Thema „Alte Schlachterei“: SWG lehnt Konzept des Kulturvereins ab

Jürgen Schulz: „Das finanzielle Risiko ist viel zu hoch“

Thema „Alte Schlachterei“: SWG lehnt Konzept des Kulturvereins ab

Es ist ein Thema, das den Schneverdingern seit langem auf den Nägeln brennt: die Folgenutzung der Immobilie „Alte Schlachterei“, Am Markt 2. Für den kommenden Montag, den 6. Januar, um 20 Uhr lädt die Mehrheitsgruppe SPD/Grüne im Schneverdinger Stadtrat alle Interessierten zu einer öffentlichen Gruppensitzung zum Thema in den Bürgersaal der Freizeitbegegnungsstätte (FZB) ein. In dieser soll das Konzept des Schneverdinger Kulturvereins erörtert werden, der aus den von den Bürgern beim Bürgerforum im Januar 2019 favorisierten beiden Konzepten ein soziokulturelles Zentrum entwickelt hat (HK berichtete). Rechtzeitig vor der Veranstaltung in der FZB hat sich am heutigen Donnerstag, dem 2. Januar, die Schneverdinger Wählergemeinschaft (SWG) mit einer Pressemitteilung zu Wort gemeldet. Sie lehnt das Vorhaben des Kulturvereins ab.

Zur Erinnerung: Beim Bürgerforum zum Thema „Alte Schlachterei“ im Januar vergangenen Jahres im „FunHouse“ hatte sich die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger eindeutig für eine erneute Bebauung in historischer Anmutung ausgesprochen. Vier vorgestellte Konzepte standen damals zur Wahl. Die meisten Stimmen erhielten die Vorschläge des inzwischen aufgelösten Bürgerbündnisses Alte Schlachterei Schneverdingen (BASS) und der Schneverdinger Wählergemeinschaft (SWG), die in Zusammenarbeit mit einem Hamburger Architekturbüro einen eigenen Entwurf (SNAP-Konzept) präsentiert hatte. Auf Grundlage dieser beiden Entwürfe hat der Schneverdinger Kulturverein ein neues Konzept erstellt. Es sieht ein soziokulturelles Zentrum vor, das unter Federführung des Kulturvereins allen Schneverdinger Vereinen und Institutionen offen stehen soll. Angedacht ist, dass der Kulturverein formal als Bauherr fungiert, wenn die Stadt für das 2,1-Millionen-Euro-Projekt eine Bürgschaft zum Defizitausgleich beziehungsweise einen langfristigen Zuschuss garantiert. Für dieses Konzept indes kann sich die Schneverdinger Wählergemeinschaft nicht erwärmen. „Der Mensch unterscheidet sich vom Tier nur dadurch, dass er sich mit Kultur umgibt“, so SWG-Vorsitzender Jürgen Schulz. Die Frage sei jedoch, „zu welchem Preis und zu wessen Lasten man sich Kultur leisten kann - und das gilt auch für eine kleine Stadt wie Schneverdingen.“ Die Schneverdinger Wählergemeinschaft habe sich intensiv mit dem Konzept des Kulturvereins auseinandergesetzt und sei schließlich zu dem Ergebnis gekommen, „diesem nicht zuzustimmen.“

Als Begründung führt die SWG an, „dass das finanzielle Risiko für die Stadt bezüglich der Investitionskosten als auch insbesondere hinsichtlich der jährlichen laufenden Kosten, die sich quasi verdoppeln würden, viel zu hoch ist.“ Weiter heißt es in der Mitteilung: „Soviel ist der SWG die Kultur nicht wert - und das Geld fehlt an anderer Stelle.“ Angesichts der in den kommenden Jahren geplanten Investitionsmaßnahmen, zum Beispiel im Bereich der Feuerwehr in Höhe von mindestens sieben Millionen Euro, sei der städtische Haushalt „praktisch ausgereizt.“

Die Kostenfrage lasse sich, so die Wählergemeinschaft, „nicht von der Frage, ob ein Kulturzentrum benötigt wird, abkoppeln.“ Die Finanzierung des „Konzeptes des Kulturvereins stehe zudem „auf tönernen Füßen.“ Selbst die Verfasser des Konzeptes des Kulturvereins hätten unter Punkt 4 - „Kalkulation und Finanzierungsmodelle“ - geschrieben, dass eine solide Kalkulation der zu erwarteten Kosten und Erlöse zu diesem Zeitpunkt, also bei der Erstellung des Konzeptes, noch nicht möglich sei. „Da fragt sich der mündige Bürger: Wann dann? Wenn nicht jetzt!“, heißt es in der SWG-Mitteilung. Und weiter: „Die Meinungsbildung der Ratsfrauen und Männer beruht demnach auf Annahmen und Erwartungen. Folglich ist die Aussagekraft der öffentlichen Gruppensitzung nicht sehr hoch.“ Die SWG jedenfalls sei schon jetzt gespannt auf die Entscheidung, „wenn zirka fünf Prozent der Schneverdinger Bürger - entsprechend der Mitgliederzahl im Kulturverein - erwarten, dass zirka 95 Prozent der Schneverdinger Bürger die Kosten für die Kultur mittragen sollen.“

Laut SWG-Vorsitzendem Jürgen Schulz habe sich inzwischen ein Schneverdinger Bürger bei ihm gemeldet und ihm eröffnet, dass er bereit sei, „Geld in die Hand zu nehmen und angelehnt an den SNAP-Entwurf zu investieren.“ Der potentielle Investor wolle zwar dadurch die Stadt finanziell entlasten, so Schulz weiter, „allerdings nicht für das Konzept des Kulturvereins, denn dieses überzeuge ihn in finanzieller und aus städtebaulicher Ansicht nicht.“ Vielmehr wolle der mögliche Investor den „Schandfleck“, die marode „Alte Schlachterei“, unter Beachtung der vorgegebenen Kriterien in einen Blickfang verwandeln. Schulz: „Man darf gespannt sein, wie die Politik auf dieses Angebot reagiert.“

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