Seit 1978 veranstalten die Schneverdinger Sozialdemokraten ihre Maikundgebungen. An diese Tradition erinnerte SPD-Landratskandidat Sebastian Zinke am 1. Mai in seiner Rede vor dem Rathaus in der Heideblütenstadt. Doch zuvor bereiteten der Musikzug Schneverdinger Stadtfalken und Ortsvereinsvorsitzender Felix Menzel die laut Veranstalter rund 200 Besucher musikalisch und thematisch auf die Kundgebung vor.
Menzel erinnerte an die mehr als 130-jährige Geschichte des Maifeiertags, an dem die Arbeiter unter anderem für den Achtstundentag auf die Straße gegangen waren. Viele Errungenschaften trügen die klare Handschrift der Sozialdemokraten, so der Sozialstaat, Tarifverträge und Mitbestimmung. Doch die derzeitigen Herausforderungen seien groß: Reicht das Einkommen noch aus, ist der Arbeitsplatz sicher, wie bezahlbar ist das Leben? Und das auch in Schneverdingen.
Deshalb richtete Menzel den Blick auf die Kommunalwahl am 13. September. Bei den vier Wahlen – Stadtrat, Bürgermeister, Kreistag, Landrat – gehe es um „unsere Schulen, unsere Infrastruktur, unsere Vereine, unsere Lebensqualität vor Ort“. Er rief die Zuhörer auf, wählen zu gehen, sich einzubringen, klar Haltung zu zeigen. Der Ortsvereinsvorsitzende: „Parteien wie die AfD stehen nicht für Zusammenhalt, sondern für Ausgrenzung. Sie stellen das infrage, was unsere Demokratie stark macht: Respekt, Vielfalt und Solidarität.“ Gerade am 1. Mai sollten sich die Bürger daran erinnern, „dass Fortschritt immer dann möglich war, wenn Menschen zusammengehalten haben.“
Auf diesen Zusammenhalt als Merkmal der Stadt Schneverdingen wies dann auch der parteilose Bürgermeisterkandidat Johannes Bosselmann im Interview mit Christian Wildtraut hin. Der von SPD, CDU, Grünen und SWG unterstützte 31-jährige Bau-Fachbereichsleiter im Schneverdinger Rathaus ging auch auf sein Alter ein, was viele skeptisch sehen. „Das Alter sagt nichts über die Kompetenz“, so Bosselmann unter Verweis auf seinen Werdegang und seine Führungsverantwortung: „Ich weiß was die Menschen bewegt.“ Zuhören, verstehen, entscheiden sei sein Motto. Ziel sei es Schneverdingen lebenswert zu erhalten, Prioritäten zu setzen und auch auszusprechen und zu vermitteln, wenn sich die Stadt etwas nicht mehr leisten könne. Als fünf wichtigste Punkte listete er die Stadtentwicklung, den Katastrophenschutz, die Digitalisierung der Verwaltung, die Personalentwicklung im Rathaus und die Wärmewende auf.
Auch SPD-Landratskandidat Sebastian Zinke trat ans Mikrofon: „Den 1. Mai als Feiertag abzuschaffen, ist mit der SPD nicht zu machen“, wies er Ansinnen in dieser Richtung mit Nachdruck zurück. Vor dem Hintergrund der vielen Krisen rief er dazu auf, eine „Amazon-Prime-Einstellung“, also alles sofort geliefert zu bekommen, aufzugeben. Jeder müsse mit anpacken. „Und starke Schultern müssen auch mehr übernehmen.“ Zudem sprach er sich für ein Pflichtjahr für Männer und Frauen aus, das im Sozialbereich, bei der Bundeswehr, beim THW oder der Feuerwehr geleistet werden könne.
Da Landrat Jens Grote nicht wieder antritt, sieht sich Zinke, seit 20 Jahren Kommunalpolitiker, selbst in der Verantwortung. „Wir brauchen niemanden von außen.“ Der Landkreis habe große Chancen, die es jetzt zu ergreifen gelte. Dabei setze er auch auf die gute Zusammenarbeit mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Kommunen.