Vier Jahrzehnte „HöpenAir“: Mit einem Baugerüst und Verlegeplatten fing alles an

Musikfestival im Höpen: Ein Rückblick

Vier Jahrzehnte „HöpenAir“: Mit einem Baugerüst und Verlegeplatten fing alles an

Es wirft seine Schatten voraus, das „HöpenAir“-Festival 2022 in Schneverdingen. Keine Frage, nach der Corona-Zwangspause lechzen Musikfreunde aller Altersgruppen geradezu nach Konzertveranstaltungen aller Art, am besten ohne all die Einschränkungen, die die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie mit sich gebracht haben. Und so hoffen zahlreiche Heidjer und Festival-Fans von weither, dass die für den 11. Juni dieses Jahres geplante Veranstaltung im Höpen der Heideblütenstadt über die Bühne gehen wird, dass das Virus dem Stadtjugendring als Veranstalter diesmal keinen Strich durch die Rechnung macht. Nach dem Verschieben der großen „Geburtstagsparty“ zum 40-jährigen Bestehen des Festivals, das nach wie vor komplett ehrenamtlich organisiert wird, soll nun endlich wieder ausgelassen in der Natur gefeiert werden. Bestätigt sind die Auftritte von „Jupiter Jones“, „Monsters of Liedermaching“, „Wisecräcker“ „Green 4A Day“, „Reis against the Spülmaschine“ und „Grillmaster Flash“.

Den „Vierzigsten“ im vergangenen Jahr haben die Macher des Stadtjugendrings (SJR) um Michael Baden, stellvertretender Vorsitzender des SJR und Planungschef des „HöpenAir“-Festivals, zum Anlass genommen, einen Blick zurück auf die vergangenen vier Jahrzehnte Festivalgeschichte zu werfen. Sie sprachen mit den früheren Organisatoren, durchstöberten verstaubte Archive, sichteten alte Ordner und eine Fülle von Fotos. „So konnten wir die Geschichte und Entwicklung des HöpenAir-Festivals in den vergangenen 41 Jahren etwas rekonstruieren und aufarbeiten“, so Baden.

Nach dem Beginn, an dem vor allem in den ersten Jahren Dieter Möhrmann, Heinz Czienienga und Manfred Jakob die Organisation voran getrieben hatten, gab es mit Friederike Langer, Dennis Niebuhr, Dennis Huhn und nun Baden weitere Schneverdinger, die sich hauptverantwortlich für das „HöpenAir“ zeigten. „Maßgeblich an der Leitung und Entwicklung der Veranstaltung waren aber über viele Jahre zuerst Rolf Weinreich und später Dennis Huhn beteiligt. Weinreich gelang es in den 90er Jahren eindrucksvoll, das ‚HöpenAir‘ über die Kreisgrenzen hinweg zu einem echten Event zu machen. Er lockte Achim Reichel in den Höpen, als ganz Deutschland zu Aloha Heja He schunkelte und bekam Illegal 2001 und Creme 21 nach Schneverdingen, als diese mit ihren Alben die Charts stürmten“, so Baden in seiner Rückschau. Die klangvollen Namen hätten sich seinerzeit deutlich auf die Besucherzahlen ausgewirkt. So seien 1992, 1995 und 1997 mit jeweils etwa 10.000 Besuchern Rekorde aufgestellt worden.

Unter der Leitung von Dennis Huhn hätten die Organisatoren dann den schwierigen Schritt von einem Open-Air „umsonst & draußen“ zu einem Festival mit Einlasskontrollen und Eintrittspreisen vollzogen. „Dieser Schritt war unumgänglich. Aus Sicherheitsgründen, zur Müllvermeidung, vor allem aber, um das Festival mit den Einnahmen aus Ticketverkäufen und dem Getränkeausschank weiterhin finanzieren zu können“, blickt Baden zurück. Logistisch sei dies eine große Herausforderung gewesen, „musste man doch fortan das gesamte Gelände umzäunen, Einlassschleusen errichten, Kontrollen umsetzen und einen Kartenvorverkauf organisieren. Dies ist heute alles selbstverständlich - und das ist vor allem Huhns Verdienst“, betont der heutige Hauptverantwortliche.

Unter Huhns Leitung traten ebenfalls bekannte Künstlerinnen und Künstler auf, so zum Beispiel Stefanie Heinzmann, „Torfrock“ und die „Spider Murphy Gang“. Baden und das gesamte „HöpenAir“-Team könnnen es kaum erwarten, das 40-jährige Bestehen des Festivals nachzufeiern: „Wir freuen uns riesig auf die tollen Bands, auf die großartige Atmosphäre, auf die einmalige Stimmung im Höpental und am meisten freuen wir uns auf die gigantische Party mit „Euch!“, heißt es auf der Internetseite https://www.hoepenair.de, auf der es alle Infos rund ums Festival gibt, auch zum Vorverkauf und zu den Übernachtungsmöglichkeiten.

Auftakt auf dem Segelflugplatz im Jahr 1981

Im Jahr 1981 hatte etwa ein Dutzend junger Schneverdinger des Stadtjugendrings die Idee, in der Heideblütenstadt ein kleines Open-Air-Festival zu organisieren. Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln ließen sie damals Taten folgen. Veranstaltungsort war der Segelflugplatz im Höpen, der mit Hilfe von einigen Verlegeplatten und einem Baugerüst zum Festivalgelände umfunktioniert wurde. Im Jahr 1985 folgte ein „Tapetenwechsel“ - und mit dem Umzug in den Höpen hieß das Festival fortan „HöpenAir“.

„Bis heute durchlief das Festival eine stetige Entwicklung mit vielen Höhepunkten und ein paar wenigen Rückschlägen. Der besondere Charakter blieb aber stets bestehen: familiär, entspannt und geprägt von einer der einzigartigsten Konzertbühnen in Deutschland“, sagt Michael Baden, denn: „Wer kann schon behaupten, ein Festival in einem idyllischen Heidetal mitten im Landschaftschutzgebiet veranstalten zu dürfen?“

In Sachen Musik sei die Veranstaltung schon immer so ausgerichtet gewesen, „dass möglichst alle Altersklassen angesprochen werden“, erklärt der derzeitige Festivalorganisator.

Nach der ersten namhaften Band „Clowns & Helden“ im Jahr 1987 seien weitere Stars wie Achim Reichel (1992), Wolf Maahn (1995) oder Illegal 2001 (1997) in der Heide aufgetreten. „Stets waren es auch die kleineren regionalen Bands, die neben den etablierten Gruppen für musikalische Unterhaltung sorgten“, berichtet Baden. „The Keltics“ beispielsweise hätten gleich mehrfach im Höpen für Stimmung gesorgt „und auch die Munsteraner Band Sleepin’ Silence war zweimal vertreten, deren Leadsänger war übrigens Lars Klingbeil.“ Ab 2005 sei das Höpen-Air dann nicht mehr unter dem Motto „umsonst & draußen“ über die Bühne gegangen. Dafür sei es in den Folgejahren gelungen, namhafte Bands und Künstler wie „H-Blockx“ (2006), „Torfrock“ (2011), „Wingenfelder“ (2012), „Spider Murphy Gang“ oder Stefanie Heinzmann (beide 2017) nach Schneverdingen zu holen. „Die Besucherzahlen lagen nun im Durchschnitt bei 3.000 und stiegen sogar bis auf 5.000 Gäste im Jahr 2015 an. Zwischenzeitlich gab es im Jahr 2013 einen Rückschlag. Bei Dauerregen und niedrigen Temperaturen fanden damals nur 1.200 Besucher den Weg ins Höpental“, so der derzeitige Festivalplaner.

Aufgrund der gestiegenen Anforderungen, dem damit verbundenen höheren Zeitaufwand und der stetigen Weiterentwicklung haben die Organisatoren 2015 beschlossen, das Festival künftig im zweijährigen Rhythmus zu veranstalten. Dabei habe sich die Freiluftbühne mit ihren einzigartigen Begebenheiten im Höpental bewährt, unterstreicht Baden: „Ein weitläufiges Gelände mit einer Bühne im Tal mitten in der Natur. Die Tribüne und die Hänge laden zum Verweilen ein und bieten von allen Plätzen aus beste Sicht auf die Bühne.“

Um die 150 Helfer

Hinter dem „HöpenAir“-Festival stehen 15 ehrenamtliche Macherinnen und Macher sowie um die 150 engagierten Helferinnen und Helfer, darunter bis zu 30 Jugendliche, die gemeinsam mehr als 5.000 Stunden Zeit in diese Veranstaltung investieren. Das Engagement der ehrenamtlichen Helfer und Unterstützer sei wichtig, so Festival-Chefplaner Michael Baden und Inka Ovens, Vorsitzende des Stadtjugendrings Schneverdingen, „um allen Gästen einen unvergesslichen Abend zu bereiten.“ Professionelle Licht- und Tontechnik seien mittlerweile ebenso Standard bei der Veranstaltung wie ein breit gefächertes gastronomisches Angebot.

Das „HöpenAir“ verstehe sich als familienfreundliches beziehungsweise familiäres Festival für alle Altersklassen, das für ganz Schneverdingen und Umgebung einen Treffpunkt biete. Und das ziehe gerade in den vergangenen Jahren immer weitere Kreise. So seien auch Besucher zum Beispiel aus Flensburg, Berlin, Kiel oder Dresden angereist.

Baden und Ovens sind begeistert, wie sich die Jugendlichen in die Veranstaltung einbringen: „Drei Tage anstrengende körperliche Arbeit, organisieren, zusammenarbeiten, gemeinsam essen und durchhalten an bis zu 16 Stunden langen Tagen und beim Aufräumen nach den Konzerten am Sonntag. Das ist etwas, worauf die Jugendlichen auch stolz sind.“ Das Erfolgserlebnis, eine gelungene Veranstaltung auf die Beine zu stellen, gebe der Jugend ein gutes Gefühl. Baden: „Das Vermitteln von Normen und Werten erachten wir als sehr wichtig in der heutigen Zeit.“

Logo