Tanzen trotz Corona: Wenn Wohnzimmer in Filmstudios verwandelt werden

Tanzsportclub Schneverdingen erfindet sich neu

Tanzen trotz Corona: Wenn Wohnzimmer in Filmstudios verwandelt werden

In der Mitgliederversammlung des Tansportclubs Schneverdingen vor Corona-Zeiten ging es um Zukunft des Vereins. Die Mitglieder segneten den Haushaltsplan ab, ferner standen die Planung der Veranstaltungen und Vorstandswahlen auf der Tagesordnung. Kaum waren die Vorstandsmitglieder in ihren Ämtern bestätigt, da folgte mit den Auswirkungen der Corona-Panedemie schon die erste große Herausforderung. Aber bekanntlich macht Not erfinderisch: Mit dem Erlass der Allgemeinverfügung des Landes Niedersachen musste sich der Tanzsportclub Schneverdingen innerhalb von wenigen Tagen neu erfinden, denn: ein Training im großen Saal der Freizeitbegegnungstätte war plötzlich nicht mehr möglich. In Rekordzeit wurden die Wohnzimmer der Trainerinnen und Trainer zu Filmstudios, in denen wohnzimmertaugliche Tanz-Inhalte produziert wurden. Eine Aktion, die schon jetzt zu Begeisterung bei den Mitgliedern führt.

„Nachdem die mehr als 20 Trainingsgruppen pro Woche abgesagt werden mussten, setzte ich mich sofort mit unseren Trainerinnen und Trainern in Verbindung, um ein Konzept zu entwickeln, wie wir das Training zu unseren Mitgliedern nach Hause bringen können“, berichtet Denise Mehmke, Vorsitzende und lizenzierte Vereinsmanagerin des TSC Schneverdingen. Der Verein beschäftigt elf freiberufliche Tanzlehrerinnen und -lehrer sowie Übungsleiterinnen und -leiter in den Bereichen Paartanz, HipHop, Breakdance, Kindertanz, Line-Dance, Zumba und Tuniertanz. Viele davon sind Vollzeit-Tanzlehrerinnen und -lehrer, die durch die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen derzeit ihren Beruf nicht ausüben können.

„Uns war sofort klar: Wir haben ein kreatives Team, das an einem Strang zieht und keine Probleme, sondern Lösungen sieht“, so Mehmke weiter. „Bereits wenige Stunden nach den Bekanntmachungen der Stadt und des Landes stand das Konzept - und alle begannen mit den Produktionen von verschiedensten Lehrvideos, die wir unseren Mitgliedern jetzt online zur Verfügung stellen. Auch das Livetraining per Videokonferenz wurde von allen Teilnehmern sehr gut angenommen.“ In den semiprofessionellen Videos mit ganz viel Herz präsentieren sich die „Filmstars“ beim Tanz für Kinder, HipHop, Breakdance, Line-Dance und Zumba - und das auf sehr natürliche Art und hochmotiviert. „Von außen betrachtet ist es kaum zu glauben, dass dieser Content - aus der Not heraus - in weniger als 48 Stunden entstanden ist“, betont Mehmke.

Über die Internetseite des Vereins können die Mitglieder im eigens eingerichteten und passwortgeschützten Mitgliederbereich diese Tanzangebote seit Mitte März digital nutzen. „Uns ist klar, dass ein Online-Video-Angebot nicht der persönlichen Betreuung in einem Tanzkurs vor Ort gerecht wird. Deshalb stellen wir allen Mitgliedern des Vereins die Videos aller Tanzgruppen zur Verfügung: die ZumbatänzerInnen können nun auch HipHop-Tanz lernen und die Turniertänzer sich als Breakdancer probieren. In einigen Gruppen bieten wir zudem die Möglichkeit, jede Woche eine Videosequenz vom eigenen Tanzen im Wohnzimmer einzusenden und Feedback zu bekommen. Wir möchten trotz des aktuellen Quasi-Tanzverbots nah an den Menschen sein und eine persönliche Betreuung und ein individuelles Coaching, wo wir können, gewährleisten, unterstreicht Mehmke. Auch Schatzmeister Bernd Pförtner zeigt sich optimistisch: „Die anfängliche Sorge, Mitglieder in diesen schweren Zeiten der weltweiten Coronakrise zu verlieren, ist sehr schnell einem großen Enthusiasmus und Gemeinschaftsgefühl gewichen. Dafür sind wir wirklich sehr dankbar.“

Auch die Mitglieder zeigen vom Einfallsreichtum des Vereins beeindruckt und loben das außerordentliche Engagement des gesamten Vorstands und des Trainerteams, wie erste Rückmeldungen zeigen. Viele Mitglieder äußerten auch explizit, dem Verein trotz der „Zwangsferien“ die Treue halten zu wollen: „Ich zahle meine Mitgliedschaft sehr gern weiter, damit der Verein so erhalten bleibt, wie er jetzt ist und vor allem die Trainerinnen und Trainer sich nicht um ihre Existenzen sorgen müssen“, schrieb zum Beispiel ein Vereinsmitglied.

Bis zum Ende der Coronakrise ist der TSC Schneverdingen engagiert dabei, das Online- Tanz-angebot zu erhalten und die Trainerinnen und -trainer trotz der aktuellen Situation auf die Bildschirme aller Tanzbegeisterten zu bringen. Mit der Aktion soll auch gezeigt werden, dass am Slogan „Tanzen verbindet“ auch in Corona-Zeiten etwas dran ist. In einer Phase des gezwungenen Rückzugs ins Private zeige das Tanzlehrerteam, so Mehmke, „dass ein staatlich verordneter Meter Abstand durch Herzblut und Kreativität dem in der aktuellen Zeit so wichtigen sozialen Miteinander und Zusammenhalt nicht im Wege steht.“

Nach neuestem Erlass ist Outdoortraining für Sportler wieder möglich, selbstverständlich unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen. „Da stand ganz schnell fest, dass auch wir die Chance nutzen möchten und ein paar Telefonate später und dank der Hilfsbereitschaft des TV Jahn Schneverdingen können wir das Zumbatraining ab 20. Mai auf einem Fußballplatz am Osterwaldstadion stattfinden lassen. Ein großer Dank gilt TVJ-Geschäftsführer Martin Skalski und der Fußballsparte des TV Jahn sowie der Stadt Schneverdingen“, so die Vorsitzende.

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