Stadt geht probeweise neue Wege

Schafe weiden auf diversen Flächen in Schneverdingen

Stadt geht probeweise neue Wege

In diesen Wochen weiden Schafe auf städtischen Streuobstwiesen in Schneverdingen, auf der Grünfläche um das Regenrückhaltebecken am Großenweder Weg sowie im Hochzeitswald am Gustav-Bosselmann-Ring. Mit der Beweidung geht die Stadt Schneverdingen zunächst probeweise neue Wege in der Unterhaltung ihrer extensiv zu pflegenden Flächen. Für diese Maßnahme konnte eine private Schäferin mit ihren Schafen der Rassen Coburger Fuchs und Herdwick gewonnen werden.

„Extensive Pflege bedeutet an sich, dass diese Flächen in der Regel lediglich ein- bis zweimal pro Jahr gemäht werden und das Mahdgut von den Flächen beseitigt wird. Mit den Mähgeraten des städtischen Bauhofs ist eine Aufnahme des Mahdguts zumindest auf baumbestandenen Flächen wie diesen allerdings nicht möglich. Stattdessen werden die Pflanzenteile während des Mähvorgangs maschinell zerkleinert und gelangen unmittelbar wieder auf die gemähte Fläche. Derartige Mulchmäher sind aus Gründen der Wirtschaftlichkeit Standard unter anderem auf kommunalen Bauhöfen“, berichtet Barbara Kreie von der Stadtverwaltung. Aus naturschutzfachlicher Sicht sei diese Art der Flächenpflege problematisch. Zum einen verfügten die Geräte über Schlegelmähwerke, die in Verbindung mit der angegliederten Zerkleinerung des Mahdguts in der Vegetation lebenden Tieren wie Heuschrecken, Schmetterlingsraupen, Spinnen, Schnecken oder Grasfröschen wenig Überlebenschancen ließen. „Aufgrund des schnellen Arbeitstempos bleibt zahlreichen Tierarten, darunter auch Fluginsekten, in der Regel nicht genügend Zeit zur Flucht“, so Kreie.

Zum anderen führe der Verbleib des Mahdguts auf der Fläche über kurz oder lang zu einer Anreicherung von Nährstoffen - insbesondere Stickstoff - im Boden. Dies wirke sich negativ auf die Zusammensetzung der Pflanzenarten aus. Von der Nährstoffanreicherung profitierten einige dominante, starkwüchsige Grasarten und wenige nährstoffliebende krautige Blühpflanzen, darunter auch die Brennnessel. „Weniger dominante Pflanzenarten, die eher auf nährstoffärmeren Standorten gedeihen, haben auf Flächen, die mit einem Mulchmäher gepflegt werden, eindeutig das Nachsehen. Meist handelt es sich dabei zudem um so genannte Lichtkeimer, deren Keimung durch die Mulchauflage verhindert wird“, erläutert Kreie.

Eine Beweidung mit Schafen fördere die Artenvielfalt auf den Flächen. Für Insekten und andere Kleintieren blieben Rückzugsorte, die beispielsweise Schmetterlingsraupen Nahrung und Entwicklungsmöglichkeiten böten. Die Ausscheidungen der Schafe seien ein natürlicher Dünger für die Obstbäume und zögen Insekten an, die wiederum Nahrungsgrundlage für Vögel und insektenfressende Säugetierarten wie Igel, Spitz- und Fledermäuse seien. Der Nährstoffeintrag sei jedoch nicht so massiv und flächig wie durch eine regelmäßige Mulchmahd. In den Trittstellen könnten Samen von Blütenpflanzen keimen, die an anderer Stelle keine Chance hätten. Manche Samen brächten die Schafe im Fell oder an den Hufen bereits von anderen Flächen mit - „und tragen darüber zur Förderung der Artenvielfalt bei.“

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