Am gestrigen Holocaustgedenktag legten stellvertretender Vorsitzender Michael Schirmer für die SPD und Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens für die Stadt Schneverdingen je einen Kranz im Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft auf dem Schneverdinger Friedhof nieder. Ein gutes Dutzend Schneverdinger versammelte sich dazu am Gedenkkreuz.
Schirmer erinnerte daran, dass vor 81 Jahren das KZ Auschwitz von Soldaten der Roten Armee befreit worden sei. „Wir sind heute hier zusammengekommen, um der auf diesem Friedhof ruhenden ehemaligen KZ-Häftlinge zu gedenken.“ Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine verwies er darauf, „dass die Toten auch unserer Tage die Lebenden mahnen“. Schirmer erinnerte zudem daran, dass 62 unbekannte Tote an diesen Gedenkort umgebettet worden seien, nachdem sie zuvor in der Nähe des Bahnhofs verscharrt worden waren. Sie hatten am Ende des Zweiten Weltkriegs die sogenannten Evakuierungstransporte aus den Konzentrationslagern nicht überlebt, weil die Transportbedingungen – Nahrungsmangel, Krankheiten, zum Teil offene Waggons, Erschießungen – katastrophal waren. Der Sozialdemokrat erinnerte daran, dass es kaum noch Menschen gebe, die Augenzeugen dieser damaligen Gräuel waren. „Knapp 200.000 leben noch.“ Um so wichtiger und aktueller sei es, immer wieder für Freiheit und Demokratie einzutreten. Schirmer zitierte abschließend den Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah, aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“
Bürgermeisterin Moog-Steffens wies daraufhin, dass der 27. Januar, der Holocaust-Gedenktag, als Tag der Befreiung des KZ Auschwitz stellvertretend für Millionen Menschen stehe, die entrechtet, verfolgt, deportiert, gequält und ermordet wurden: Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, politische Gegnerinnen und Gegner, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle und viele andere. Die 62 Menschen, die in Schneverdingen beerdigt wurden, „waren keine abstrakten Opfer. Sie waren Familie, Nachbarn, Freunde. Sie wurden zu Nummern gemacht, ihrer Würde und ihrer Zukunft beraubt.“
„Dass wir heute hier stehen können, ist nicht selbstverständlich – es ist ein Auftrag“, unterstrich die Bürgermeisterin. Gerade in einer Zeit, in der antisemitische, rassistische und menschenfeindliche Stimmen wieder lauter werden, sei das Gedenken keine Pflichtübung, sondern eine Haltung.
„Der Friede ist das Meisterwerk der Vernunft“, dieser Satz von Immanuel Kant ziert die Schleife des städtischen Kranzes. Er sei, so Moog-Steffens, „Erinnerung und Auftrag zugleich. Er mahnt uns, dass Frieden nicht selbstverständlich ist, sondern jeden Tag neu verteidigt werden muss – durch Haltung, durch Zivilcourage und durch Mitmenschlichkeit.“
Am Nachmittag legte die stellvertretende SPD-Vorsitzende und Wintermoorer Ortsvorsteherin Hendrikje Köster vor circa zehn Zuschauern einen Kranz am Gedenkstein auf dem Wintermoorer Friedhof nieder. Zuvor hatte sie an „diesem Ort, der still ist, und gerade deshalb so eindringlich spricht“, daran erinnert, dass in Wintermoor 156 Menschen, 156 KZ-Häftlinge verschiedener Nationen, ruhten, die auf grausame Weise ihr Leben verloren haben. Deren Tod sei Teil eines unmenschlichen Systems gewesen, das Menschen entrechtet, entwürdigt und schließlich vernichtet habe.
„Dass sie heute hier gemeinsam ruhen, mahnt uns. Es mahnt uns, nicht zu vergessen, wohin Hass, Rassismus und Gleichgültigkeit führen können. Der Holocaust begann nicht mit Gaskammern. Er begann mit Worten. Mit Ausgrenzung. Mit Wegsehen. Mit der schleichenden Gewöhnung an Unrecht“, so Köster.
Der Holocaust-Gedenktag sei kein Tag wie jeder andere. „Er ist ein Tag des Innehaltens, der Trauer, aber auch der Verantwortung. Verantwortung dafür, die Erinnerung wachzuhalten – gerade an Orten wie diesem.“ Wintermoor stehe stellvertretend für viele vergessene Schauplätze des Grauens, an denen Menschen litten und starben, ohne dass die Welt hinsah.