Zeichnungen mit Seele

Jürgen Draeger wird 80 Jahre alt: Ausstellung in der Schneverdinger Galerie „Rotes Sofa“ / Vernissage am 26. Juli um 16 Uhr

Zeichnungen mit Seele

In den 60er Jahren galt er nach seiner Rolle im Film „Polizeirevier Davidswache“ von Jürgen Roland als der deutsche Alain Delon, Federico Fellini engagierte ihn 1971 als Kostüm- und Decorzeichner für seinen Film „Roma“, er begleitete den Circus Roncalli drei Jahre durch Deutschland und porträtierte Willy Brandt: der deutsche Schauspieler, Sänger, Maler und Zeichner Jürgen Draeger. Anlässlich seines 80. Geburtstages am 2. August dieses Jahres wird es in Berlin, wo er lebt und arbeitet, eine große Sonderausstellung geben. Aber auch fernab der Bundeshauptstadt wird der runde Geburtstag des Multitalents gefeiert: Im Skulpturengarten der Schneverdinger Galerie „Rotes Sofa“ in der Oststraße 6 eröffnet die Schneverdinger Malerin und Bildhauerin Lilo Schmidt-Wiedenroth am 26. Juli um 16 Uhr eine Bilderausstellung, in der Originalzeichnungen, signierte Plakate und Litographien des Berliner Künstlers zu sehen sind. Draeger hat mehrfach auf Einladung der Schneverdingerin in der Heideblütenstadt ausgestellt und ist mit ihr seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden.

Es war durchaus ein mutiger Schritt, als Schmidt-Wiedenroth im Jahr 1973 in der beschaulichen Heideblütenstadt ihre „Kleine Galerie“ eröffnete. Der Name war Programm, standen in der Harburger Straße 11 doch lediglich 20 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. „Klein, aber fein“ lautete das Motto. Die Galeristin und Künstlerin legte sich von Beginn an mächtig ins Zeug, um bekannte und talentierte Künstlerinnen und Künstler für Ausstellungen in der Heide zu begeistern und so das kulturelle Leben vor Ort zu bereichern. Sie lernte Jürgen Draeger damals in der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg kennen, wo sich beide vom Berliner Otto Eglau in Drucktechniken unterweisen ließen. Die Schneverdingerin fragte Draeger, ob er Lust dazu habe, in der „Kleinen Galerie“ ausstellen. Dieser sagte zu - und so wurde eine Ausstellung auf die Beine gestellt. Draeger hatte sich seinerzeit bereits als Schauspieler einen Namen gemacht. Und als Künstler arbeitete er an seiner Serie „Berliner Kinder“. Diese Arbeiten zeigte er dann auch in der „Kleinen Galerie“.

In einem Interview, das Draeger Jahre später aus Anlass seiner Ausstellung „Ein Käfig voller Narren“ im Rahmen der 600-Jahr-Feier der Stadt Soltau mit Hans Niphut führte, erinnert sich der Künstler gern an seine erste Ausstellung in der „Kleinen Galerie“ zurück. „Galeristen, die mit Enthusiasmus anfangen, muss man als Künstler unterstützen und die Galerien fördern, indem man sich beteiligt. Ich hatte von Schneverdingen keine Ahnung“, so Draeger im Interview. Lilo Schmidt-Wiedenroth habe mit ihrer Galerie außergewöhnliche Arbeit geleistet, und die Ausstellung sei ein Erfolg gewesen. „Journalisten kamen aus Bremen, Hamburg und Lübeck angereist. Das war ein Riesenspektakel - und die Kleine Galerie ist über Nacht sehr bekannt geworden“, berichtete Draeger.

Das war nicht nur der Beginn einer langanhaltenden Freundschaft, sondern auch einer weiteren beruflichen Zusammenarbeit. Draeger stellte mehrfach bei Lilo Schmidt-Wiedenroth aus, auch nachdem sie mit ihrer Galerie in die Oststraße 6 umgezogen war. „Er ist ein sehr guter Zeichner. Er beherrscht die Kunst, die Situation zu schildern, ohne dass die Technik überwiegt. Ich persönlich finde seine Zeichnungen am schönsten. Sie haben Seele - und technisch ist Draeger ein Meister“, so Schmidt-Wiedenroth. Viele ältere Schneverdinger dürften sich noch gut an die „Reise zum Regenbogen“ erinnern: Der Maler, Zeichner und Schauspieler hatte den „Circus Roncalli“ drei Jahre durch Deutschland begleitet und währenddessen die Bilderserie „Die Reise zum Regenbogen“ geschaffen, die als Wanderausstellung international gezeigt wurde. 1984 machten die Bilder in Schneverdingen Station. Auf Initiative von Schmidt-Wiedenroth gab es damals eine dreitägige Kulturveranstaltung mit Schultheateraufführungen, einem Jazzfrühschoppen und zirzensischen Attraktionen. „Es kamen bis zu 2.000 Besucher, die völlig begeistert waren. Drei Tage voller Kultur. Das war einfach toll“, so die Künstlerin. Es folgten weitere Kooperationen mit Draeger und hin und wieder auch gegenseitige Besuche.

Nun also wird der Berliner 80 Jahre alt. Die Schneverdingerin freut sich, ihm zu Ehren eine Ausstellung präsentieren zu können, um gemeinsam mit den Gästen in Erinnerungen zu schwelgen. Unter anderem sind Originalzeichnungen aus den Serien „Reise zum Regenbogen“ und „Ein Käfig voller Narren“ zu sehen. Die Vernissage wird musikalisch umrahmt und unter anderem auch die CD mit dem Draeger-Interview zur Ausstellung in Soltau und zur „Kleinen Galerie“ abgespielt. „Wir sind froh, dass wir in Corona-Zeiten unseren Skulpturengarten haben. Dieser bietet ausreichend Platz für die Eröffnung, so dass die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden können“, so die Künstlerin. Um Anmeldungen unter Ruf (05193) 1885 oder per E-mail an lilos@galerie-rotes-sofa.de wird gebeten.

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