„Wir wollten keinen faulen Kompromiss“

KGS Schneverdingen: Aufwendige „Eigenproduktion“ zum digitalen Tag der offenen Tür am 20. März

„Wir wollten keinen faulen Kompromiss“

Ihre Mundpartie ist hinter einem Stofftuch verborgen, hinter dem sich wiederum ein integrierter FFP-Schutz versteckt. Für das obilgatorische Pressefoto zeigt Claudia Witzek für einen kurzen Moment Gesicht, doch beim Termin im Büro des Schulleiters Mani Taghi-Khani geht es am vergangenen Freitagvormittag um eine ganz andere „Enthüllung“: Auf einem Flachbildschirm präsentiert die didaktische Leiterin an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Schneverdingen nämlich das, was sie in bislang rund 200 Stunden am Rechner erarbeitet hat. Witzek ist für den schulzweigübergreifenden Unterricht und die pädagogische Schulentwicklung zuständig und hat in enger Abstimmung mit Schulleitung und Kollegium an einem aufwendigen Internetangebot „gebastelt“, über das die Schule am 20. März Viertklässler und deren Eltern zu einem digitalen Tag der offenen Tür einladen wird. Das Portal hat schon jetzt eine ganze Menge zu bieten, ist aber noch nicht freigeschaltet.

Um Eltern und Kinder bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen, wartet die KGS mit unterschiedlichen Informationsformaten auf. Beim digitalen Tag der offenen Tür sollen sich die Interessierten nicht in den unendlichen Weiten des Internets verlieren, sondern sich vielmehr sicher und bequem von zu Hause aus über die Möglichkeiten informieren können. „Der Übergang von Klasse 4 nach 5 ist für die Eltern und ihre Kinder ja fast schon so etwas wie eine Lebensentscheidung. Daher wollen wir ihnen die Möglichkeit geben, sich auch in der Corona-Pandemie umfassend zu informieren, damit sie sich bestmöglich ein Bild machen können“, so Taghi-Khani.

Als Corona noch kein Thema war, gab es Info-Veranstaltungen, persönliche Gespräche und als Kernstück der Angebote zur Orientierung einen Tag der offenen Tür in der KGS, bei dem die künftigen „Neuen“ unter anderem in den Unterricht der Fünft- und Sechtsklässler hineinschnuppern konnten. Viertklässler aus allen Schneverdinger Grundschulen sowie aus Neuenkirchen und Bispingen, die neugierig durch die Gänge laufen, dazu ihre jungen Gastgeber der KGS sowie Eltern und Lehrkräfte? In Corona-Zeiten undenkbar, gilt doch das Kohortenprinzip. „Wenn nur ein einziger unwissend Infizierter dabei wäre, könnte man mutmaßlich acht Schulen schließen“, so Taghi-Khani. Und weiter: „Wir ahnten schon im Oktober vergangenen Jahres, dass die Corona-Zahlen steigen würden. Und so entstand die Grundidee, dass wir einen Tag der offenen Tür wie sonst auch organisieren wollen, nur eben digital und mit den entsprechenden Veränderungen.“

Bereits im November vergangenen Jahres begannen die ersten Planungen. „Uns war klar, dass wir mehr als anklickbare Angebote und selbstgedrehte Videos präsentieren wollen, sondern zeigen möchten, dass an der KGS das Miteinander, das Persönliche wichtig ist“, berichtet die didaktische Leiterin. Auf der Suche nach entsprechenden Möglichkeiten kontaktierte sie diverse Anbieter, doch schnell kristallisierte sich heraus, dass die von den Unternehmen offerierten Lösungen nicht in Frage kamen. „Sie waren zu teuer oder auch überdimensioniert. Wir wollten aber keinen faulen Kompromiss eingehen“, erläutert Witzek.

Was also tun? Frei nach dem Motto „Selbst ist die Frau“ fuchste sich Witzek in die Materie ein. Voller Tatendrang machte sie sich an eine „Eigenproduktion“, wobei ihr Schulleitung und Kollegium angesichts der Größe der Herausforderung den Rücken freihielten. Mit dem Internetseiten-Baukasten „WordPress“ und sogenannten Plug-ins, also verschiedenen kleinen Softwareprogrammen, die in eine größere Anwendung integriert werden können, erstellte sie nach und nach einen speziell auf den digitalen Tag der offenen Tür zugeschnittenen Internetauftritt, der vielfältige Möglichkeiten bietet und auf dem sich auch diejenigen, die nicht besonders internetaffin sind, gut zurechtfinden können.

Anfang der zweiten Februarwoche hatte die KGS bereits 280 Informationspakete an Familien mit Kindern, die die Schneverdinger Grundschulen sowie die beiden Grund- und Oberschulen in Neuenkirchen und Bispingen besuchen, verteilt. Darin enthalten sind neben zahlreichen Flyern mit umfangreichen Informationen auch ein USB-Stick mit einer aufgezeichneten KGS-Informationsveranstaltung und ein Anschreiben für die Schüler vom Schulmaskottchen, das mittlerweile sogar eine eigene E-Mail-Adresse hat, so dass sich Kinder mit ihren Fragen rund um die KGS direkt an Schnucke „Sigi“ wenden können.

Kindgerechte Erläuterungen wird es auch beim digitalen Tag der offenen Tür geben, zudem eine Fülle von Informationen für die Eltern. Anmeldungen dazu sind ab 22. Februar über die Internetadresse www.kgs-schneverdingen.de möglich. Per Mausklick kann zudem im Bereich „Übergänge gestalten“ ein Newsletter abonniert werden, um fortan über alle Termine auf dem Laufenden zu bleiben. Am 20. März beginnt die virtuelle Veranstaltung dann um 10 Uhr mit der Begrüßung durch Taghi-Khani und einen Überraschungsgast, die per Live-Stream übertragen wird. Ab 10.15 Uhr haben zuvor angemeldete Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, über das Internet an Unterrichtssequenzen in allen drei Schulzweigen teilzunehmen. „Die Kinder können nicht nur zuschauen, sondern über unser Konferenzsystem auch mitmachen, wenn sie sich trauen“, so Witzek, „denn die Lautsprecher in den Klassenräumen wirken in beide Richtungen. Alles wird gut verständlich sein.“

Weiterhin werden eine virtuelle Schulführung und Online-Beratungsgespräche angeboten, es gibt Antworten auf häufig gestellte Fragen sowie eine Bildergalerie, die Einblicke in das Schulleben gewährt. Ebenso wenig fehlen Abrufangebote wie zum Beispiel Videos über die Eltern- und die Schülervertretung, Ganztagsangebote und den Förderverein.

„Wir hatten eine Vorstellung davon, wie das Ganze aussehen soll - und ich habe versucht, das genauso umzusetzen. Dabei habe ich viel gelernt und eine Menge an Fachwissen hinzugewonnen“, berichtet Witzek. Ein Großteil des von ihr erarbeiteten Internetangebots funktioniert bereits hervorragend, das eine oder andere muss noch ergänzt werden. Gesamtschuldirektor Taghi-Khani ist schon jetzt beeindruckt: „Was dabei herausgekommen ist, das ist unglaublich professionell gemacht.“

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