Stabile Seitenlage im Klassenzimmer

In der KGS Schneverdingen absolvieren Realschüler derzeit Erste-Hilfe-Kurse. Gefördert wird das Ganze vom DRK und vom Förderverein der Schule.

Stabile Seitenlage im Klassenzimmer

„Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir“, schrieb einst Seneca an seinen „Schüler“ Lucilius. Auf den ganz besonderen „Unterricht“, der am vergangenen Mittwoch in der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Schneverdingen auf dem Stundenplan stand, trifft dieses berühmte Zitat, das insbesondere Lateinschüler gut kennen dürften, nicht zu. Ganz im Gegenteil, umgekehrt wird ein Schuh daraus: Das, was die rund 40 Realschülerinnen und -schüler des zehnten Jahrgangs unter fachkundiger Anleitung in zwei Klassenräumen „paukten“, können sie nicht nur im Alltag gebrauchen, es kann im Falle eines Falles sogar lebensrettend sein. Die Jugendlichen absolvieren derzeit im Rahmen ihres Profilkurses „Gesundheit und Soziales“ einen zweiteiligen Erste-Hilfe-Kurs.

Zum Unterricht der besonderen Art begrüßten die beiden zuständigen Lehrerinnen Sibylle Singer und Simona Korn zwei Männer vom Fach, die mit einer Vielzahl von Utensilien im Gepäck vor der Schule vorgefahren waren. Jörg Stenzel, Bildungskoordinator des Soltauer Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), sowie sein Kollege Jens Ruhnke hatten unter anderem Rettungsdecken, Übungspuppen zum Trainieren von Reanimationstechniken und Kisten voller Verbandskästen an Bord. Daher lautete die erste Aufgabe: „Helfen beim Ausladen!“ Nachdem die Schüler das gesamte Material in die beiden Klassenräume im Obergeschoß getragen hatten, wurden sie in zwei Gruppen eingeteilt. Und schon ging es ans Eingemachte. Unter dem Motto „Richtig helfen können - ein gutes Gefühl!“ lernten die Jugendlichen, was im Notfall zu tun ist. Ein kleiner Teil der Schüler hatte den Lehrgang bereits absolviert, aber Unterrichtszeit ist nun mal Unterrichtszeit und eine Auffrischung der Kenntnisse kann sicherlich auch nicht schaden.

Konzentriert lauschten die Jugendlichen den Ausführungen der beiden Rettungsdienstler. Schließlich ist der „Unterrichtsstoff“ äußerst vielfältig. So geht es im Kurs unter anderem um das Helfen bei Unfällen sowie um Wundversorgung. Auch der Umgang mit Gelenkverletzungen sowie Knochenbrüchen, Verbrennungen, Verätzungen und Vergiftungen ist Kursinhalt, ebenso werden lebensrettende Sofortmaßnahmen wie stabile Seitenlage und Wiederbelebung in Theorie und Praxis erläutert. „Der Kurs paßt genau in das Kernkurrikulum und vermittelt den Schülerinnen und Schülern grundlegende Kenntnisse in der Erstversorgung bei Unfällen größerer und kleinerer Art sowie die Anwendung von lebensrettenden Sofortmaßnahmen“, so Sibylle Singer, zuständig für das Profil „Gesundheit und Soziales“ an der KGS: „Die Durchführung dieses Kurses im vergangenen Schuljahr im Jahrgang zehn hat sich sehr bewährt.“ Aus Sicht der Schüler lohnt sich die Teilnahme in zweifacher Hinsicht. Sie erhalten nicht nur das Rüstzeug, um im Bedarfsfall Erste Hilfe leisten zu können, sondern haben auch die Möglichkeit, die Kursbescheinigung zu nutzen, wenn sie ihren Führerschein machen wollen. Guter Rat muß bekanntlich nicht teuer sein - und das gilt auch für die Kursgebühr, die vom DRK erhoben wird. Für die Schülerinnen und Schüler der KGS ist die Teilnahme sogar noch günstiger als für Otto Normalverbraucher. Fünf Euro je Jugendlichem trägt das DRK, weitere fünf Euro je Schüler steuert der Förderverein der KGS bei. Dessen Vorsitzender Wolfgang Winter, früherer Schulleiter der Kooperativen Gesamtschule, ließ es sich am vergangenen Mittwoch nicht nehmen, persönlich vorbeizuschauen. „Wir gewähren einen Zuschuß, damit es für die Schüler günstiger wird“, erläuterte Winter. Der Förderverein der Schule hat derzeit rund 720 Mitglieder und unterstützt eine Vielzahl von Projekten an der KGS. „Im Prinzip fördern wir jeden Fachbereich“, erläuterte Winter. So habe der Verein im vergangenen Jahr zum Beispiel Mikroskope für den Fachbereich Biologie beschafft, ebenso spanische Literatur für den Spanischunterricht. Mit erheblichen finanziellen Mitteln habe der Verein auch den Bläser-Wahlpflichtkurs an der Schule gefördert, nämlich mit bislang rund 8.000 Euro. Das Geld habe unter anderem zur Anschaffung von Instrumenten gedient. „Das ist eine schöne Sache, die uns wichtig ist“, unterstrich der frühere Schulleiter. Auch die Anschaffung des Methodenplaners für die Schüler der Mittelstufe und des Hausaufgabenplaners für die Jahrgänge fünf und sechs werde vom Förderverein bezuschußt.

Apropos Plan: Die Schüler, die derzeit Erste-Hilfe-Maßnahmen lernen, werden am kommenden Mittwoch den zweiten Teil des insgesamt achtstündigen Kurses absolvieren und dabei sicherlich erneut etwas für das Leben lernen.

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