverdinger Stadtmitte, zu Papier gebracht. Im weiteren Verlauf wurden Vorschläge von anderen Seiten eingereicht, es gab Debatten im Stadtrat, in den Ausschüssen und öffentliche Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung. Letztlich kristallisierte sich ein neues Konzept des Schneverdinger Kulturvereins heraus, das die entscheidenden Punkte der Bürgerbeteiligung berücksichtigte und mit einem durchdachten Betreiber- und Betriebskonzept punktete. Nachdem die Mehrheit des Schneverdinger Stadtrates dafür im Oktober dieses Jahres grünes Licht gegeben hatte, wird nun also eine komplett überarbeitete Version der ursprünglichen Planungen in die Tat umgesetzt. „Mich freut das sehr, weil wir gemeinsam etwas für Schneverdingen erreichen“, so Wildtraut. Dorothee Schröder unterstreicht dies: Das Kulturhaus werde eine Einrichtung für alle Einwohnerinnen und Einwohner. „Und wir sind der Verein, der sich zutraut, es mit Leben zu füllen. Das wird die Innenstadt bereichern.“

Gerade weil es sich um ein Kulturzentrum für alle Bürgerinnen und Bürger handelt, bezuschusst die Stadt das Projekt mit knapp 1,5 Millionen Euro und steuert zusätzlich 60.000 Euro für den Abriss bei. Im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrages behält sie die Hand auf dem Grundstück und dem Gebäude (HK berichtete).

„Die Nettobausumme haben wir, die Baukostensteigerung eingeplant, mit 2,5 Millionen Euro kalkuliert“, erklärte Wildtraut. Einige Änderungen habe es in der Planung gegeben: So sei die Fläche für den Gastronomiebereich, der verpachtet werden solle, vergrößert worden. „Wir haben den Foyerbereich geöffnet, so dass dieser von der Gastronomie mitgenutzt werden kann“, erläuterte der Architekt. Auf diese Weise könne der künftige Betreiber den Betrieb wirtschaftlich führen. Zudem sei eine Teilunterkellerung für Sanitäranlagen, Hausanschlussraum sowie Lagerflächen für Kulturverein und Gastronomiebetrieb eingeplant worden. Damit gebe es im Obergeschoss nun mehr Platz für Gruppenräume und soziokulturelle Veranstaltungen. „Und im Bereich Feuerschutz ist ein zweiter Rettungsgang geschaffen worden und eine Außentreppe hinzugekommen“, so Wildtraut weiter.

Rund 110.000 Euro hat der Kulturverein inzwischen für das Projekt zusammenbekommen, Crowdfunding inklusive. Erhebliche Eigenleistungen sind eingeplant, zudem Fördermittel beantragt. Der Stein ist ins Rollen gekommen, in einem nächsten Schritt wird demnächst des Außenpflaster aufgenommen, das zwischengelagert und wiederverwendet werden soll. Bis Ende Januar sollen die Vorarbeiten abgeschlossen sein, damit die Abrissbagger anrücken können. Ende Februar soll das marode Gebäude aus dem Stadtbild verschwunden sein, um Platz zu machen für einen schmucken Neubau. Dazu Wildtraut: „Unser Ziel ist es, bis Mitte 2023 fertig zu sein. Eine Einweihung im Sommer oder spätestens im Herbst wäre schon schön.“

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