„Steine des Miteinanders“ in der Heide

Auch in diesem Jahr kein Heideblütenfest: Schneverdinger organisieren Kunstaktion als kleines Trostpflaster

„Steine des Miteinanders“ in der Heide

Kein Heideblütenfest in der Heideblütenstadt? Das war für nicht wenige Schneverdingerinnen und Schneverdinger undenkbar. Doch im vergangenen Jahr mussten etliche Fans des traditionellen Heimatfestes die bittere Pille schlucken, pandemiebedingt sagten Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens und der Vorstand des Vereins Heideblüte das mehrtägige Fest schweren Herzens ab. Damals waren alle guter Dinge, in diesem Jahr umso ausgiebiger feiern zu können (HK berichtete). Doch Pustekuchen: Das Coronavirus machte den Verantwortlichen auch in diesem Jahr einen dicken Strich durch die Rechnung. Ein herber Schlag für alle Bürger und Gäste, für die das Heideblütenfest alljährlich das Highlight im Veranstaltungskalender ist. Deshalb hat sich eine kleine Gruppe von Schneverdingern Gedanken gemacht, wie sie den Heidjern in schwierigen Zeiten mit einem alternativen Angebot zumindest ein klein wenig Freude bereiten können. Und so laden diese für den 29. August in der Zeit von 11 bis 18 Uhr zu einem Spaziergang vom Heidegarten in den Höpen ein.

„Auf diesem Weg wird Spannendes und Schönes zu entdecken sein. Wir werden den Heidegarten mit leuchtenden, runden Elementen, Bildern und Skulpturen verschönern. Am Ende des Weges wartet im Höpental ein Gemeinschaftskunstwerk, das zusammen mit Kindern aus allen Schneverdinger Kindergärten sowie allen, die mitmachen möchten, vollendet wird“, erklärt Mathias Kraszon, der die Aktion mit Denise Mehmke und Yvonne Seidler initiiert hat. Kraszon ist 44 Jahre alt und lebt seit zwölf Jahren in Schneverdingen. Er ist ein bekennender „Heideblütenfest-Feierer“: „Ich war mit meinem Sohn auf dem Wagen der Kita Regenbogen dabei - und seitdem bin ich Fan. Zum Heideblütenfest habe ich mir grundsätzlich Urlaub genommen und immer Bekannte eingeladen, damit sie dieses tolle Fest miterleben können.“

Kraszon kommt ursprünglich aus Neu Wulmstorf. Als pädagogischer Betreuer war er viel in sozialen Brennpunkten, unter anderem in Hamburg-Wilhelmsburg, tätig. „Früher bin ich sehr viel umgezogen. Ich wollte aber, dass mein Sohn in einer schönen Ecke aufwächst“, berichtet der 44-Jährige. In der Heideblütenstadt fühle er sich pudelwohl, sagt Kraszon, insbesondere auch wegen der vielen kreativen und künstlerisch tätigen Bürgerinnen und Bürger, der „großen Gemeinschaft“ und des „tollen kulturellen Angebots.“ In seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, oft mit besonderem Förderbedarf, hat er selbst stets auf kreative Beschäftigung gesetzt und unter dem Motto „Kunst ist das, was Du daraus machst“ auch Seminare gegeben. „Der Inklusionsbereich ist mein Steckenpferd. In diesem bin ich seit rund 20 Jahren auch ehrenamtlich aktiv“, berichtet Kraszon. Er selbst widmet sich der abstrakten Malerei, der Fotografie und fertigt per Hand mit Nadeln beziehungsweise kleinen Nägeln und Pailletten glänzende Kugelobjekte: „Ich bezeichne mich gern als kreativ Schaffender, weil ich seit meiner Schulzeit alles mögliche mache.“ Weil Schneverdingen Modellkommune des Projekts „Kommune Inklusiv“ ist, hatte Kraszon bereits im Jahr 2019 „aus einer spontanen Laune heraus“ die Idee, in diesem Jahr eine Vernissage im Rathaus zu organisieren. „Der Grundgedanke war, verschiedene Kunst- und kreative Ausdrucksformen zusammenzuführen, um einen kreativen, bunten Abend zu gestalten“, berichtet der Wahl-Heidjer.

Bei der Stadt Schneverdingen habe er mit dieser Idee offene Türen eingerannt. „Ich war begeistert, wie sehr die Verwaltung Künstlern mit Freude hilfreich zur Seite steht und dass sie ein großes Interesse hat, Künstlerinnen und Künstler aus dem Heidekreis zu fördern. Ich war mehr als motiviert, da ich soviel Entgegenkommen und Unterstützung durch die Mitarbeiter des Rathauses erhielt“, betont der Schneverdinger. Zudem hätten sich immer mehr Mitstreiterinnen und Mitstreiter gefunden: Künstlerin Nina Henning, die Band „Kellerproduktion“, Keven Rieckmann von ‚Artemis Rising‘, Denise Mehmke und Yvonne Seidler vom Tanzsportclub Schneverdingen. „Alle waren von der Grundidee, Musik, Tanz und Malerei zu verbinden, begeistert“, so Kraszon. Dann aber habe die Corona-Pandemie dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung gemacht. Daraus wiederum sei die Idee entstanden, eine Veranstaltung im Höpen auf die Beine zu stellen, quasi als Ersatz für das abgesagte Heideblütenfest. Es entstand eine kleine Gruppe, die engagiert an Konzepten arbeitete.

„Es sollte eine schöne, bunte Sache werden“, unterstreicht Kraszon. Letzlich kristallisierte sich jedoch heraus, dass vieles, was geplant war, den wieder steigenden Inzidenzwerten zum Opfer fallen werde. Angedacht waren nämlich Walking-Acts in der Innenstadt, im Heidegarten und im Walter-Peters-Park, diverse Stände an verschiedenen Orten, ein Kinderprogramm im Walter-Peters-Park und vieles mehr. Für Aktivitäten dieser Art gab es pandemiebedingt allerdings kein grünes Licht. „Natürlich ist da eine gewisse Enttäuschung, aber wir verstehen natürlich auch, dass Sicherheit an oberster Stelle steht“, sagt Kraszon. Und so wird es nun eine „abgespeckte Version“ geben.

Die Mädchen und Jungen der Schneverdinger Kitas haben Steine bemalt, die nun zum Teil in der Stadt, überwiegend aber im Bereich des Heidegartens und im Höpen sowie am Weg dorthin zu sehen sein werden. Hinzu kommen Malerei, Fotogafien mit Motiven aus der Heide, glänzende Kugelobjekte und der eine oder andere „Heidegeist“ aus Wurzeln. „Die Kinder waren so motiviert und fleißig, dass aus vielen kleinen Teilen etwas Großes entstehen wird. Ich hoffe, dass sich viele Familien auf den Weg machen und den einen oder anderen Stein mitbringen. Da unsere Kinder in den vergangenen Monaten viel entbehren mussten, möchten wir jetzt ein symbolisches Zeichen setzen, denn Kunst verbindet“, betont Kraszon: „Das Ganze soll eine Hommage an Schneverdingen und die Heide sein.“

Auch wenn die Aktion „Steine des Miteinanders“ nur ein kleiner Teil des ursprünglich geplanten Programms sei, so hätten sich doch im Zuge der Vorbereitungen zahlreiche Kontakte ergeben, freut sich der Schneverdinger. Er ist sich sicher, dass die Beteiligten künftig durchaus noch die eine oder andere Idee umsetzen werden: „Da wird in Zukunft bestimmt noch etwas passieren.“

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